Wer Tiere isst, muss auch die moralischen Konsequenzen tragen können. © picture-alliance/dpa (Symbolbild)
Kommentar

Tierquäler-Skandal: Liebe Fleischesser, hört auf, euch etwas vorzumachen!

Auf einem Viehhof in Werne ist ein Tierquälerei-Skandal aufgedeckt worden. Die Empörung ist groß. Unser Autor fordert ein Ende der Heuchelei.

Es sind brutale Szenen: Eine abgemagerte Kuh, die von einem Mann immer wieder mit einem Stock geschlagen wird. Das entkräftete Tier versucht zu flüchten, davon kommt sie in ihrer kleinen Stall-Box aber nicht. Später liegt die Kuh am Boden und wird am Fuß mit einer Seilwinde in einen Anhänger gezogen.

Diese Bilder stammen aus einer Viehsammelstelle im benachbarten Werne. Die Organisation „Soko Tierschutz“ hat über Monate dort undercover gefilmt. Jetzt sind sie veröffentlicht worden – und sorgen für Aufruhr und Diskussionen.

Es sind Lebewesen wie wir

Ja, diese Bilder aus Werne sind schockierend. Aber wirklich „neu“ ist das nicht, wenn wir ehrlich sind. Denn uns muss allen bewusst sein, dass ein respektvoller und verantwortungsvoller Umgang mit Tieren nicht mit der industriellen Viehzucht zusammenpasst. Es geht dort nämlich um Profit und Effizienz.

Und wenn wir noch ehrlicher sind: Es ist vermutlich JEDEM klar, woher das Fleisch auf dem Teller kommt. Es ist nicht „einfach so“ im Discounter oder – wenn man das eigene Gewissen beruhigen möchte – im Bioladen gelandet. Sondern hat mal gelebt.

Wir reden hier von Lebewesen, die wie wir atmen und fühlen. Und jedes Lebewesen, dessen Tod bevorsteht, leidet Todesangst. Egal, ob es artgerecht nach Bio-Standards gehalten wurde.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Bio-Standards und artgerechte Haltung sind sicher ein Fortschritt. Aber jedwede Siegel verhindern in letzter Konsequenz kein Tierleid. Sie mildern es höchstens.

Auch Bio-Label machen es nicht besser

Das gilt alles übrigens nicht nur für die Fleischproduktion. Sondern genauso für das Stück Käse oder die dafür notwendige Milch. Es ist eine Illusion, dass dafür kein Tier leidet oder sterben muss. Denn die Kuh gibt, wie das Säugetier Mensch, nur Milch, wenn sie ein Kind bekommen hat, beziehungsweise ein Kalb. Denn Kuhmilch ist die Muttermilch für die Kälber.

In der Industrie werden Kühe künstlich befruchtet: Die geborenen Kälber werden zu Essen verarbeitet, während ihre Mütter leergepumpt werden. Für die Cornflakes oder den Kaffee. Übrigens sind in Werne auch Kühe aus der Milchindustrie gelandet und gequält worden.

Ich hoffe, dass der aufgedeckte Tierquälerei-Skandal vielen Menschen die Augen öffnet und ein Bewusstsein schafft, dass der Konsum von tierischen Produkten auch immer mit Ausbeutung verbunden ist.

Die Bio-Milch von der zertifizierten tierlieben Idylle ist eben nur gestohlene Muttermilch. Das handgeschlachtete Rinderfilet, bei dem das Tier mit angeblich „viel Respekt“ behandelt wurde, konnte nur entstehen, weil ein Lebewesen umgebracht wurde.

Tiere essen, in welcher Form auch immer, ist ohne Leid nicht möglich.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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