„Wir müssen reden“

Tierquälerei in Fleisch-Betrieb: Schwere Vorwürfe gegen Behörden

Videos von gequälten Tieren in Werne sorgen für einen Skandal. Wie konnte es dazu kommen? Was können Verbraucher tun? Experten geben Antworten auf die drängendsten Fragen in unserem Livetalk „Wir müssen reden“.
Vier Experten gehen gemeinsam mit Chefredakteur und Moderator Jens Ostrowski der Frage auf den Grund, wie es zu dem Tierquälerei-Skandal in Werne kommen konnte. © Carolina Meinert

Das Thema Tierwohl ist nach einem kürzlich aufgedeckten Skandal aus Werne wieder in aller Munde: Schockierende Video-Aufnahmen von einer Viehsammelstelle der Firma Mecke GmbH zeigen kranke Tiere, die grausam von Mitarbeitern gequält werden.

Darüber haben in unserer Live-Talkshow „Wir müssen reden“ der Lebensmittelexperte Berhard Burdick von der Verbraucherzentrale NRW, der Castrop-Rauxeler Landwirt Ulrich Dingebauer, der Fleischhygiene-Experte Kai Braunmiller und der Tierschützer Friedrich Mülln, dessen Organisation „Soko Tierschutz“ den Skandal aufgedeckt hat, gesprochen. Moderator und Chefredakteur Jens Ostrowski hat der Expertenrunde die brennendsten Fragen der Leserinnen und Leser unseres Medienhauses gestellt.

Vorwurf: Veterinäramt und Hofbesucher sollen weggeschaut haben

Viele haben sich gefragt, wie es überhaupt zu dieser Tierquälerei in Werne kommen konnte. Eigentlich müsse es ja Kontrollen geben. Für Tierschützer Friedrich Mülln und die Soko Tierschutz ist der Fall in Werne „ein weiteres Glied einer Kette, die wir schon seit Jahren verfolgen“. Der Aktivist erhebt dabei schwere Vorwürfe:

Das Veterinäramt des Kreises Unna habe die Aufsicht und wisse „genau, was in der Firma Mecke läuft“, sagt der Aktivist. Für Mülln sei das Unnaer Veterinäramt entweder „inkompetent“ oder „per du“ mit dem Betrieb, weshalb man nicht aktiv werde.

Der Fleischhygiene-Experte Kai Braunmiller wirft ein, vermutlich gebe es zu wenig Personal in den Veterinärämtern, um ausreichend unangekündigt Viehzucht-Betriebe zu kontrollieren. Er kann sich allerdings auch nicht vorstellen, dass die Zustände nicht schon länger bekannt waren.

Besucher des Hofes, Tierärzte, Transporteure oder Nachbarn – sie alle müssten davon etwas mitbekommen haben, meint er. Gesagt habe aber niemand etwas.

Aus eigener Erfahrung kann Landwirt Ulrich Dingebauer berichten, dass er in den letzten zwei Jahren nur einmal unangekündigt vom für ihn zuständigen Veterinäramt kontrolliert worden sei. Er verteidigt jedoch auch die Branche – und sagt, dass es nur „ein paar schwarze Schafe“ gebe. Die meisten Landwirte machten es gut.

Nur ein Label versichert Tierschutz

Der Begriff „schwarze Schafe“ lässt Tierschützer Mülln aus der Haut fahren: Für ihn sind das Ausreden. Die industrielle Tierzucht sei ein kaputtes System, das sich auf Profit ausgerichtet habe und nicht auf das Wohl von Tieren.

Dafür sei auch der Handel verantwortlich, so Bernhard Burdik von der Verbraucherzentrale NRW. Zwar lehnen die Verbraucher prinzipiell Tierleid ab. Aber durch geschicktes Marketing werde den Kunden vorgegaukelt, dass ein Kilogramm Kotelett für 2,99 hochqualitativ und ohne Qual entstanden sei.

Burdik fordert, dass die Politik hier eingreift. Die Nutztierhaltung müsse strenger reguliert werden. Verbraucher sollten derweil darauf achten, Fleisch in Bio-Qualität, der Haltungsform 3 oder 4 und mit Neuland-Label kaufen – wie bei Landwirt Dingebauer, bei dem die Schweine Freilauf und Stroh im Stall haben.

Für Mülln reicht das nicht aus: „Wir reden von Lebewesen, die wir in Kategorien packen.“ Die Verbraucher müssen sich erinnern, dass es trotz Gütesiegel immer auch um Ausbeutung geht. Für ihn ist das einzige Label, was Tierschutz sicher nachweist, das Vegan-Label.

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