Tierschutzverein fordert erneut eine Kastrationspflicht

Stadt blockt bislang

Es ist bereits der dritte Anlauf seit 2012, den der Tierschutzverein in Dortmund unternimmt, um eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen durchzusetzen. Die Ordnungsverwaltung allerdings zeigt weiter die Krallen. Und Erika Scheffer, Vorsitzende des Tierschutzvereins, faucht zurück.

DORTMUND

, 03.08.2016, 01:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Niedlich – doch Stubentiger, die Ausgang haben, sollten kastriert sein, um Katzenelend einzudämmen.

Niedlich – doch Stubentiger, die Ausgang haben, sollten kastriert sein, um Katzenelend einzudämmen.

„Der Tierschutzverein nimmt es nicht mehr hin, dass die Dortmunder Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, diese Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung vorzunehmen“, schimpft Erika Scheffer. Mehr als 70 Gemeinden in Nordrhein-Westfalen hätten die Kastrationspflicht mittlerweile eingeführt, „darunter Fröndenberg, Recklinghausen, Bonn und Essen.“ Paderborn war 2008 der Vorreiter.

Bußgeld von mindestens 1000 Euro

Seit Mitte Juni lässt Scheffer ihren Antrag auf Einführung eines Ausgehverbots für unkastrierte Hauskatzen mit Freigang durch die Politik tigern. Sie will mit der Regulation der Katzenpopulation unnötiges Tierleid vermeiden. Besitzer, die ihre Stubentiger unkastriert frei laufen lassen, sollen ein Bußgeld von mindestens 1000 Euro zahlen. Dazu hat Scheffer im Juni an die Fraktionen und Oberbürgermeister Ullrich Sierau geschrieben.

Grüne sowie Linke & Piraten haben bereits signalisiert, für eine entsprechende Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung zu stimmen. Von den anderen drei Fraktionen SPD, CDU und FDP/Bürgerliste gibt es noch keine Stellungnahme.

Das sagt das Ordnungsamt

Dafür eine ablehnende mehr von der Leiterin des Ordnungsamtes, Beate Siekmann. Sie nimmt in einem Schreiben an den Tierschutzverein Bezug auf das Tierschutzgesetz (§ 13b S.3), nach dem es möglich ist, eine Kastrationspflicht einzuführen. Das Land NRW hat die Entscheidung darüber den Kommunen übertragen. In Dortmund allerdings, so Siekmann in ihrem Schreiben, seien die Voraussetzungen für den Erlass einer entsprechenden Verordnung nicht gegeben. „Die Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Freigängerkatzen stellt einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Tierhalter dar“, schreibt Siekmann. Das kollidiere mit dem Tierschutzgesetz – zwei Rechtsgüter von Verfassungsrang. Deshalb müsse es eine strenge Verhältnismäßigkeitsprüfung durch die jeweilige Ordnungsbehörde geben.

Die bloße, vom Tierschutzverein vorgenommene, Schätzung von 2500 bis 3000 freilebenden Katzen im Stadtgebiet sei im Hinblick auf die gesetzlichen Voraussetzungen (etwa Leid durch Populationsdruck) nicht ausreichend. „Das ist eine reale Schätzung“, kontert Erika Scheffer. In Kürze will sie bei der Politik erneut an der Tür kratzen.

Lesen Sie jetzt