Der Angeklagte mit seinen Verteidigern Jens Tuschhoff (li.) und Stefan Bieschke an einem früheren Verhandlungstag. © Martin von Braunschweig
Schwurgericht

Tod von Ibrahim D.: Angeklagter muss für drei Jahre ins Gefängnis

Der kleinwüchsige Ibrahim D. starb im Mai einen schrecklichen Tod. Der einzige Verdächtige konnte dafür jedoch nicht verantwortlich gemacht werden. Ins Gefängnis muss er trotzdem.

Der Tod des kleinwüchsigen Ibrahim D. bleibt ungeklärt. Der einzige Verdächtige ist vom Dortmunder Landgericht am Montag zwar zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Für die tödlichen Folgen kann der 39-Jährige aus Sicht der Richter aber nicht verantwortlich gemacht werden.

Ibrahim D. war im Mai so brutal zusammengeschlagen worden, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Dass der Angeklagte ihn geschlagen hat, steht fest. Das hat der 39-Jährige selbst zugegeben. Er hatte allerdings immer nur von einem Schlag ins Gesicht gesprochen.

„Wir wissen nicht, wer das war“

Dass dieser Schlag tödliche Folgen hatte, konnten die Richter nicht feststellen. Ein Zeuge hatte beobachtet, dass Ibrahim D. auch noch getreten worden ist. Ob dies der Angeklagte war, ist unklar geblieben. „Wir wissen nicht, wer das war“, so Richter Thomas Kelm bei der Urteilsbegründung. „Wir können dem Angeklagten seine Einlassung, dass er nach dem ersten Schlag gegangen ist, nicht widerlegen.“

Damit blieb am Ende nur eine Verurteilung wegen Körperverletzung – nicht wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

„Ist das Gerechtigkeit?“

Ein Bruder des Opfers reagierte erbost. „Ist das Gerechtigkeit?“, rief er. Und an die Staatsanwältin gerichtet: „Frau Staatsanwältin, ich hoffe, mein toter Bruder kommt Sie in Ihren Träumen besuchen.“

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