Bei einer Bombenevakuierung in Obereving fiel auf, dass im Evakuierungsradius 24 Menschen in Quarantäne lebten. Diese Häufung stand in Verbindung mit dem riesigen Corona-Ausbruch bei Tönnies. © Oskar Neubauer (Archivbild)
Zeitweiser Corona-Hotspot

Tönnies-Mitarbeiter wohnten unbemerkt in Eving

Es gibt neue Erkenntnisse zur zeitweisen Häufung von Corona-Fällen in Eving: Nach Angaben des Gesundheitsamtes spielte bei ihr offenbar auch der Corona-Ausbruch bei Tönnies eine Rolle.

Eving war vergangene Woche neben der Nordstadt einer von zwei Corona-Hotspots in Dortmund. Zwischenzeitlich lebten 98 Prozent aller aktiven Corona-Fälle in den beiden Stadtteilen.

Was bisher nicht bekannt war: Die dortige Häufung von Corona-Erkrankungen hatte eine Verbindung zum riesigen Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik Mitte Juni mit mehr als 1500 Infizierten.

„Eine Handvoll“ Mitarbeiter von Tönnies oder von dessen Subunternehmen seien bei mehreren Familien in Eving untergekommen, sagte der Dortmunder Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Problem war nur: Die Stadt wusste davon lange nichts.

Zwar war nach dem Mega-Ausbruch im Kreis Gütersloh eiligst eine Liste, auf der die Wohnorte aller Tönnies-Mitarbeiter standen, an alle betroffenen Kommunen verschickt worden. Doch unter den 14 Dortmunder Namen auf der Liste fehlten die jener Handvoll Tönnies-Mitarbeiter in Eving.

Diese seien nicht offiziell in Dortmund gemeldet gewesen, erklärt Renken. Und weil sie auch niemandem bei der Stadt sagten, dass sie quasi dauerhaft bei Bekannten oder Familienmitgliedern in Eving wohnten, rutschten sie durch das Raster der städtischen Tönnies-Recherchen.

Ihr Aufenthalt in Eving fiel erst bei den Umfeld-Untersuchungen des Gesundheitsamts auf, als es die ersten Corona-Fälle in ihren Gastgeber-Familien gab. Zwischenzeitlich waren 24 Menschen aus vier Haushalten unter Quarantäne, nach Informationen unserer Redaktion wohnten alle in derselben Nachbarschaft.

Dieser sehr lokal begrenzte Quarantäne-Hotspot sorgte auch im Zuge der Evakuierungsaktion rund um den Fund von zwei Weltkriegsbomben am 9. Juni für Aufregung.

Wie vor jeder Entschärfung mussten sicherheitshalber alle Anwohner im näheren Umkreis ihre Wohnungen verlassen – und zufällig wohnten alle vier betroffenen Quarantäne-Familien im Evakuierungsradius.

Also fuhren an den Wohnanschriften der Menschen Krankentransporte vor. Fahrer in Schutzkleidung, mit Brille, Visier, Haube und Kittel, nahmen die Evinger in Empfang und brachten sie einzeln oder in Kleinstgruppen in verschiedene städtische Einrichtungen.

Doch wie Renken unserer Redaktion berichtete, wäre das zu diesem Zeitpunkt bei den meisten der 24 betroffenen Menschen gar nicht mehr nötig gewesen: Bei allen bis auf fünf war die Quarantänezeit kurz zuvor abgelaufen.

Verantwortlich für die Panne war laut Gesundheitsamt eine fehlerhafte Abfrage der Quarantäne-Daten. So bekamen die Kräfte vor Ort veraltete Zahlen.

Inzwischen hat sich das Infektionsgeschehen in Eving beruhigt, sagt Renken. Die Quarantäne habe gewirkt, es seien keine weiteren Corona-Fälle bekannt, die mit den betroffenen vier Familien zu tun hätten.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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