Beim Konzert 2018 im FZW war’s noch voll (v.l.): Lukas Nimscheck, DJ Pauli und Florian Sump. © Schaper
Warsteiner Music Hall

Top-10-Band sagt Konzert in Dortmund ab – „Wollen keine Masseninfektion riskieren“

Es wäre das erste Hallen-Konzert auf Phoenix-West 2021 gewesen – dann noch von einer Top-10-Band. Doch die sagte nun kurzfristig ab - weil den Musikern das Risiko zu groß ist.

Eine Woche fehlte. Am 21. März 2020 hätte das Konzert in Dortmund eigentlich stattfinden sollen. Also nur wenige Tage, nachdem Corona-bedingt fast alles schloss: Kitas, Schulen, Sportstätten – und Konzerthallen. Also auch die Warsteiner Music Hall auf Phoenix-West.

Zwei Mal wurde noch verschoben: auf 16. September 2020, dann auf 29. Oktober 2021. Doch jetzt sagte die Band das Konzert endgültig ab – mit deutlichen Worten in Richtung Politik.

Im Sommer: Konzert im Westfalenpark

„Die Hälfte unseres Publikums kann sich schlichtweg nicht impfen lassen“, heißt es in der offiziellen Absage. Der Grund hat damit zu tun, dass es sich zwar um eine Gruppe handelt, die schon mit zwei Alben in den deutschen Top 10 war. Aber doch um eine mit spezieller Zielgruppe.

„Deine Freunde“ machen eine Mischung aus Hip-Hop und Pop für Kinder, ein bisschen auch für deren Eltern. Anfang August gaben die drei Hamburger bei den Juicy Beats Sessions ein Konzert im Westfalenpark. Da waren die Abstände im Zuschauerraum allerdings groß – ganz anders als bei vorherigen Auftritten im FZW.

Die Band Deine Freunde ist bei den Juicy Beats Park Sessions in Dortmund aufgetreten. © Felix Guth © Felix Guth

„Bundesländer machen ihr eigenes Ding“

Wenn es um 2G oder 3G gehe, sei „die Rechnung der politischen Entscheider wieder einmal ohne die Kinder und Familien gemacht“ worden, attackieren „Deine Freunde“ die Politik. Das grundlegende Problem: „Die Bundesländer machen alle ihr eigenes Ding.“

Dabei hätte das Konzert in Dortmund sogar stattfinden können. In NRW sind Vorschulkinder von der Testpflicht befreit. Schulkinder dürfen wegen der regelmäßigen Tests in den Klassen auch zu Freizeitveranstaltungen wie Konzerten.

„Schnelltests an Schulen in ungenau“

In anderen Teilen Deutschlands müssten aber nicht-geimpfte Kinder und Jugendliche einen PCR-Test vorweisen. Der noch deutlich teurer ist als das Konzertticket an sich. Wegen dieser Unterschiede sei nur eins geblieben: eine Absage der kompletten Tour.

Doch auch generell haben die Hamburger Kritik: „Schnelltests an Schulen sind ungenau; wir und unsere Veranstalter vor Ort können und wollen eine mögliche Masseninfektion einfach nicht riskieren.“

Auf den Konzertkarten, die nun ungültig sind, steht noch der 21. März 2020.
Auf den Konzertkarten, die nun ungültig sind, steht noch der 21. März 2020. © Althoff © Althoff

Konzert für weniger Zuschauer? Keine Option

Man sei „traurig, enttäuscht und müde“, aber auch „sprachlos, dass sichere Konzepte für Kinder weiterhin fehlen, nicht nur im Veranstaltungsbereich. Deshalb übernehmen wir die Verantwortung dafür, dass von uns und unseren Shows keine Gefahr ausgeht.“

Eine Reduzierung der Zuschauerzahl – für „Deine Freunde“ keine Option: Die Karten seien vor Corona verkauft worden, für eine volle Auslastung. „Wir müssten also mindestens die Hälfte von Euch nach Hause schicken. Auch das wollen und können wir nicht.“

„Corona-Fonds greift für uns nicht“

Wer Karten hatte, bekommt das Geld zurück – abzüglich der Gebühren für die Ticketanbieter. Obwohl es für die Band finanziell nicht leicht sei: „Wir als Familienband fallen nun durch jedes Förderungsraster und bekommen für die finale Absage unserer Tour keinerlei Ausgleich. Der Corona-Sonderfonds der Bundesregierung hat sich für die gesamte Live-Branche, Stand heute, als nicht praktikabel entpuppt und greift für uns nicht.“

Das Konzert am 29. Oktober wäre das erste gewesen, wenn aus dem Impfzentrum wieder die Warsteiner Music Hall wird. Alle vorherigen Termine sind bereits verlegt auf 2022.

Aktuell als erstes Konzert aufgeführt auf der Seite der Music Hall: J.B.O am 5. November.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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