Die EDG ist auf der Suche nach einem neuen Hauptgeschäftsführer neben Bastian Prange (l.) und Frank Hengstenberg. © EDG / Montage: Sauerland
Entsorgung Dortmund

Top-Job in Dortmund: Zwei sind sich nicht grün – Wer wird Nummer 3?

Anfang 2022 soll bei der EDG ein dritter Geschäftsführer an Bord kommen und das Ruder übernehmen. Wer die Aufgabe stemmen soll? Bei der Besetzung des Postens steht der EDG eine Premiere ins Haus.

Im März 2020 musste sich Klaus Niesmann, Sprecher der EDG-Geschäftsführung, krankheitsbedingt aus seinem Dienst zurückziehen. Mit der Vertragsaufhebung im November 2020 gab er seinen Job bei der kommunalen Entsorgungstochter endgültig auf. Inzwischen ist er verstorben.

Seit Niesmanns Ausscheiden wird die EDG von einem Duo gelenkt: Geschäftsführer Frank Hengstenberg (CDU) regelt den kaufmännischen Part. Sein Pendant Bastian Prange, ursprünglich als Arbeitsdirektor gestartet, ist neben Personalfragen inzwischen auch für die strategische Ausrichtung des Unternehmens zuständig. Dass sich die beiden Spitzen „nicht grün” sind, gilt inzwischen als offenes Geheimnis.

Dennoch haben die Stadt und DSW21 als Gesellschafter der EDG lange gezögert, den Posten des Hauptgeschäftsführers neu zu besetzen. Seit November 2020 hat sich nichts getan. Jetzt soll es soweit sein: Die SPD-Fraktion fordert nun, „die Ausschreibung der noch vakanten Stelle des dritten Geschäftsführers zu starten und den Posten so schnell wie möglich zu besetzen“.

EDG-Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Schilff will das Thema in die kommende Sitzung des Aufsichtsrates am 24. September einbringen. Herr des Verfahrens sind allerdings die Stadt Dortmund als 51-Prozent-Gesellschafterin der EDG sowie DSW21 als 49-prozentige Gesellschafterin. Der Startschuss für die Ausschreibung muss demnach von OB Thomas Westphal kommen, der sich zumindest öffentlich noch nicht geäußert hat.

SPD äußert sich indirekt zu CDU-Geschäftsführer Hengstenberg

Offenbar soll es auch künftig mit einem Trio in der EDG-Chefetage weitergehen. EDG-Geschäftsführer Prange jedenfalls darf sich der Rückendeckung der SPD-Fraktion sicher sein. Er hatte am Montag (6.9.) vor der Fraktion die künftige Ausrichtung der EDG skizziert.

Im Anschluss ließ die SPD per Pressemitteilung verlauten, mit Prange sitze „ein kompetenter Geschäftsführer bei der EDG, der das nötige Rüstzeug und die notwendigen Innovationsideen mitbringe, um das Unternehmen zusammen mit den beiden anderen Geschäftsführern“ nach vorne zu bringen.

Mit dieser Formulierung sendet die SPD auch ein verklausuliertes Signal an die CDU. Bislang hatte sich die SPD nicht in die Karten gucken lassen, ob sie einem langfristigen Verbleib von CDU-Mann Hengstenberg zustimmen würde. Jetzt lässt die Fraktion erstmals durchklingen, dass sie damit durchaus leben könne. Mit dem Schreiben sei „auch eine kleine Botschaft an die CDU verbunden“, heißt es bei der SPD hinter vorgehaltener Hand.

Jetzt läuft auch die Suche nach dem dritten EDG-Chef an

Hengstenberg war vor Monaten ins Fadenkreuz der EDG-Gesellschafter geraten. Ihm war deutlich gemacht worden, spätestens mit Vertragsende Februar 2023 sei für ihn Schluss beim kommunalen Entsorger.

Den Ausschlag für die jetzige Haltung der SPD dürfte im aktuellen Bericht der Wirtschaftsprüfer von PWC zu finden sein. Sie waren vom EDG-Aufsichtsrat beauftragt worden, zurückliegende Grundstücksgeschäfte genauer zu beleuchten. Sie fallen in Hengstenbergs Zuständigkeitsbereich.

Ergebnis: PWC konnte keine formalen Unregelmäßigkeiten oder Verstöße beim Ablauf von Grundstückskäufen feststellen. Hengstenberg sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und hat mehrfach deutlich gemacht, über 2023 hinaus an seinem Job festhalten zu wollen.

So oder so müssen sich die beiden aktuellen EDG-Spitzen Hengstenberg und Prange auf baldigen Zuwachs einstellen. Der Neue soll in die Fußstapfen von Ex-Hauptgeschäftsführer Niesmann treten, der für den technischen Bereich verantwortlich zeichnete.

Führungsebene soll erstmals mit einem Grünen besetzt werden

Das Besondere an der Personalie: Erstmals in der Geschichte der EDG soll ein Grüner in die Führungsriege aufrücken – beziehungsweise ein Geschäftsführer, der den Grünen nahesteht.

Wie Stadt-Sprecher Frank Bußmann auf Anfrage bestätigt, sollen Personalberater („Headhunter“) mit der Suche nach „fachlich geeigneten Kandidaten“ aus der Entsorgungswirtschaft beauftragt werden. Wer anschließend zur Vorstellungsrunde eingeladen wird, entscheidet eine Findungskommission. Dort haben die Grünen den „ersten Zugriff“ auf einen Kandidaten. Nach den gängigen Spielregeln heißt das: Die Grünen nennen in der Endrunde ihren Favoriten – SPD und CDU schließen sich an.

Anfang Januar 2022 soll der Neue bei der EDG an Bord kommen. Ihn erwartet eine Herkulesaufgabe: Er soll fachliches Wissen mitbringen, in der Entsorgungswirtschaft vernetzt sein – und über Fingerspitzengefühl verfügen, um die Risse und Grabenkämpfe zu kitten, die sich seit geraumer Zeit durch die Belegschaft ziehen.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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