Waschmittel bewerben kann sie: Elisa aus Dortmund werden bei Germany‘s Next Topmodel häufig skurrile Aufgaben gestellt. © Prosieben/Richard Hübner
Germany‘s Next Topmodel

Topmodel-Kandidatin Elisa kämpft gegen Doppelmoral und aufblasbare Kostüme

Am 18.3. musste sich Elisa aus Dortmund erneut bei Germany‘s Next Topmodel beweisen. Trotz großen Kostümen und aufgedrehten 80er-Jahre-Videos kann die Show nicht verschleiern, worum es ihr eigentlich geht.

Auf die knallharte Medienwelt sollen die Kandidatinnen von Germany’s Next Topmodel (GNTM) in der siebten Folge der aktuellen Staffel vorbereitet werden. Deshalb schickt Heidi Klum den verbliebenen 17 Teilnehmerinnen – unter ihnen die 20-jährige Elisa aus Dortmund – in der Folge vom Donnerstag (18.3.) taff-Moderator Christian Düren ins Modelloft, der in Einzelinterviews den knallharten Journalisten mimt.

Seine Vorab-Recherche beschränkte sich zwar ausschließlich auf die Social-Media-Auftritte der jungen Frauen, das reicht Düren aber aus, um sie mit vermeintlichen provokanten Fragen zu ärgern.

Die ganze Angelegenheit enttarnt sich recht schnell selbst als effektive Methode, die Frauen erst zu verunsichern, sie dann dafür zu verurteilen und anschließend die Kamera ganz nah auf ihre Tränen zu halten. Das übliche eben.

Zu schüchtern, zu selbstbewusst, zu schlagfertig, zu langweilig

Gleichzeitig offenbart die Show in dem „Medientraining“ wieder mal ihre ekelhafte Doppelmoral.

Unter dem Deckmantel eines Trainings wird den Frauen gezeigt, was sie alles nicht sein dürfen: zu schüchtern, zu selbstbewusst, zu direkt, zu ausweichend, zu schlagfertig, zu langweilig, zu freundlich und zu arrogant. Wie sie denn dann sein sollen? Gute Frage. Meine Theorie: Das Sein, also ein echter Subjekt-Status, war für die GNTM-Kandidatinnen sowieso nie vorgesehen. Sie sollen nicht sein, sondern gut aussehen und die Fresse halten.

Den Gipfel der Frechheit erreichen die Interviews, als Düren die Kandidatinnen Alysha, Liliana und Alex für ihre (vermeintlich) freizügigen Bilder kritisiert, die sie auf ihren Social-Media-Kanälen gepostet haben. In einer Show, in der die Kandidatinnen schon in der ersten Folge von einem schmierigen Mitt-50er aufgefordert wurden, ihm ihre Brüste zu zeigen und in dem sie bereits nur mit Badeschaum bekleidet über einen Laufsteg geschickt wurden.

Und in der auch in der aktuellen Folge gefühlt mehr Pos in engen Leggings als Gesichter gefilmt werden. Aber sobald sie ihren Körper selbstbestimmt zeigen, meckert Patriarch vom Dienst Düren.

Elisa kriegt überflüssige Ratschläge

Auch für die Dortmunder Kandidatin Elisa hält er einen unaufgeforderten Rat bereit: Als die im Interview erzählt, dass sie sie sich zu Beginn von GNTM erstmal eingewöhnen musste und etwas verschlossen war, belehrt er sie direkt, dass man sich als Topmodel und im Showbusiness ja auch beweisen muss. Danke, Christian, das wusste Elisa sicher noch nicht.

Die kurze Interview-Frequenz gehört bis dato zu Elisas größten Auftritten in der Staffel, nachdem es in den vorherigen Folgen häufig ruhig war um die blonde Deusenerin. Und auch im folgenden Videoshooting ist sie nur kurz zu sehen.

Elisa ist 20 Jahre alt und Abiturientin aus Deusen. In Heidi Klums Model-Show gehört sie zu den Favoriten.
Elisa ist 20 Jahre alt und Abiturientin aus Deusen. In Heidi Klums Model-Show gehört sie zu den Favoriten. © Prosieben/Richard Hübner © Prosieben/Richard Hübner

Dieses Videoshooting kann sich im Übrigen richtig sehen lassen. Denn bei all der Kritik und Verachtung für die Inhalte von GNTM – das Kreativteam der Show liefert in dieser Staffel gewohnt ab. Immer wieder lässt es sich überraschende und fantasievolle Sets und Kostüme einfallen.

In der siebten Folge dürfen die Model-Anwärterinnen in schrillen Aerobic-Outfits einen 80er-Jahre Werbespot für ein Fantasie-Produkt drehen – in einem bunten Set, das sich alle 20 Sekunden komplett verändert. Wenn man auch bei der Tonspur von GNTM oft nicht so viel essen kann, wie man kotzen möchte: auf der visuellen Ebene macht die Show richtig Spaß.

Trash-TV mit Millionenbudget

Da stört es auch nicht, dass die kreativen Köpfe von GNTM beim Walk der siebten Folge das Brainstorming ein bisschen zu spät abgebrochen haben und die Frauen in riesigen aufblasbaren Kostümen über den Laufsteg schicken, die zu allem Überfluss auch noch Emojis symbolisieren sollen.

Im Gegenteil: Spätestens als Kandidatin Dascha in einer gigantischen Kirsche über den Laufsteg eiert und dabei noch versucht, sexy auszusehen, ist komplett vergessen, dass diese Show jemals für irgendetwas stehen wollte. Das ist Trash-TV mit Millionenbudget.

Es folgen Romina in einem Herz mit Pfeil, Yasmin mit drei Chillischoten auf dem Rücken, Linda, deren Tentakel-Kostüm liebevoll als Coronavirus bezeichnet wird und Dortmunderin Elisa, die durch ihr Sternkostüm durch lukt wie eine Robbe, die sich in einem Schwimmring verfangen hat. Wenn die Show jetzt noch das ewige Palaver, was Frauen eigentlich tun und lassen sollen, einstellen würde – ich wäre Fan.

Lässt sie aber natürlich nicht. Das kreative Spektakel, das am Ende mehr an eine schrille Kunstperformance als an Privatsender-Unterhaltung erinnert, wird nur gestört durch Heidi Klum und ihre Gastjuroren, die verzweifelt versuchen, dem ganzen ein paar konstruktive Kommentare hinzuzufügen. „Sie hat mich hypnotisiert“, urteilt beispielsweise Influencerin Stefanie Giesinger über Elisas Auftritt.

Auch aufblasbare Kostüme gehören zur „Model-Ausbildung“ der Show. Doch Elisa bewältigte auch den überdimensionalen Stern halbwegs galant.
Auch aufblasbare Kostüme gehören zur „Model-Ausbildung“ der Show. Doch Elisa bewältigte auch den überdimensionalen Stern halbwegs galant. © Prosieben/Richard Hübner © Prosieben/Richard Hübner

Lingerie, drehende Gerüste, Tränen

Ohne viel Aufheben wird Elisa in die nächste Runde geschickt. Und darf sogar erneut ein paar Worte in die Kamera sagen: „Wir sind alle froh, dass wir die Social Media Woche überstanden haben“, sagt sie über sich und ihre Mitkandidatinnen. „Wir haben es alle gut gemacht scheinbar.“

Und weil Freizügigkeit und nackte Haut anscheinend doch nicht so schlimm sind, wie Düren den Models eben noch glauben machen wollte, dürfen die Frauen sich in der nächsten Folge am 25.3. in sexy Lingerie auf der Bühne räkeln. Und auf einem gigantischen, sich drehenden Gerüst posieren. Und in die Kamera weinen. Sie kennen das.

Über die Autorin
Redakteurin
In Lippstadt aufgewachsen, zum Studieren nach Hessen ausgeflogen, seit 2018 zurück in der (erweiterten) Heimat bei den Ruhr Nachrichten.
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