Gastronom Franco Challali in den Räumen seines neuen Lokals: Bis zur Eröffnung werden die Räume noch umgestaltet. © Thomas Thiel
Neueröffnung

Trattoria „wie in Rom“ beerbt Edel-Italiener in Dortmunds Innenstadt

Er kochte bereits für Jürgen Klopp und die BVB-Stars - nun macht Franco Challali ein neues Restaurant in Dortmund auf. Der Gastronom beerbt einen bekannten Edel-Italiener in der Innenstadt.

Robert De Niro und Al Pacino sind bereits da: Große Schwarz-Weiß-Fotos der beiden Hollywoodstars lehnen an der Wand. Die vielleicht berühmtesten Italo-Amerikaner der Welt werden bald auf die Gäste im neuen Restaurant von Franco Challali herabblicken.

Anfang November will der Dortmunder Gastronom eröffnen. Dann wird das lange leerstehende Lokal im repräsentativen Altbau an der Ecke Goebenstraße / Arndtstraße wieder zu neuem Leben erwachen. Gegenüber des Kaiserbrunnens, in bester Lage im Kaiserviertel, hatte vor über einem Jahr der bekannte Edel-Italiener „Nuragus“ seine Rollläden für immer heruntergelassen.

Das Ecklokal am Kaiserbrunnen steht seit einem Jahr leer. Das
Das Ecklokal am Kaiserbrunnen steht seit einem Jahr leer. Das “Nuragus” hat die Corona-Zeit nicht überlebt. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Für Challali ist es ein Heimspiel: Seit 2014 betreibt er an der Düsseldorfer Straße am Rande des Kaiserviertels das „La Romantica“.

„Dieser Laden ist mein Leben“, sagt Challali. Er arbeite 16 bis 18 Stunden am Tag, sagt der 43-jährige Vater von vier Kindern. „Seit 2013 war ich nicht mehr mit der Familie im Urlaub.“

Die Anfangsjahre an der Düsseldorfer Straße seien „turbulent“ gewesen, erzählt Challali. „Da gibt es keine Laufkundschaft. Am ersten Tag habe ich nur 16 Euro Umsatz gemacht.“ Er habe sich jeden Gast hart erarbeiten müssen. Mittlerweile habe er eine treue Stammkundschaft.

Das will er nicht aufgeben. Und so zieht das „La Romantica“ komplett samt Namen, Konzept und Speisekarte an den Kaiserbrunnen um.

Bei der Entscheidung zum Umzug spielten auch die Corona-Bedingungen eine große Rolle: Vor der Pandemie habe er 12 Tische in den kleinen Gastraum des „La Romantica“ an der Düsseldorfer Straße hineingequetscht. „Wenn jemand zur Toilette wollte, mussten alle aufstehen“, sagt Challali. Er nennt diese Tisch-an-Tisch-Stellung „Rom-Style“.

„Nur mit drinnen würden wir pleitegehen“

Aktuell dürfe er jedoch wegen der Corona-Abstandsregeln nur vier Tische im Lokal aufstellen. Der Betrieb lohne sich nur, weil er auch 13 Tische draußen hat. „Nur mit drinnen würden wir pleitegehen“, sagt der Gastronom. Doch die kühlen Abende des Herbstes kommen mit großen Schritten näher.

Passt Robert De Niro hier hin? Franco Challali hält probeweise schon einmal ein großes Schwarz-Weiß-Porträt des Hollywood-Stars an die Wand der neuen Heimat seines Restaurants
Passt Robert De Niro hier hin? Franco Challali hält probeweise schon einmal ein großes Schwarz-Weiß-Porträt des Hollywood-Stars an die Wand der neuen Heimat seines Restaurants “La Romantica”. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

In den Räumen des alten Nuragus habe er hingegen Platz für 17 coronakonform aufgestellte Tische, hat Challali ausgemessen. „Wir wechseln von S zu XL, allein die Küche im Nuragus ist so groß wie mein Gastraum aktuell.“

Wenn er an die Zeit nach Corona denkt, fangen Challalis Augen an zu glänzen: „Das wird wie in Rom“, sagt er. „Alles schön eng, das liebe ich!“

Im Gegensatz zum Nuragus will er dann auch Tische nach draußen stellen, auf die Bürgersteige von Arndt- und Goebenstraße, und sogar auf die gegenüberliegende Straßenseite, auf eine Ecke des Kaiserbrunnens – wenn denn das Ordnungsamt mitspielt.

Die Küche des „La Romantica“ wird weiter einen stark kalabrischen Einschlag haben. Dort liegen Challalis Wurzeln – zumindest seine kulinarischen.

Jürgen Klopp soll ihn seinen Wagen fahren gelassen haben

Seit Challali, der eigentlich mit Vornamen Issam heißt und nach eigener Aussage „halb Spanier, halb Marrokaner“ ist, 1997 „als Tellerwäscher“ nach Dortmund kam, habe er nur bei Kalabresen gearbeitet: Zuerst in der „Trattoria da Nino“ in Aplerbeck, später bei dem damaligen BVB-Koch Toni Pace. Letzterem half er auch teilweise, wenn Pace für Jürgen Klopp und seine Mannschaft kochte. Klopp habe ihn sogar mal seinen BMW X6 fahren lassen, erzählt Challali.

Zu der Zeit habe Challali kalabrisch kochen gelernt. Seine Küche sei Küche nach Nonna-Art: „hausgemachte Nudeln, keine Tomaten, keine Sahne, viel Meeresfisch“. Seine Ware beziehe er direkt aus Italien: die Büffelmozzarella und das Mehl für seine Pizzen aus Neapel, die Salsiccia aus Kalabrien.

Das merkt man auch an den Preisen: So kostet beispielsweise die Margherita 9,5 Euro, Fisch- und Fleisch-Gerichte meist zwischen 25 und 30 Euro. „Wir sind nicht die billigsten“, sagt Challali.

Bevor er seine Gäste am Kaiserbrunnen bewirten kann, wartet aber noch viel Arbeit. Die cremefarbenen Vorhänge und Wandfarben werden einer Schwarz-Weiß-Optik weichen. Dann kommen auch De Niro und Pacino richtig zu Geltung

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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