Trinker und Obdachlose: Stadt erkennt keine großen Probleme in Marten

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Im vergangenen Jahr war die Trinkerszene in Marten ein großes Thema. Mehrere Seiten forderten den Einsatz von mobilen Sozialarbeitern. Die Stadt hat vor Ort recherchiert.

Marten

, 18.02.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Massiv gestört und teilweise sogar bedroht fühlten sich Dortmunder Bürger über mehrere Jahre durch die sogenannte Trinkerszene vor ihrer Haustür. Die zuständige Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund sorgte für Abhilfe und ließ im Sommer 2019 die Sitzmöglichkeiten an der Steinhammerstraße/Ecke Martener Straße in Marten entfernen.

Diese Vorgehensweise stieß bei einigen Bürgern auf Kritik. Ihr Argument: Damit würden die Menschen lediglich verdrängt, das Problem werde aber nicht gelöst. Sinnvoller wäre es doch, die Mitglieder der Trinkerszene von Sozialarbeitern zu beraten und zu unterstützen, hieß es von verschiedenen Seiten.

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Sogar ein Runder Tisch mit Politikern, Vertretern des Martener Forums und Bürgern kam im September 2019 zusammen. Die Teilnehmer favorisierten damals ebenfalls die Idee der Straßensozialarbeit und ließen sie über die BV zur Prüfung an die Verwaltung weiterleiten.

Auch im Steinhammer-Park gibt es laut Stadt keine feste Trinker- oder Obdachlosenszene.

Auch im Steinhammer-Park gibt es laut Stadt keine feste Trinker- oder Obdachlosenszene. © Stephan Schütze (A)

Mittlerweile haben sich Fachkräfte der Sozialen Arbeit aus dem städtischen Sozialamt über mehrere Wochen, von September bis Dezember 2019, vor Ort ein eigenes Bild gemacht. Das geht aus einem Schreiben von Stadträtin Birgit Zoerner an die Bezirksvertretung hervor.

Keine feste Trinker- oder Obdachlosenszene

Sozialarbeiter werden vorerst nicht auf Martens Straßen eingesetzt, teilt Zoerner mit. Die Begründung: In diesem Stadtteil habe man weder eine feste Trinker- oder Obdachlosenszene vorgefunden noch Beratungsbedarf bei einzelnen Personen festgestellt.

Zu diesem Ergebnis kommen die Fachkräfte nach etlichen Gespächen mit Anwohnern und „Trinkern“ im Umfeld des Penny-Markts, an der Ecke Martener Straße/Wischlinger Weg und im Steinhammer-Park. Generell hätten die Mitarbeiter nur wenige Personen angetroffen, die Alkohol konsumierten, so Zoerner.

Trinkerszene: Treffen mit Bekannten zu einem Feierabendbier

„Die überwiegend männlichen Erwachsenen erklärten, über geregelte Einkünfte beziehungsweise Arbeit zu verfügen und einen festen Wohnsitz zu haben“, schreibt Zoerner. Sie hätten angegeben, sich nur zum Feierabendbier mit Bekannten zu treffen und „keine Probleme mit einem ungesteuerten Alkoholkonsum“ zu haben.

„Die anwesenden Menschen erklärten übereinstimmend, keinerlei Beratungs- und sonstige Angebote durch städtische Mitarbeitende zu benötigen oder zu wünschen“, so Zoerner. Unterstützungsbedarf aufgrund von Alkoholabhängigkeit, Obdach-, Wohnungs- und Arbeitslosigkeit habe sich also nicht bestätigt, betont sie.

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Trinkerszene: Gelegentliche Streitigkeiten und Probleme mit Müll

So ganz heil ist die Welt in Marten aber doch nicht: „Es gebe, so wurde berichtet, allerdings auch einige andere Akteure, die mehr Alkohol konsumierten. Dann gebe es gelegentlich auch Streitigkeiten und Probleme mit Müll und anderen Hinterlassenschaften“, räumt Zoerner ein.

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Vor allem Situationen wie diese waren es, die Anwohnern in Marten in der Vergangenheit übel aufstießen. Allerdings gab es innerhalb der Bürgerschaft kein einheitliches Meinungsbild: Die einen hielten die Anwohner-Schilderungen für übertrieben, andere fühlten sich allein durch den Anblick von öffentlich trinkenden Menschen gestört.

An der Ecke Steinhammerstraße/Martener Straße wurden aufgrund von Anwohner-Beschwerden über die Trinkerszene die Sitzgelegenheiten entfernt.

An der Ecke Steinhammerstraße/Martener Straße wurden aufgrund von Anwohner-Beschwerden über die Trinkerszene die Sitzgelegenheiten entfernt. © Beate Dönnewald (A)

So oder so – aktuell ist laut Stadt die Situation in Marten entspannt. Diese Einschätzung decke sich auch mit den Aussagen des Kommunalen Ordnungsdienstes, erklärt Stadträtin Zoerner. Demnach habe es in den vergangenen Monaten in Marten nur sehr selten Anlass zum Einschreiten und Fälle von Ordnungswidrigkeiten gegeben.

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Darüber hinaus seien der Zentralen Beratungsstelle des Diakonischen Werks keine Menschen bekannt, die sich regelmäßig in Marten aufhalten. „Von daher sieht das Sozialamt zurzeit keinen Bedarf für eine aufsuchende Soziale Arbeit in Marten“, schreibt Zoerner.

Mitarbeiter des Sozialamtes würden den Stadtteil im Auge behalten. Neue Erkenntnisse teile man der BV mit.

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