Beschwerde über Gottesdienst trotz Corona – Pfarrer: „Halte mich an Regeln“

mlzSt.-Clemens-Gemeinde

Gottesdienste finden in NRW aktuell nicht statt. Doch 13 Gläubige sollen jüngst in der St.-Clemens-Kirche gewesen sein. Der Pfarrer bestätigt das, sagt aber auch: Er hält sich an die Regeln.

Hombruch

, 23.04.2020, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hombrucherin, die am Sonntagmittag (19.4.) die St.-Clemens-Kirche in Hombruch betrat, war irritiert: Als sie in das Gotteshaus kam, sah sie dort nach eigenen Angaben 13 Menschen. Pfarrer Christian Conrad habe am Rednerpult gestanden. Ihre Vermutung: Hier werde – trotz gegensätzlicher Anweisung – ein Gottesdienst gefeiert.

Pfarrer Conrad bestätigt, dass die Menschen am Sonntag dort waren. Von einem Gottesdienst, sagt er, könne aber keine Rede sein. Er halte sich an die Regeln während der Corona-Krise.

Warum die Gläubigen dennoch in der Kirche waren? „Nicht nur kranke Menschen, auch gesunde, können die Heilige Kommunion ohne Gottesdienst empfangen und darum bitten, wenn sie an den Messen nicht teilnehmen können.“ Oder wenn, wie in diesen Zeiten, keine Messe stattfindet. Dann bestelle er die Menschen in die Kirche. Hier sei viel Platz.

Die St.-Clemens-Kirche an der Deutsch-Luxemburger-Straße.

Die St.-Clemens-Kirche an der Deutsch-Luxemburger-Straße. © Britta Linnhoff

Genauso sei es am Sonntag gewesen. Eine fünfköpfige Familie habe ihm gegenüber den Wunsch geäußert, die Kommunion empfangen zu können. Also habe er die Familie in die Kirche gebeten, die täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist. Conrad: „Es wird immer gesagt, die Kirchen sind geschlossen, aber das stimmt so nicht, die Kirchen sind tagsüber geöffnet. Es gibt nur keine Gottesdienste.“

Gottesdienste und „Versammlungen zur Religionsausübung“ werden in Nordrhein-Westfalen ab Mai wieder öffentlich stattfinden. Das hat die Landesregierung jetzt nach Gesprächen mit Kirchenvertretern über Schutzmaßnahmen mitgeteilt. Ein Gottesdienstverbot seitens der Landesregierung gab es in NRW übrigens nicht - die Kirchen hatten von sich aus auf Veranstaltungen verzichtet.

Und dann hätten eben an diesem Sonntagmittag weitere acht Menschen die Kirche betreten. Alle hätten sich einzeln und mit großem Abstand in die Bänke gesetzt.

Pfarrer will Missverständnissen vorbeugen

Pfarrer Conrad, der 2014 aus Dorstfeld nach Hombruch kam, sieht darin kein Problem. Dennoch habe er sich vorgenommen, künftig dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse mehr gibt: „Entweder“, sagt er, „bestelle ich die Leute, die die Kommunion empfangen wollen, außerhalb der Öffnungszeiten her. Oder ich verschließe die Tür.“ Er habe einfach „nie im Leben damit gerechnet, dass so viele Menschen an einem Sonntagmittag in die Kirche kommen“.

Inzwischen sei ihm klar, dass in der Corona-Krise offenbar viele Menschen in der Kirche die Chance nutzen, ganz für sich zu beten und eine Kerze anzuzünden. „Ich sehe das an den leeren Kerzenkisten“, sagt er. Wie viel mehr Kerzen angezündet werden, könne er nicht genau sagen, aber „erheblich mehr“, so der der 45-Jährige. Die, die kommen, finden wöchentlich neue geistige Impulse, die in der Kirche ausliegen.

Pfarrer Christian Conrad feiert selbst jeden Tag die Messe – vor oder nach den Öffnungszeiten, dann ist die Tür zu. „Meist danach“, erzählt er, er sei kein Frühaufsteher. Katholische Priester dürfen und sollten möglichst einmal am Tag die Eucharistie feiern.

Dienstagabends hält er dann die Messe in der Krankenhauskapelle des Marienhospitals – ohne Patienten. Der Gottesdienst wird in die Krankenzimmer übertragen. Falls von Patienten gewünscht, überreiche die Krankenhaus-Seelsorgerin die Kommunion.

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