Trotz drohenden Defizits: Das Fußballmuseum ist gut für Dortmund!

mlzKlare Kante

Dem Fußballmuseum drohen Verluste. Doch ist das ist kein Grund, das Haus in Frage zu stellen, meint unser Autor. Denn das Museum ist insgesamt ein Gewinn für Dortmund.

Dortmund

, 12.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Haus hat Strahlkraft. Und das nicht nur, weil das Deutsche Fußballmuseum mit seiner LED-Wand für jeden Autofahrer auf dem Wall und jeden Passanten, der den Hauptbahnhof verlässt, unübersehbar ist. Selbst wenn sich über die Kasten-Architektur streiten lässt, ist das Museum ein belebendes Element in der City - auch mit seinem Vorplatz, auf dem man im Sommer in Liegestühlen entspannen oder auf einem kleinen Bolzplatz selbst Fußball spielen kann.

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Aber es geht ja vor allem um die inneren Werte. Und da ist auch die Qualität der Museumsschau unbestritten. Es gibt wohl kaum einen Besucher, der nicht begeistert ist von der multimedialen Schau rund um den Fußball in Deutschland. Die meisten Besucher halten sich zwischen drei und vier Stunden im Museum auf. Es gibt viel zu sehen und zu erleben.

Allerdings: Es könnten durchaus mehr Besucher sein. Mit etwa 200.000 Besuchern pro Jahr liegt das Fußballmuseum unter den Erwartungen, die vor der Eröffnung im Oktober 2015 gehegt wurden. Damals war in einer Studie von erwarteten 280.000 Besuchern die Rede.

Das Defizit droht

Stadt und Betreibergesellschaft trösten sich damit, dass man bislang auch mit 200.000 Besuchern im Jahr finanziell über die Runden kam. Doch jetzt droht doch ein Defizit. Mit einem Verlust von 542.000 Euro kalkuliert der städtische Haushaltsplan für 2020, mit bis zu 610.000 Euro für 2021.

„Wir haben es schon immer gewusst“, sagen nun viele Kritiker des Fußballmuseums. Sie stoßen sich vor allem an der ungerechten Verteilung der Verluste zwischen den Trägern des Museums, der Stadt Dortmund und dem Deutschen Fußballbund (DFB). Denn der DFB hat sein Risiko in einem sogenannten Konsortialvertrag für den Betrieb des Museums auf 250.000 Euro begrenzt.

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Natürlich sollte die Stadt jetzt mit ihrem Partner dringend über eine Änderung dieser Klausel verhandeln. Schließlich nutzt auch der DFB das Fußballmuseum intensiv zur Imagepflege (die er nach diversen Skandalen ja auch dringend nötig hat).

Forderung nach Schließung des Fußballmuseums

Es gibt aber bereits Stimmen, die eine Schließung des Fußballmuseums fordern. Was Quatsch ist. Denn das Fußballmuseum ist, selbst wenn es ein paar hunderttausend Euro pro Jahr kosten würde, immer noch ein Gewinn für die Stadt.

Sigrun Späte von Dortmund-Tourismus gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie auf das Fußballmuseum angesprochen wird. „Das Fußballmuseum hat das Profil Dortmunds als Reiseziel geschärft und in eine andere Liga gehoben“, stellt die Tourismusexpertin fest. „Es ist ein Museumserlebnis, das der Stadt gut tut.“ Da schließe ich mich an.

Ohne die Bedeutung von Dasa, U-Turm oder dem Industriemuseum Zeche Zollern in Frage stellen zu wollen, ist das Fußballmuseum das einzige Museum der Stadt mit nationaler Ausstrahlung. „Das gibt es nirgends anders“, erklärt auch Sigrun Späte. Dortmund habe damit ein echtes Alleinstellungsmerkmal, mit dem man sich von anderen Städten unterscheide. Recht hat sie!

Dortmund ist Deutschlands Fußball-Hauptstadt

Noch dazu nährt es neben dem BVB den Anspruch Dortmunds als Deutschlands Fußball-Hauptstadt. „Das Museum passt zur Dortmunder DNA“, sagt Sigrun Späte. Und es schaffe einen Anlass mehr, nach Dortmund zu reisen, macht die Stadt etwa auch als Veranstaltungsort für Kongresse und Tagungen attraktiver.

Es gebe kaum eine Tagung, bei der das Fußballmuseum nicht im Rahmenprogramm auftauche, stellt Späte fest. Als Ort für Veranstaltungen und Empfänge ist das Museum inzwischen ein Aushängeschild der Stadt. Und das mit weiter Ausstrahlung - etwa wenn regelmäßig Millionen Fernsehzuschauer die Auslosung der Partien im DFB-Pokal aus dem Museum verfolgen.

Besucher bringen Millionenumsätze - außerhalb des Museums

Und was ist mit den Finanzen? Bei der Frage, was das Museum die Stadt kosten darf, muss man natürlich auch einen Blick darauf werfen, was es der Stadt einbringt. „Jeder Euro lohnt sich“, ist Sigrun Späte überzeugt. „Denn er kommt über die Besucher auf andere Weise wieder rein.“

Schon 2012 waren in einer Studie die ökonomischen Auswirkungen des Deutschen Fußballmuseums für Dortmund und die Region untersucht worden. Allein durch die Ausgaben von Tagesbesuchern außerhalb des Museums wurden damit indirekte Umsätze von 2,6 bis 3,5 Millionen Euro prognostiziert. Selbst wenn es nun mit weniger Besuchern als erwartet nur die Hälfte an Umsatz sein sollte, würde sich das Museum also für die Stadt auszahlen.

Die Stadt hat also allen Grund, zu „ihrem“ Fußallmuseum zu stehen. Dazu gehört dann allerdings auch, dass die Betreibergesellschaft offen mit Zahlen umgehen sollte, statt sich in Schweigen zu hüllen. Und offensiv zu erklären, warum das Fußballmuseum ein Gewinn für Dortmund ist.

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