Trotz Innenstadtnähe: Stirbt die Dortmunder Viktoriastraße?

mlzEinzelhandel

In Zeiten von Online-Shopping und Lieferservice stirbt der Einzelhandel aus – denken viele Menschen. Doch stimmt das? In der Viktoriastraße gehen die Meinungen auseinander.

von Tabea Prünte

Mitte

, 06.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Westenhellweg, Dortmunds Einkaufsstraße, ist voll: viele Menschen, die in die Geschäfte strömen – und dabei ist nicht einmal Wochenende. Ein paar Straßen weiter sieht es jedoch ganz anders aus: Die Kundschaft scheint um einiges geringer auszufallen.

Trotz Innenstadtnähe: Stirbt die Dortmunder Viktoriastraße?

Die Viktoriastraße schließt sich mit ihren Geschäften direkt an die Innenstadt an. © Tabea Prünte

Vom Ostwall führt die Viktoriastraße direkt in Richtung Innenstadt. Hier haben innerhalb kurzer Zeit verschiedene Ladenlokale geschlossen. Darunter der Bad-Ausstatter „Bad und Raum“, außerdem ist das Modegeschäft „Ultimo“ verschwunden.

Woran liegt das? Müssen sich auch andere Händler auf der Straße um ihre Existenz sorgen?

Inhaberwechsel sorgen für Leerstand

„Der ganze Gebäudekomplex wurde verkauft“, erzählt Gabi Kalwa von „Bad und Raum“. Sie musste daraufhin den Standort an der Viktoriastraße verlassen „Wir haben die Stunde genutzt und uns vergrößert. Aber für das Geschäftsbild in der Viktoriastraße ist der Leerstand natürlich nicht schön“, sagt Kalwa.

Trotz Innenstadtnähe: Stirbt die Dortmunder Viktoriastraße?

Vorher war an der Viktoriastraße Ecke Rosental in Bad-Ausstatter, ab Mai soll hier ein Immobilienbüro eröffnet werden. © Tabea Prünte

Grund für die aktuellen Leerstände sind die Umbauarbeiten der Immobiliengesellschaft „Fischer & Schäfer“. Im vergangenen Jahr hat „Fischer & Schäfer“ den Gebäudekomplex an der Viktoriastraße 9 gekauft, ab Mai sollen in den ehemaligen Ladenlokalen Büroräume zur Verfügung stehen. Mit dem neuen Standort möchte die Immobiliengesellschaft ihre Präsenz steigern.

Ein Kommen und Gehen

Durch den Wechsel stehen nun beide Ladenlokale neben dem „Blumenhaus“ leer. Der Inhaber Friso Siliakus ist davon nicht begeistert. „Wir sind um jeden Laden froh, der in der Innenstadt bestehen bleibt. Je mehr schöne und kleine Geschäfte es in den Nebenstraßen gibt, desto mehr Anreize für die Kunden, auch in diese Straßen zu gehen“, sagt er.

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Friso Siliakus ist Inhaber von „Das Blumenhaus“ an der Viktoriastraße. © Tabea Prünte

Siliakus sorgt sich aber nicht um seine Existenz: „Seit zehn Jahren trotzen wir dem Kommen und Gehen. Wir haben zum Glück eine große Stammkundschaft und beliefern viele Firmen, denen ist der Standort egal.“

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Auch Ulrich Morawietz, Geschäftsführer des Schmuck- und Uhrengeschäfts „Morawietz“ an der Viktoriastraße 1, sorgt sich um mögliche fehlende Kundenanreize. „Namhafte, tolle Geschäfte sind verschwunden, was ist denn da noch?“

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Ein Rückgang der Kundschaft ist schon jetzt die Folge, findet Mitarbeiterin Julia Ortmann: „Normalerweise waren wir an Weihnachten immer zu dritt sehr gut im Laden beschäftigt. Seit zwei Jahren schaffen wir das angenehm zu zweit.“

Kundschaft bleibt nicht bei allen aus

Isana Bajrami betreibt seit zwei Jahren den Friseursalon „Isana Coiffeur“ an der Viktoriastraße. Ihr Geschäft laufe gut, sie könne sich nicht über mangelnde Laufkundschaft beschweren. „Das liegt an der Straße hier. Die Autos sehen uns, wenn sie hier vorbeifahren.“

Ähnlich äußert sich die Nageldesignerin Foteini Anastasiou. Zu wenige Kunden habe sie nicht, sie meint aber: „Es wäre natürlich trotzdem nicht schlecht, wenn es noch mehr wären.“

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Die Ware und Bedienung müssen stimmen, so lautet das Motto von Barbara Ehring. Sie betreibt das Mode-Geschäft „Ehring Fashion“ auf der Viktoriastraße, direkt gegenüber dem zukünftigen Immobilienbüro. Sie nimmt eher einen Umsatz- und Kundenzuwachs wahr. „Entscheidend ist die Mundpropaganda durch zufriedene Kunden“, sagt Barbara Ehring.

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Zudem würden Neukunden das Geschäft oft zufällig finden, weil sie mit dem Auto durch die Viktoriastraße fahren können. Außerdem ziehe der Weihnachtsmarkt viele Menschen nach Dortmund, wodurch auch die Geschäfte an der Viktoriastraße an Bekanntheit gewinnen.

Barbara Ehring wünscht sich als weiteren Kundenanreiz günstigere Parkplätze. Doch das liegt nicht in ihren Händen.

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