Gespräche am Fenster - damals noch mit Plexiglas-Schutz - waren über lange Zeit die einzige Begegnungsmöglichkeit von Heimbewohnern und Verwandten. In diesem Jahr sind Rolf Taubert und Anika Sesztak vom Karola-Zorwald-Zentrum froh, dass es entspannter zugeht. © Oliver Volmerich
Dortmunder Seniorenheim

Tumulte im Vorjahr: Wie wird Muttertag im Seniorenheim diesmal?

Muttertag ist mit vielen Emotionen verbunden – vor allem, wenn Mutter oder Großmutter im Seniorenheim leben. Im vergangenen Jahr sorgten die Corona-Bedingungen in Dortmund für große Probleme. Und nun?

Es spielten sich zum Teil dramatische Szenen ab, es gab Tränen und Beschimpfungen. Muttertag 2020 ist ein Tag, an den Rolf Taubert, der Leiter des Karola-Zorwald-Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wambel, ungern zurückdenkt.

Erst drei Tage vorher hatte das NRW-Gesundheitsministerium das wegen der Corona-Pandemie verhängte Besuchsverbot in Seniorenheimen aufgehoben. Das „Muttertags-Geschenk“ von Minister Karl-Josef Laumann wurde für die Seniorenheime zu einer Riesen-Herausforderung. In kürzester Zeit mussten Möglichkeiten geschaffen werden, den Besuch bei Mutter oder Großmutter im Heim corona-gerecht abzuwickeln.

Die Vorgaben waren streng. Begegnungen waren nur auf Distanz möglich. Was vor allem viele Angehörige nicht akzeptieren wollten.

„Viele kannten die Regeln nicht. Und schon am Samstag waren die ersten Leute hier und sagten: Wir wollen rein“, erinnert sich Rolf Taubert. Am Muttertags-Sonntag stand er dann selbst am Eingang. „Da hat es tatsächlich Tumulte gegeben“, berichtet Taubert.

Immerhin kann der Heimleiter davon ausgehen, dass sich solche Szenen in diesem Jahr zum Muttertag am Sonntag (9.5.) nicht wiederholen werden. Denn inzwischen ist in Sachen Familienbesuche wieder halbwegs Alltag eingekehrt, auch wenn Corona-Schutz weiterhin eine große Rolle spielt.

„Der Muttertag ist natürlich immer mit vielen Emotionen verbunden“, wissen Rolf Taubert und seine Stellvertreterin Anika Sesztak. Aber inzwischen sind die Regeln bekannt und akzeptiert – und auch nicht mehr so streng wie vor einem Jahr.

Persönlicher Kontakt im Haus wieder möglich

Lange Zeit konnten sich Heimbewohner und Besucher nur mit begrenzter Zeit am offenen Fenster in der Cafeteria des Seniorenheims treffen. Bewohner drinnen, Besucher draußen. „Da hatten wir noch eine Plexiglas-Scheibe als Schutz eingebaut“, erinnert sich Anika Sesztak.

Inzwischen ist persönlicher Kontakt im Haus ohne Zeitbegrenzung möglich, wenn auch immer nur für einen Besucher oder eine Besucherin.

Im Karola-Zorwald-Heim der Awo in Wambel leben rund 145 Bewohnerinnen und Bewohner. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Und es gelten natürlich weiterhin Corona-Schutzvorkehrungen. Am Eingang werden alle Bewohner und Besucher von Bundeswehr-Soldaten empfangen. Zugang gibt es für Gäste nur mit einem Corona-Schnelltest, der direkt vor Ort gemacht wird.

Es sei denn, man kann einen schon vorliegenden aktuellen Test vorweisen. Der Einsatz der Bundeswehr-Soldaten komme im Heim sehr gut an, berichtet Rolf Taubert. „Die Leute finden das toll“, stellt er fest.

Und die Schutzvorkehrungen haben weiter ihren guten Grund – auch wenn die Zeiten der großen Corona-Ausbrüche glücklicherweise vorbei sind. Lange Zeit galten die Seniorenheime mit ihren meist hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohnern als Hotspots der Corona-Pandemie.

Das Karola-Zorwald-Zentrum erwischte es trotz aller Schutzmaßnahmen Mitte Januar. 24 Bewohner und sechs Beschäftigte hatten sich infiziert. Es gab auch Todesfälle. „Das ist ganz rapide gegangen“, erinnert sich Rolf Taubert. „Das war schon hart. Aber wir haben das unglaublich gut und schnell in den Griff gekriegt.“

Dass sich die Lage in den Seniorenheimen entspannt hat, ist nicht zuletzt den Impfungen zu verdanken, die im Awo-Zentrum in Wambel Anfang Januar begonnen haben.

Nach anfänglicher Skepsis, vor allem bei den Pflegekräften, sind inzwischen knapp 80 Prozent der 135 Beschäftigten und fast alle Bewohner geimpft, berichtet Taubert. Und es wird immer wieder nachgeimpft, wenn neue Bewohner dazu kommen oder Mitarbeiter sich entscheiden, sich doch impfen zu lassen.

Regelmäßige Corona-Tests und Impfungen helfen

Weiterhin werden auch die Bewohnerinnen und Bewohner einmal die Woche auf Corona getestet. Dass das Sinn bringt, zeigten jüngst zwei Infektionen – bei einem ungeimpften Mitarbeiter und einem geimpften Bewohner.

„Allerdings ohne schwere Erkrankung“, berichtet Taubert. Da scheint die Impfung tatsächlich geholfen zu haben, die zwar nicht generell vor einer Ansteckung, aber vor schweren Krankheitsverläufen schützt.

Die Entspannung in Sachen Corona erleichtert den Alltag im Heim enorm. „Unser Programm wird wieder hochgefahren“, berichtet Anika Sesztak. „In dieser Woche haben wir schon mit allen Bewohnern zusammen ein großes Frühlingsfest gefeiert. Da herrschte eine richtig ausgelassene Stimmung.“

„Neue Nähe zwischen Mitarbeitenden und Bewohnern entstanden“

Wobei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter natürlich auch in den strengen Zeiten der Pandemie dafür gesorgt haben, dass es Freude und Abwechslung gab. „Wir haben uns immer etwas einfallen lassen“, blickt Anika Sesztak zurück.

Es wurden gemeinsam Postkarten an Familienangehörige geschrieben. Feste wurden in den fünf Wohnbereichen getrennt gefeiert, „mit Musik im Innenhof und der Party im Wohnbereich“.

Soldaten der Bundeswehr leisten im Karola-Zorwald-Heim Hilfe beim Empfang von Bewohnern und Gästen. Das Angebot kommt gut an, berichten Anika Sesztak und Rolf Taubert von der Heimleitung. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Inzwischen finden wieder viele Treffen und Aktionen für alle gemeinsam statt. Die strikte Trennung zwischen den Wohnbereichen ist aufgehoben. „Es gibt etwa die Plauder- und die Spielegruppe und viele andere Aktionen“, erklärt die stellvertretende Heimleiterin. „Das brauchen die Menschen auch.“

Am Ende kann Anika Sesztak der Corona-Pandemie in einem Punkt sogar etwas Positives abgewinnen. „Es ist eine neue Nähe zwischen Mitarbeitenden und Bewohnern entstanden“, stellt sie fest. „Das Zusammenleben hat eine völlig andere Qualität bekommen.“ Und das wird sicherlich auch am Muttertag spürbar sein.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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