Wie für das Dortberghaus an der Katharinentreppe gegenüber vom Hauptbahnhof gab es vor der Corona-Pandemie etliche neue Hotelpläne für Dortmund. Werden sie jetzt noch realisiert? © B&L Gruppe
Hotelbranche

Über 20 neue Hotels für Dortmund – kommen sie auch trotz Corona?

Keine Konzerte, keine Messen und nur Geisterspiele im Signal Iduna Park. Seit über einem Jahr bleiben in Dortmund die Gäste aus. Sind alle Hotelpläne, die es vor Corona gab, jetzt gestrichen?

Nach den Boom-Jahren mit jährlich neuen Rekorden an Übernachtungen in der Stadt setzte die Corona-Pandemie dieser Entwicklung ein jähes Ende. Über 1,4 Millionen Übernachtungen zählten die Hotels im Jahr 2019 – so viel wie noch nie zuvor. Und die Zukunft schien so rosig, dass immer neue Hotelpläne wie Pilze aus dem Boden schossen.

Insgesamt 23 neue Hotels, so hieß es im Februar 2020 seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), solle Dortmund bekommen – weitere 1800 Hotelbetten zu den bestehenden 7600. Wenige Wochen später folgte der erste Lockdown und die Zahl der Übernachtungen stürzte ab. 2020 kam nicht mal mehr die Hälfte der Gäste. 673.061 Übernachtungen weist das Informationssystem Tourismus der Landesbehörde IT NRW aus.

Corona und Lockdown: Einbruch der Übernachtungszahlen

Besonders im Lockdown-Monat April ging die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem April 2019 stark zurück – um 84,2 Prozent. Ebenso extrem war die Situation im Winter-Lockdown: in den Monaten November und Dezember fehlten im Vergleich zum Vorjahr 77 und 80 Prozent der Gäste.

Was ist nach über einem Jahr, in dem es quasi keine Groß- und Massenveranstaltungen in Dortmund gab, aus den einst 23 Hotelplänen geworden? Ganz genau kann das derzeit weder bei der Wirtschaftsförderung noch bei der Dortmund Tourismus GmbH jemand sagen.

Einen überzeugenden Entwurf für die Zukunft des Gesundheitsamts-Gebäudes an der Hövelstraße in Dortmund  legte der Star-Designer Karim Rashid aus New York vor. In dem denkmalgeschützten Gebäude soll unter anderem ein „Prizeotel“ eröffnen.
Einen überzeugenden Entwurf für die Zukunft des Gesundheitsamts-Gebäudes an der Hövelstraße legte der Star-Designer Karim Rashid aus New York vor. In dem denkmalgeschützten Gebäude wird unter anderem ein „Prizeotel“ eröffnen. © Repro Stephan Schuetze © Repro Stephan Schuetze

„Ob die Pandemie konkrete Auswirkungen auf Neubauprojekte im Hotelbereich hat, bleibt vorerst abzuwarten“, sagt Sylvia Tiews aus der Geschäftsleitung der Wirtschaftsförderung. Es sei ein üblicher Vorgang, dass sich Fertigstellungstermine von Großprojekten nach hinten verschieben. „Informationen aus der Branche deuten darauf hin, dass Neubauprojekte nun wieder verstärkt vorangetrieben werden“, so Sylvia Tiews.

Gartenstadt-Hotel hat „keine Eile“

Einer, der sein Neubauprojekt unbeirrt vorantreibt, ist Deniz Sir. Er ist der Investor hinter dem Hotelprojekt an der Gabelsberger Straße in der Gartenstadt. Seine Wittener Sir-Immobilien GmbH & Co. KG baut dort ein 230-Betten-Hotel. „Wir halten an dem Vorhaben fest. Den Hotelstandort haben wir nicht ohne Grund ausgewählt, wir glauben daran, dass Dortmund ein interessanter Markt für Hotels bleiben wird“, sagt Deniz Sir.

Dass es auf der Baustelle derzeit zu Verzögerungen kommt, weil Material nicht geliefert werden kann, nimmt er gelassen. „Wir haben da keine Eile, weil das Hotelgeschäft derzeit immer noch nicht interessant ist. Es gibt nach wie vor keine Messen und keinen Fußball mit Publikum in Dortmund“, so Deniz Sir.

Ende Oktober, das ist sein Plan, soll das Hotel möglichst fertig sein und im Januar 2022 nun endgültig – nachdem die ursprünglich zum Kirchentag 2019 geplante Fertigstellung nicht erreicht werden konnte – die Eröffnung stattfinden. „Da der Städtetourismus in Dortmund quasi wegfällt, ist es der Veranstaltungstourismus, der zählt. Und dafür hoffen wir, dass es keine vierte Welle gibt und Messe- und Konzertbesucher sowie Fußballfans bald wieder in die Stadt kommen“, sagt Deniz Sir.

Am Hauptbahnhof: Verwaltungsgebäude wird Businesshotel

Mitten in der City erlebt seit Jahren das Dortberghaus an der Katharinentreppe gegenüber dem Hauptbahnhof seine Wandlung vom Verwaltungsgebäude zum Intercity Hotel. Und die Wandlung wird bald zu einem Ende kommen, auch dort wird nach wie vor fleißig gebaut. „So holprig es am Anfang wegen der Denkmalschutz-Fragen war, so gut läuft es jetzt“, sagt Michael Epping von B&L Projektentwicklung in Hamburg.

Die B&L Gruppe plant für die Steigenberger Hotelgruppe, zu der das Intercity Hotel gehören wird, die denkmalgerechte Sanierung des 30er-Jahre-Baus der früheren Gelsenkirchener Bergwerks-AG. Es entsteht ein modernes Businesshotel mit rund 230 Zimmern und einem großzügigen Tagungsbereich. „Die Eröffnung ist für Januar/Februar 2022 geplant“, sagt Michael Epping.

Aktuell im Bau ist laut Sylvia Tiews von der Wirtschaftsförderung auf jeden Fall auch das Hotel „Moods“ an der B1. Nach den Angaben auf der Internetseite des Unternehmens entstehen dort 99 Zimmer. Fertigstellung soll im nächsten Jahr sein.

Prizeotel kommt, Hotel an der Ophoff-Kreuzung wird kleiner

„In der Bauphase ist auch“, so Sylvia Tiews, „die Kombination eines ‚Moxy-Hotels‘ und eines ‚Residence Inn‘ am Dortmunder U. Noch nicht im Bau, aber weiter angekündigt, ist ein ‚Premier Inn‘ Hotel am Hauptbahnhof.“

Nach wie vor soll neben anderen Nutzungen ein ‚Prizeotel‘ im ehemaligen Gesundheitsamt an der Hövelstraße öffnen. „Corona hat diese Projektentwicklung nicht beeinflusst, weder im Bau noch im Nutzungskonzept. Wir entwickeln weiterhin wie geplant 155 Zimmer und haben auch keinen zeitlichen Verzug“, teilt die Eigentümergesellschaft mit.

Vorsichtiger ist dagegen der Aachener Projektentwickler Dudoq Real Estate bezüglich der Hotelpläne für das DSW21-Grundstück an der Kreuzung Ophoff geworden. Nachdem der ursprünglich vorgesehene Hotelbetreiber abgesprungen und ein neuer jetzt gefunden ist, soll der geplante 19-geschossige Neubau nur noch zur Hälfte als Drei-Sterne-Superior-Hotel genutzt werden.

Apropos Neubau: „Nachdem im Jahr 2020 schon das Leonardo-Hotel am Burgwall eröffnet wurde, kann sich Dortmund in diesem Jahr auf die Eröffnung des ‚Basecamp‘ an der Kampstraße freuen – wobei die dortige Hoteleröffnung mit 118 Zimmern für Anfang 2022 angekündigt ist“, führt Sylvia Tiews noch an.

Unterm Strich zeigt sich, dass die schon vor Beginn der Corona-Pandemie konkret geplanten Hotelprojekte auch umgesetzt werden. „Und all die Vorhaben, die vor Corona einen noch frühen Planungsstand hatten, werden wohl nochmal überprüft – mit Blick auf die weiter unsichere Corona-Situation, aber auch mit Blick auf die Baubranche“, sagt Matthias Rothermund, Geschäftsführer von Dortmund Tourismus.

Geschäftsreisende machten 60 Prozent der Übernachtungen aus

„Was an neuen Hotelkapazitäten jetzt kommt“, ergänzt er, „damit lässt sich gut leben. Gerade kommt auch ein Grundrauschen im Business-Tourismus zurück. Für den Juni haben wir zwar noch keine offiziellen Zahlen, aber aus Einzelabfragen wissen wir, dass die Lage deutlich besser zu sein scheint als in den ersten Monaten des Jahres.“

Laut Matthias Rothermund machten 60 Prozent der Übernachtungen bis 2019 die Geschäftsreisenden aus. Während kleine Veranstaltungen wie Tagungen und Schulungen wieder geplant würden, weil Firmen wieder auf direkte persönliche Kontakte setzen, sei ein Messegeschäft noch nicht in Sicht. „Eine Messe braucht ein halbes bis dreiviertel Jahr Vorlauf. Damit ist also erst 2022 wieder zu rechnen“, so Rothermund.

„Für Dortmund gilt es“, sagt Sylvia Tiews von der Wirtschaftsförderung, „auch in Zukunft attraktive Anlässe zu schaffen, damit Menschen, sei es aus geschäftlichen oder Freizeitgründen, der Stadt einen Besuch abstatten.“

Hierzu habe die Wirtschaftsförderung Dortmund im Rahmen des Programms „Neue Stärke“ Instrumente zur Veranstaltungsförderung geschaffen. Sylvia Tiews: „Wir sind der festen Überzeugung, dass sich der Dortmunder Hotelmarkt auch zukünftig erfolgreich positionieren wird und die vor Corona registrierten Übernachtungszahlen erneut erreicht werden können.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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