Bis in den Montagabend hinein sicherte die Polizei den Tatort und sperrte die Rheinische Straße. © Wüllner
Rheinische Straße

Überfall auf Tattoostudio in Dortmund: Polizei spricht von Rocker-Clan-Fehde

Hinter dem großen Überfall auf ein Tattoostudio in Dortmund steckt organisierte Kriminalität. Davon geht die Polizei zumindest aus. Sie kündigte am Dienstag eine klare Linie an.

Einen Tag nach dem brutalen Überfall auf ein Tattoostudio an der Rheinischen Straße in Dortmund hat sich die Polizei zu Hintergründen geäußert. Demnach gehe diese Aktion zurück auf eine „Auseinandersetzung im Clan- und Rockermilieu“.

20 bis 30 teils maskierte Menschen hatten den Laden an der Ecke Rheinische/Siemensstraße am späten Montagnachmittag überfallen und mindestens eine Person verletzt. Die Polizei war schnell am Tatort. Dabei habe sie „wichtige Hinweise von Zeugen aufnehmen und Spuren sichern“ können, wie sie betont.

Drohen weitere gewalttätige Auseinandersetzungen in Dortmund?

Jetzt ermittele man nicht nur, heißt es von der Polizei weiter. Sie setze „derzeit mit hohem Kontrolldruck alles daran, weitere gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern“. Denn gebannt sei die Gefahr nicht. Und das liege an Hintergründen zum Streit zwischen Rockern und Clan-Mitgliedern, wie Polizeipräsident Gregor Lange erläutert.

„Mehrere Personen aus den Führungsebenen beider Milieus befinden sich nach Ermittlungen, Anklagen und Urteilen in Strafhaft oder auf der Flucht. Das führte in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder zu einem Macht-Vakuum und als Reaktion darauf wiederholt zu Macht-Ansprüchen.“ Um wen es genau geht, verrät die Polizei zwar nicht.

Zusammenhang zu Schüssen in der Innenstadt 2019?

Ein Zusammenhang zu den Schüssen in einem Frisörladen in der Dortmunder Innenstadt im Jahr 2019 gilt aber als wahrscheinlich. Diese Tat von der Hansastraße war Teil einer Auseinandersetzung zwischen den Bandidos und dem Miri-Clan.

Jetzt erklärt Polizeipräsident Lange: „Sicher ist, dass Mitglieder dieser kriminellen Milieus sich in Dortmund nicht sicher fühlen können: Wir kennen die Akteure. Wir haben sie im Blick. Wir lassen keine rechtsfreien Räume entstehen und schöpfen dafür alle Möglichkeiten aus, die uns der Rechtsstaat bietet.“

Polizei darf jetzt stärker und besser kontrollieren

Um mehr Befugnisse zu haben, um Menschen, Fahrzeuge und mitgeführte Gegenstände zu kontrollieren, hat Dortmunds Polizeipräsident Lange die strategische Fahndung angeordnet. Das ist der Polizei laut NRW-Gesetz in Ausnahmefällen erlaubt, um schwere Straftaten zu verhüten.

Schon am Montagabend hatten die Beamten einiges sichergestellt: eine Pistole, Baseballschläger und einen Teleskopschlagstock. Die Pistole fand die Polizei bei einem Rocker, obwohl dem das Tragen einer Waffe untersagt sei.

Wer sind Opfer und Tatverdächtige?

Das war ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Ansonsten ermittelt die Kripo nach eigenen Angaben wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung. „Zur Identität einzelner Personen aus der Gruppe der Tatverdächtigen“ gibt die Polizei „derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Auskünfte“, wie es offiziell heißt.

Aus demselben Grund gibt es keine weiteren Infos zu den drei Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Tattoostudio aufhielten. Der Laden war erst im Sommer 2021 eröffnet worden.

Darüber hinaus bittet die Polizei mögliche Zeugen, die Videos von der Tat aufgenommen haben: Bitte nicht in sozialen Netzwerken veröffentlichen, sondern sie der Polizei zur Verfügung stellen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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