Überfüllte Mülleimer und übler Gestank - Baroper Bahnhof erhielt trotzdem Bestnote vom VRR

mlzBahnhof Barop

Laut dem VRR erhält der Baroper Bahnhof die Bestnote für Sauberkeit. In der Unterführung stinkt es jedoch nach Urin und die Mülleimer sind überfüllt. Bahnfahrer wundern sich über den VRR.

Barop

, 25.03.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer zu den Gleisen am Baroper Bahnhof möchte, für den führt kein Weg an der Unterführung von der Parkplatzseite vorbei. Dieser Bereich ist der mit Abstand schlimmste auf dem Bahnhofsgelände. Es sind gerade mal zehn Meter, die den Bahnhofseingang von den Bahngleisen trennen. Aber hier dürfte bereits der eine oder andere aufgrund des üblen Uringestanks gegen den Würgereflex gekämpft haben.

Ein Bahnfahrer, der regelmäßig pendelt, sagt: „Bevor ich die Treppe runter gehe, halte ich die Luft an. Erst wenn ich auf der anderen Seite hoch komme, atme ich wieder tief aus.“ Weiter sagt er: „Es ist allgemein bekannt, dass es sich bei der Unterführung um eine bevorzugte öffentliche Toilette handelt.“ Dr. Hennig Strehl, der die Bahn vor allem privat nutzt, will außerdem beobachtet haben, wie jemand sein großes Geschäft in der Unterführung verrichtet hat.

Bewertung des VRR und der Bürger gehen auseinander

Am Freitag (22.3.) waren es frühlingshafte 18 Grad und es roch sehr unangenehm. Der Gestank dürfte umso stärker werden, wenn es im Sommer noch heißer wird. Hinzu kommen überfüllte Mülleimer und reichlich Dreck auf dem Gleisbett. Ein Leser teilte uns per Mail mit: „Den S-Bahnhof Barop mit grün zu bewerten, ist der Witz des Jahres. Im Sommer ist der Gestank am Morgen kaum zu ertragen.“

Überfüllte Mülleimer und übler Gestank - Baroper Bahnhof erhielt trotzdem Bestnote vom VRR

Überfüllte Mülleimer wie dieser gehören zum Bahnhof in Barop dazu. © Said Rezek

Mit grün meint der Leser die Bewertung des VRR. Die Sauberkeit, Funktionalität sowie Graffiti im Zugangs- und Bahnsteigbereich aller 296 Bahnhöfe und Haltepunkte im VRR-Gebiet werden jährlich bewertet und im Stationsbericht veröffentlicht. Dazu werden die Bahnhöfe viermal im Jahr gesichtet und Durchnittswerte gebildet. Dabei werden die drei Bewertungen akzeptabel, noch akzeptabel und nicht akzeptabel vergeben. Der Baroper Bahnhof wurde mit der Bestnote hinsichtlich der Sauberkeit bewertet, was laut dem VRR bedeutet, dass keine Verbesserungen erforderlich sind.

Aufgrund des Gestanks gehen Bahnfahrer einen verbotenen Umweg

Statt durch die Unterführung zu gehen, gehen einige bereits einen kurzen Trampelpfad über die Gleise, um dem Gestank in dem Tunnel zu entgehen, so der Hombrucher Leser. Zwischendurch komme mal jemand mit dem Hochdruckreiniger, aber wenige Tage später stinke es hier wieder bestialisch.

Wenn Bahnfahrer oder andere die Unterführung als öffentliche Toilette nutzen, kann die Bahn das im Einzelfall nicht verhindern. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, wie der Bahnhof mit der Bestnote bewertet wurde. Der VRR besätigte auf Nachfrage den akzeptablen Zustand des Baroper Bahnhofes. Auf die Beschwerden der Bahnfahrer ging die Pressestelle nicht ein.

Funktionalität des Baroper Bahnhofs

Auch in der Kategorie Funktionalität wurde der Bahnhof mit der Bestnote „akzeptabel“ bewertet. Unter Funktionalität versteht der VRR zum Beispiel Aufzüge, Rampen, die Lesbarkeit von Hinweisschildern, den Zustand von Sitzgruppen und Wetterschutzeinrichtungen.

Fehlende Rampen oder Aufzüge für Rollstühle oder Kinderwagen werden jedoch nicht bewertet, weil solche Mängel „mittel- und langfristig über Ausbau- und Modernisierungsprogramme zu beseitigen sind“, heißt es im Aktionsbericht.

Probleme werden wegdefiniert

Die Definition der VRR-Funktionalität dürfte Sabine Teubner egal sein. Sie ist auf Reise und ist mit einem Rollkoffer durch die stinkende Unterführung gelaufen. An den Bahngleisen angekommen, kritisiert sie völlig aus der Puste die Zustände.

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