Es zeichnet sich ab, wie der berufliche Werdegang von Dortmunds Ex-Oberbürgermeister Ullrich Sierau weitergeht. © Oliver Schaper (Archiv)
Beruflicher Werdegang

Ullrich Sierau: Was macht eigentlich Dortmunds Ex-Oberbürgermeister?

Dortmunds ehemaliger OB Ullrich Sierau gönnt sich nach seiner Amtszeit ein Jahr Pause. Doch ein knappes halbes Jahr nach seinem Ausscheiden zeichnet sich ab, wohin es beruflich für ihn geht.

Von Ullrich Sierau, bis Ende Oktober SPD-Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, war in den letzten Monaten öffentlich nicht viel zu hören. Das Ex-Stadtoberhaupt hatte angekündigt, ein Jahr Pause machen zu wollen. Doch der eine oder andere fragt sich: Was macht eigentlich Ullrich Sierau? Geht er tatsächlich von 100 auf null? Schwer vorstellbar.

„Mit geht es sehr gut“, sagt er, als diese Redaktion ihn am Freitag (9.4.) telefonisch erreicht. Er bekomme viele Anfragen, sagt Sierau, aber er lasse ein Jahr konsequent „abklingen“.

Mit zumindest einer Ausnahme: Wer aufmerksam die Einladung zur nächsten Hauptversammlung des Energieriesen RWE AG am 28. April liest, stößt auf eine interessante Mitteilung: Unter den Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrates steht der Name Ullrich Sierau. Er ist seit April 2011 Mitglied im Aufsichtsrat, damit der Dienstälteste im RWE-Kontrollgremium und für weitere drei Jahre als Mitglied nominiert.

Selbstständiger Unternehmensberater

Vorgestellt wird Sierau in den schriftlichen Unterlagen als „Selbständiger Berater für Unternehmen in Gründung“. Das sei nicht ganz richtig, sagt Sierau, da fehle ein Komma. „Ich berate Unternehmen, aber dieses Unternehmen ist in Gründung.“ Unter seinen künftigen Klienten würden dann wohl auch Unternehmen sein, die ihrerseits in Gründung sind.

Seine voraussichtliche Wiederwahl in den RWE-Aufsichtsrat sei mit seinem Amtsnachfolger Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) abgesprochen, betont Sierau.

Eigentlich wäre Westphal als vom Rat entsandter Vertreter des größten kommunalen Einzel-Aktionärs der „natürliche“ Nachfolger im RWE-Aufsichtsrat; denn über die Dortmunder Stadtwerke DSW21 hält Dortmund mehr als 23,6 Mio. RWE-Aktien.

Doch Westphal habe erklärt, mit der Bewältigung der Corona-Krise stark beschäftigt zu sein, berichtet Sierau. Zudem bewege sich Dortmund nach der Neuordnung der Geschäftsfelder zwischen den Energieriesen RWE und Eon ein Stück weg von der RWE-Stadt zur Eon-Stadt.

Wenn Sieraus Bereitschaft bestehe und er ein entsprechendes Votum von der Hauptversammlung bekomme, solle er das weitermachen, so Sierau über die Zustimmung seines Amtsnachfolgers.

Unternehmen auf Erfolgskurs geschickt

Die Arbeit im RWE-Aufsichtsrat unter dem Vorsitzenden Dr. Werner Brandt sei in den letzten Jahren „sehr konstruktiv und sehr erfolgreich“ gewesen, resümiert der Ex-OB. „Wir haben das Unternehmen auf die Erfolgsbahn geschickt. Es gehört heute zu den größten Produzenten erneuerbarer Energien.“ Diesen Weg wolle man weitergehen.

Sierau gehört nach seiner anstehenden Wiederwahl nicht mehr als kommunaler Vertreter, sondern ausschließlich wegen seiner persönlichen Eignung dem neuen Aufsichtsrat an. Es sei auch eine Bitte des Vorsitzenden Brandt gewesen, so der 65-Jährige.

Dennoch: Auch wenn der kommunale Anteil an RWE durch die Umstrukturierung der Standorte sinke, werde er aus Sicht der Gesellschaft aufgrund der Vergangenheit weiter als sehr gut vernetzter Kommunaler wahrgenommen, sagt Sierau.

Sierau muss Aufsichtsratsvergütung nicht mehr an die Stadt abführen

Doch eines wird sich mit seiner Wiederwahl in den Aufsichtsrat ändern. Im Gegensatz zu früher, als er noch das OB-Amt innehatte, muss er seine lukrativen Tantiemen künftig nicht mehr bis auf 6000 Euro an die Stadt abführen.

Nach eigenen Angaben hat Sierau 2019 insgesamt knapp 150.000 Euro an Aufsichtsratsvergütungen (inklusive 8409 Euro Auslagenersatz) erhalten. Das dürfte in Zukunft nicht weniger werden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.