Umstrittene Stromtrasse darf gebaut werden – Klage wurde abgewiesen

mlzAmprion-Netzausbau

Amprion darf die Höchstspannungsleitung von Dortmund nach Hagen-Garenfeld bauen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Betroffen sind Dortmund-Kruckel und Schnee sowie Garenfeld.

Kruckel, Schnee, Schwerte

, 19.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um Windenergie aus dem hohen Norden in den Süden des Landes zu transportieren, müssen die Übertragungskapazitäten der Leitungen erhöht werden. Netzbetreiber Amprion baut daher von Dortmund bis ins Rhein-Main-Gebiet eine neue 380-Kilovolt-Verbindung aus.

Gegen einen Abschnitt dieser Höchstpannungsleitung, der das Dortmunder Stadtgebiet, Herdecke und Hagen Garenfeld betrifft, lief eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Leipzig. Jetzt hat das Gericht die Planung für den in Nordrhein-Westfalen gelegenen Abschnitt der 380-Kilovolt-Freileitung von Dortmund über Herdecke nach Hagen bestätigt. „Die schriftliche Urteilsbegründung liegt derzeit noch nicht vor.

Nichtsdestotrotz bedeutet die heutige Entscheidung, dass Amprion die Leitung wie geplant weiter baut“, teilte Amprion am 12. November nach dem Gerichtsbeschluss mit.

Jetzt lesen

Die neue Freileitung beginnt in Dortmund-Kruckel am Umspannwerk und führt über das Umspannwerk Garenfeld zum rheinland-pfälzischen Dauersberg und weiter nach Hünfelden in Hessen. Der südliche Teil ist bereits in Betrieb. Von Garenfeld aus, führt auch die Hauptversorgungsleitung für Schwerte.

Die neue Freileitung führt über die bestehende Trasse auf dem Schnee.

Die neue Freileitung führt über die bestehende Trasse auf dem Schnee. © Schaper (A)

Das 126 Kilometer lange nördliche Teilstück von Kruckel nach Dauersberg ist in sechs Abschnitte unterteilt. Gegen den Abschnitt A1 Kruckel – Garenfeld lief die Klage. Sie richtete sich gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Arnsberg. Zwei Anwohner aus Herdecke hatten mit Unterstützung der Prozessgemeinschaft „Herdecke unter Strom“ und der Stadt Herdecke geklagt, weil ihre Grundstücke von dem Ausbau betroffen sind.

Die Initiative „Herdecke unter Strom“ bemängelten, Alternativen seien nicht hinlänglich geprüft worden. Die Gegner hatten unter anderem die Verlegung als Erdkabel ins Spiel gebracht oder eine Leitung entlang der Autobahn A 45.

Jetzt lesen

Unabhängig von der Klage hat Amprion längst mit dem Bau begonnen. Die neuen Freileitungen entstehen weitgehend auf der vorhandenen Trasse. „Die Leitungen werden auf einem Mast gebündelt“, erklärt Amprion-Sprecherin Mariella Raulf. Diese Bauweise minimiere den Eingriff in Natur und Landschaft.

Auf den neuen Masten werden Kombi-Leitungen montiert (Symbolbild).

Auf den neuen Masten werden Kombi-Leitungen montiert (Symbolbild). © dpa

Die 220-Kilovolt-Stromkreise werden dazu durch zwei 380-Kilovolt-Stromkreise ersetzt, teilweise werden auch 110-Kilovolt-Kreise auf den neuen Masten mitgeführt. Diese sind erheblich höher als die alten, dafür benötigen sie nicht so viel Raum und weniger Standorte. Amprion plant auf der Gesamtstrecke mit 59 neuen Masten statt der bestehenden 106.

„Der Ausbau ist schon weit fortgeschritten“, bestätigt Marielle Raulf. Die Fertigstellung des Abschnitts peilt Amprion für das erste Halbjahr 2021 an.

Jetzt lesen

Das Oberverwaltungsgericht gestand ein, dass die fast achtzig Meter hohen Masten und die 380-Kilovolt-Leitungen Wohnsiedlungen beeinträchtigen, sah es aber als nicht akzeptabel an, die Trasse stattdessen entlang zweier Autobahnen sowie durch Naturschutzgebiete und acht Kilometer Waldfläche zu legen.

Kein weiteres Verfahren möglich

Für Amprion ist das Urteil ein wichtiger Meilenstein bei der Sicherung der Energieversorgung und Umsetzung der Energiewende. Weitere Klageverfahren sind ausgeschlossen. Für Vorhaben nach dem Energie-Leitungs-Ausbau-Gesetz (EnLAG) ist in erster und letzter Instanz das Bundesverwaltungsgericht zuständig. Der Gesetzgeber will damit eine Beschleunigung der EnLAG-Vorhaben als vordringliche Infrastrukturprojekte sicherstellen.

Die Entscheidung bedeutet, dass Amprion die Leitung wie geplant weiterbaut. Letztendlich soll dadurch die Energieversorgung zwischen erzeugungsstarken und verbrauchslastigen Regionen sichergestellt werden.

Lesen Sie jetzt