„Unfälle wären vermeidbar gewesen“: Warum viele Dortmunder ihre Pedelecs unterschätzen

mlzPedelecs und E-Bikes

Je mehr Pedelecs auf Dortmunds Straßen unterwegs sind, desto mehr Unfälle verzeichnet die Polizei. Der ADFC warnt davor, das Elektrorad zu unterschätzen - vieles ist anders als beim Fahrrad.

von Ines Maria Eckermann, Marie Ahlers

Dortmund

, 10.08.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Juli, Lütgendortmund: Eine 57-Jährige Dortmunderin ist mit ihrem Pedelec auf der Lütgendortmunder Straße unterwegs. Die Fahrerin verliert die Kontrolle über ihr Rad, stürzt und stößt gegen ein geparktes Auto. Sie wird bei dem Sturz schwer verletzt und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Pedelecs, auch E-Bikes genannt, boomen in Deutschland. Bis zu 25 Stundenkilometer schnell können sie fahren, weil beim Tritt in die Pedale ein Motor angeschmissen wird. Schneller vorankommen mit weniger Anstrengung, das ist der Reiz an den Rädern.

2018 wurden fast eine Million Pedelecs verkauft. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband ein Anstieg um 36 Prozent.

Ein Trend, der laut Thomas Quittek vom Naturschutzbund Dortmund grundsätzlich zu begrüßen ist. „Sie können einen Anreiz bieten, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen, weil mit Pedelecs längere Strecken zurückgelegt werden“, findet Quittek. Gerade, wenn Leute Sorgen haben, verschwitzt bei der Arbeit anzukommen, wenn sie mit einem herkömmlichen Fahrrad fahren, könne das Pedelec eine geeignete Alternative sein.

14 Unfälle in diesem Jahr

Doch je mehr der Räder auf den Straßen unterwegs sind, desto häufiger kommt es auch zu Unfällen. Der Sturz der 57-Jährigen ist seit Jahresbeginn der 14. Unfall in Dortmund, in den ein Pedelec involviert ist. Wie gefährlich sind die beliebten Elektroräder?

Verglichen mit den 189 Fahrradunfällen, die die Polizei zwischen Januar und Juni dieses Jahres registriert hat, ist das zwar eine überschaubare Zahl von Pedelec-Unfällen, doch Werner Blanke glaubt dennoch, dass viele von ihnen vermeidbar gewesen wären.

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„Viele Leute steigen aufs Pedelec, die noch nie oder lange kein Fahrrad gefahren sind“, sagt der Vorsitzende des Dortmunder Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Das zeigen seine Erfahrungen bei den Pedelec-Kursen, die der ADFC gibt.

Nur mit Radfahr-Erfahrung aufs E-Bike

Dabei sei das Pedelec nichts für Fahranfänger, im Gegenteil: Nur wer viel Erfahrung mit Fahrrädern habe, könne auch ein schnelleres und schwereres Pedelec sicher fahren, sagt Blanke. Sicheres Bremsen, gekonntes Ausweichen sind laut Blanke wichtige Fähigkeiten, die schon vorm Aufsteigen aufs Pedelec vorhanden sein sollten.

Die Polizei weist außerdem auf das veränderte Fahrgefühl der Räder hin: „Pedelecs können vergleichsweise leichter und schneller gefahren werden und sind vom Gesamtgewicht meist schwerer als normale Fahrräder“, heißt es. Gerade beim Anfahren und Bremsen könne sich das bemerkbar machen.

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Andere Verkehrsteilnehmer neigen laut Polizei außerdem dazu, die Geschwindigkeit von Pedelecs zu unterschätzen. Sie sagt: „Kreuzungen und Einmündungen können Gefahren bergen, auch wenn Sie alles richtig machen.“

Kurse

Der ADFC schult Fahrer im richtigen Umgang mit Pedelecs

  • Regelmäßig bietet der Dortmunder ADFC sogenannte Pedelec-Kurse an, in denen unter anderem das Bremsen und Manövrieren geübt wird
  • Freie Plätze gibt es voraussichtlich wieder ab Oktober
  • Der Kurs kostet 20 Euro für ADFC-Mitglieder, für Nicht-Mitglieder 30
  • Alle Infos zu den Pedelec-Kursen gibt es hier
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