Unfall-Autos landen im Vorgarten: Wie gefährlich ist diese Straße?

mlzEnge Kurve

Ende September landete ein Auto vor dem Haus von Christoph Eckardt. Es war aus der Kurve geflogen und hatte sich überschlagen. Es war nicht das erste Mal, dass sowas passiert ist.

Holzen, Höchsten

, 18.10.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seinen Humor hat Christoph Eckardt nicht verloren. „Fegen müssen wir hier öfter“, sagt er. Wegfegen muss er aber nicht nur Laub, sondern zerbrochene Rücklichter und Frontscheiben von Autos, die vor seinem Haus aus der Kurve fliegen und in seinem Vorgarten landen.

Zuletzt passiert ist das am 16. September. Eine Frau war in ihrem Auto auf der Kreisstraße an der Grenze zwischen Höchsten und Holzen unterwegs, ihr Auto überschlug sich und blieb auf der Seite liegen. Dort, wo eigentlich das Auto von Eckardts Mutter steht.

Das Auto landete fast in der Hauswand

Nur wenige Minuten zuvor war sie weggefahren. „Wäre sie da bei uns im Wagen gewesen...“ Christoph Eckardt spricht den Satz nicht zu Ende aus. Die Frau aus dem Unfallauto jedenfalls kam ohne schwere Verletzungen davon.

Nur eine Woche zuvor hatte Eckardt ungeplanten Besuch vor seinem Haus. Da stoppte ein Auto, das aus der Kurve geflogen war, erst an einem Baum im Vorgarten. Die Scherben der beiden Unfälle waren auch Tage danach noch nicht ganz beseitigt.

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Reste eines Unfalls: Im September landete ein Auto im Baum auf Eckardts Grundstück. © Michael Nickel

Die Kurve sieht auf den ersten Blick gar nicht so tückisch aus. Sie liegt gut 100 Meter von der Kreuzung zur Wittbräucker Straße in Richtung Holzen, hier geht es bergab, die Straße macht einen Knick von gut 45 Grad.

An Tempo 50 wird sich hier vorerst nichts ändern

Wer den Bereich ein paar Minuten entlanggeht und den Verkehr beobachtet, merkt relativ schnell: Die Kurve ist bei genauem Hinsehen gar nicht gut einsehbar und Fahrzeuge geraten beim Abbiegen auf die Gegenfahrbahn.

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Christoph Eckardt lebt an der Kurve der Kreisstraße kurz vor der Wittbräucker Straße. © Michael Nickel

„Eigentlich bräuchten wir vor der Kurve Tempo 30“, sagt Christoph Eckardt. Das ist aber gar nicht so einfach. Weil die komplette Kreisstraße als wichtige Verbindungsstraße zum sogenannten städtischen Vorbehaltsnetz gehört, gilt hier grundsätzlich Tempo 50.

Ähnlich wie an der Wellinghofer Amtsstraße oder Am Remberg kann eine Reduzierung auf Tempo 30 nur in der Nähe von Kitas, Schulen oder Krankenhäusern erfolgen. Die gibt es in der Kurve aber nicht.

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In knapp 5 Jahren gab es auf der Kreisstraße 12 Unfälle mit 16 Verletzten. Nicht selten fliegen Autos in der Kurve vor der Wittbräucker Straße aus der Spur. Wie gefährlich finden Sie die Straße?
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Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Polizei dem Landesbetrieb Straßen NRW eine Temporeduzierung wegen zu vieler Unfälle vorschlägt.

In knapp 5 Jahren gab es 16 Verletzte

Die halten sich allerdings im Rahmen. Für die gesamte Kreisstraße hat die Polizei von Januar 2015 bis August 2019 12 Unfälle notiert, bei denen 13 Menschen leicht und 3 schwer verletzt worden sind.

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Vor allem dann, wenn Lkw oder Busse unterwegs sind, wird es in der Kurve eng. © Michael Nickel

„Unfallursachen waren dabei nicht angepasste Geschwindigkeit, ungenügender Sicherheitsabstand, Nichtbeachten der Vorfahrt sowie Fehler beim Abbiegen“, teilt Polizeisprecher Gunnar Wortmann mit.

Die beiden jüngsten Unfälle in der Kurve seien bei Regen passiert, nachdem es zuvor lange trocken gewesen ist, sagt Eckardt.

Reagiert hat Straßen NRW nach den beiden Unfällen vor Eckardts Haustür dennoch: Vor der Kurve steht ein entsprechendes Warnschild, drei Begrenzungspoller sollen die Autos in der Spur halten.

Eigentlich sollte ein Spiegel auf der anderen Seite stehen

„Irgendwann scheppert es richtig“, sagt Christoph Eckardt. Seit 50 Jahren lebt er hier. Verletzt wurde bislang niemand aus seiner Familie bei einem der Unfälle auf der Kreisstraße.

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Straßen NRW hat vor der Kurve ein Warnschild aufgestellt. Tempo 50 gilt aber weiterhin. © Michael Nickel

Erwischt hat es aber mal eine Frau, die gerade ihr Pferd von Eckardts Hof abgeholt hatte und dann ein paar Meter weiter in einen Frontalcrash verwickelt war. Sie musste eine Woche im Krankenhaus bleiben.

Denn auch die Abfahrt vom Gelände ist nicht ohne. Eckardt selbst biegt nur noch nach rechts ab, wendet dann auf einem anderen Teil seines Geländes und biegt dann links ab. „Wir wollten auf der anderen Seite einen Spiegel aufstellen, durften das aber nicht, weil er abends blenden soll“, sagt Eckardt.

Die Straße sei schon früher gefährlich gewesen, seit seiner Kindheit habe sich der Verkehr verdoppelt. An der Straße selbst habe sich aber nichts geändert.

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