Ungewollt Sky-Abonnent: Telekom-Kunde fühlt sich betrogen

mlzDeutsche Telekom

Monatelang ist ein Dortmunder Sky-Kunde, obwohl er das nach eigenen Angaben gar nicht will. Von seinem Konto wird für das Abo-Geld abgebucht – ohne Einzugsermächtigung. Wie ist das möglich?

Somborn

, 19.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Walter Hanisch ist mit seinen 86 Jahren ziemlich auf Zack. Seinem scharfen Blick entgeht nichts, auch seine Kontoauszüge kontrolliert er penibel. So kommt der Senior aus Somborn schnell einer nach eigenen Aussagen „großen Schweinerei“ auf die Spur.

„Mein Konto wurde durch Sky belastet, obwohl ich dort kein Abo und denen schon gar nicht eine Einzugsermächtigung erteilt habe“, berichtet er. Und Walter Hanisch hat einen Verdacht.

Das Unheil nimmt seinen Lauf, als der Dortmunder Telekom-Kunde im Mai 2019 bei der Telekom telefonisch die Kontonummer für die Einzugsermächtigung ändern lässt. „Bei dieser Gelegenheit hat die Dame mir das Produkt Magenta TV Plus verkauft“, so Hanisch.

Gleichzeitig habe sie ihm auch noch das Paket „Sky Bundesliga“ andrehen wollen. „Das habe ich strikt abgelehnt, Sky ist ein rotes Tuch für mich.“

Walter Hanisch ist seit über 50 Jahren Telekom-Kunde. Sein Vertrauen in das Unternehmen ist erschüttert.

Walter Hanisch ist seit über 50 Jahren Telekom-Kunde. Sein Vertrauen in das Unternehmen ist erschüttert. © dpa

Im Oktober 2019 erkennt Hanisch, dass er doch Sky-Kunde geworden ist – gegen seinen Willen, wie er betont. Zweimal habe Sky fünf Euro abgebucht. Das Geld holt er sich zurück.

Senior will das ungeliebte Sky-Abo unbedingt wieder loswerden

Der Somborner lässt nichts unversucht, den Sachverhalt zu klären und das ungeliebte Abo wieder loszuwerden. Einen halben Ordner füllt mittlerweile der Schriftverkehr. Walter Hanisch sucht Hilfe in Telekom-Läden – ohne am Ende schlauer zu sein.

Schließlich kündigt er Ende Dezember 2019 bei Sky einen Vertrag, den er, wie er mehrfach beteuert, nie abgeschlossen und auch nie gesehen hat: „Vorsorglich widerrufe ich alle etwa von mir abgegebenen Erklärungen, die zu einem Vertragsabschluss mit dieser Firma geführt haben können. Eine etwa der Firma Sky Deutschland erteilte Einzugsermächtigung widerrufe ich ausdrücklich.“

Walter Hanisch soll telefonisch das Sky-Abo Bundesliga abonniert haben. Der Senior bestreitet das.

Walter Hanisch soll telefonisch das Sky-Abo Bundesliga abonniert haben. Der Senior bestreitet das. © dpa

Die Hoffnung, dass sich der Fall damit erledigt hat, zerschlägt sich. Im Gegenteil, für Hanisch kommt es noch dicker: Am 16. Januar 2020 erreicht ihn ein Schreiben einer Inkassofirma mit einer Gesamtforderung der Firma Sky Deutschland von 113,59 Euro – inklusive Mahnkosten, Schadensersatz und Rücklastschriftkosten. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.

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Inkasso-Unternehmen droht: Vermeiden Sie ein Gerichtsverfahren“

Gegen die Forderungen erhebt Hanisch schriftlich Widerspruch. Was passiert? Das Unternehmen hält in einem Brief vom 26.1.2020 an den Forderungen fest und spricht eine unterschwellige Drohung aus: „Vermeiden Sie ein Gerichtsverfahren“ steht dort fett gedruckt.

An diesem Punkt reicht es Walter Hanisch, er wendet sich an unsere Redaktion. „Das sind doch alle Verbrecher“, schimpft er. „Es kann nicht sein, dass die einfach an mein Konto gehen.“

Anfragen dieser Redaktion bei den Unternehmen Sky und Telekom werden zügig beantwortet: Ein Telekom-Sprecher erklärt, dass Walter Hanisch über die Telekom telefonisch im Juni 2019 das Sky-Abo Bundesliga abgeschlossen habe. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Gesprächsaufzeichnungen archiviert die Telekom nur 30 Tage.

Dortmunder erstattet Anzeige bei der Polizei

Die Bankdaten habe die Telekom nicht an Sky weitergegeben, betont der Sprecher. Bei Sky liest sich das anders: „Da die Abbuchungen durch Sky erfolgen, erhalten wir dann auch die entsprechenden Bankdaten von der Deutschen Telekom zur Abbuchung. Sofern ein Kunde das nicht möchte, kann er uns die Einzugsermächtigung entziehen“, schreibt Sky-Sprecher Jens Bohl.

Per Mail schickt er die Vertragsbestätigung vom 6.6.2019, die Walter Hanisch nach eigener Aussage nie erhalten hat.

Walter Hanisch schäumt: „Unglaublich, dass die meine Daten weitergegeben haben.“ Bei der Polizei hat er Anzeige erstattet, dem Datenschutzbeauftragten des Bundestages will er noch schreiben. Seine Geschichte habe er öffentlich gemacht, um andere zu warnen.

Mittlerweile hat Sky die Forderung beim Inkassobüro storniert. Der Fall ist abgeschlossen, das hat Walter Hanisch sogar schriftlich.

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