Was ist drin in dem Vial? Um Janssen, den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson hatte es Diskussionen gegeben. © picture alliance/dpa
Corona-Impfungen

Unsicherheit um Impfstoff von Johnson & Johnson: Dortmund legt sich fest

Gibt’s den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson für alle oder nur für Menschen ab 60 Jahren? Essen hatte 200 Termine abgesagt, in Dortmund wurde erst überlegt. Nun hat man sich entschieden.

Wie ist die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) denn nun zu verstehen? Ist der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson in seltenen Fällen gefährlich für Menschen unter 60 Jahren? Die Stadt Essen hatte vor einigen Tagen gehandelt.

Sie sagte 200 bereits terminierte Impfungen ab. Im konkreten Fall ging es um Obdachlose und Flüchtlinge. Gerade für diese Gruppen hätte Johnson & Johnson einen Vorteil.

1200 Impfdosen sind noch da

Bei diesem Vektorimpfstoff reicht eine Spritze. Beim anderen zugelassenen Vektorimpfstoff Astrazeneca sowie bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna müssen es zwei Termine sein. Auch in Dortmund war Johnson & Johnson deshalb zunächst erste Wahl bei Sonder-Aktionen.

Auch hier wurden Obdachlose damit gegen Covid-19 geimpft. Zudem gab es den Vektorimpfstoff bei den Terminen in sozialen Brennpunkten: zunächst in Nette/Bodelschwingh/Westerfilde, eine Woche später auch in der Nordstadt. Die Sonder-Aktionen waren nun vorbei, trotzdem stellte sich die Frage: Was passiert mit den restlichen etwa 1200 Impfdosen, die die Stadt noch hat und die bis in den August hinein haltbar sind?

Ärzte sollen die Impflinge beraten

Am Montag gab es darauf die Antwort. Und da beruft man sich – anders als die Stadt Essen – auf die Aussagen der Stiko aus dem Mai. Denn generell hätten diese weiterhin Gültigkeit.

„Der Impfstoff von Johnson & Johnson darf nach dieser geltenden Impfempfehlung auch an Personen unter 60 Jahren verimpft werden“, erklärt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. Voraussetzung dafür sei aber „eine ausführliche Aufklärung der zu impfenden Personen“.

Eine solche habe es bisher in Dortmund „vor jeder Impfung gegen SARS-CoV-2, also auch mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson,“ gegeben. Und daran würden die Ärzte auch weiterhin festhalten.

Impf-Nebenwirkung? Wann Sie handeln sollten

Die Schlussfolgerung, so Pinetzki weiter: „Diese Impfungen wurden und werden also in Übereinstimmung mit den geltenden Impfempfehlungen vorgenommen. So wird die Stadt Dortmund auch weiter verfahren.“

Ähnlich wie der Impfstoff von Astrazeneca steht auch der von Johnson & Johnson in Verdacht, in sehr seltenen Fällen eine Hirnvenenthrombose nach sich ziehen zu können. Deshalb raten Experten wie der Dortmunder Immunologie-Professor Carsten Watzl: Sollten 4 bis 16 Tage nach der Impfung beispielsweise starke Kopfschmerzen auftreten – dann zum Arzt gehen.


Dortmunder Professor rät zu einer anderen Grenze

Generell erklärte Watzl im Video-Gespräch mit unserer Redaktion: Das könne schätzungsweise in nur einem von etwa 300.000 Fällen passieren. Dennoch kam er zu einem ähnlichen Schluss, der irgendwo zwischen der Einschätzungen der Städte Essen und Dortmund liegt.

Man sollte „die Grenze bei 40 oder über 40 ziehen“. Seine Empfehlung: „Alle Leute, die jünger sind, sollten sich wahrscheinlich nicht mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson impfen lassen, sondern ruhig noch ein, zwei Monate auf mRNA warten. Es ist einfach die sichere Alternative, auch wenn diese Nebenwirkungen sehr, sehr selten sind.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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