Unverpackt-Läden in der Corona-Krise

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Die Krise geht weiter: Dortmunds verpackungsfreie Läden stehen bald vor dem Aus, wenn es so weiter geht. Die Inhaber glauben, dass Kunden falsche Ängste haben könnten.

Dortmund

, 29.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem Lockdown steckt der Wurm drin. Das Geschäft des Unverpackt-Ladens „Pur Bio“ an der Saarlandstraße läuft alles andere als gut. Seit März verzeichnet der Besitzer, Cem Erdogdu, steigende finanzielle Verluste.

„Vor allem in den letzten Wochen habe ich im Durchschnitt 8 bis 10 Kunden weniger am Tag“, sagt er. „Das macht für mich erheblich viel aus.“ Vor allem Neukunden blieben seinem Laden in der letzten Zeit fern. „Ohne unsere Stammkunden wären wir schon lange weg vom Fenster. Aber selbst mit ihrer Unterstützung schreiben wir aktuell keine schwarzen Zahlen.“

Grundlose Angst sorgt für wegbleibende Kunden

Der „Pur Bio“-Besitzer hat zumindest Vermutungen, warum seine Kundschaft gesunken ist: „Ich glaube einfach, viele Mitbürger sind zurzeit so verunsichert, dass sie in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Sie gehen lieber zum Rewe gegenüber, den sie kennen. Dabei können wir sogar bessere Hygienemaßnahmen garantieren.“

Gerade weil der „Pur Bio“ Laden seine 700 Produkte auf nur 40 Quadratmetern Verkaufsfläche hat, könne hier besonders gut auf die Vorschriften geachtet werden: „Jeder Kunde desinfiziert sich am Eingang die Hände. Wir desinfizieren regelmäßig sämtliche Ablagen und Griffe und jeder Kunde kauft mit eigener, sauberer Kelle ein, die er am Eingang erhält.“

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Trotz einiger Lockerungen dürfen in den Laden von Cem Erdogdu zurzeit nur drei Kunden gleichzeitig. Aber genau das sei möglicherweise ein irrationaler Grund für Kunden, fernzubleiben: „Vielleicht verbinden viele Menschen die Anonymität in großen Supermärkten mit Sicherheit.“

Dabei könne man dort ja logischerweise erst recht nicht wissen, wer was angefasst hat und mit wem wer in Kontakt war. Was viele auch nicht wissen: Unverpackt-Läden haben auch vor Corona schon deutlich strengere Hygieneauflagen gehabt als Supermarkt-Ketten.

Rote Zahlen auch bei „Frau Lose“

Ähnliches berichtet eine Mitinhaberin von „Frau Lose“, Swenja Reil: „Wenn wir noch so einen Monat wie den Mai erleben, wird es mehr als schwierig.“ Auch hier haben die Besitzerinnen, die den Laden an der Rheinischen Straße vor weniger als einem Jahr eröffneten, große Sorgen. Sie hätten zwar immer noch eine gute Mischung aus Stammkunden und Neukunden, aber insgesamt seien es einfach zu wenige.

Auch die Besitzerinnen von „Frau Lose“ haben mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. Hier auf einem Foto vor Beginn der Krise.

Auch die Besitzerinnen von „Frau Lose“ haben mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. Hier auf einem Foto vor Beginn der Krise. © Frau Lose

Swenja Reil kann sich gut vorstellen, dass das auch an der finanziellen Lage vieler Dortmunder liegt: „Die Kurzarbeit macht vielen zu schaffen, denke ich. Aber noch schlimmer ist der fehlende persönliche Kontakt.“

Bei „Frau Lose“ sei es selbstverständlich, mit den Kunden zu interagieren und zu quatschen. Die Maskenpflicht und die Abstandsregelungen erschwerten das natürlich. Das Einkaufen sei für viele Menschen zurzeit eher unangenehm und damit alles andere als gerne getan.

Der letzte Hilferuf

Dabei sei das Einkaufen im Unverpackt-Laden viel schneller als im Supermarkt, sagt Cem Erdogdu: „Ich habe sogar die Zeit gestoppt. Bei uns muss man meistens nicht warten und sich auch nicht um Einkaufswagen und Leute schlängeln. Im Schnitt braucht ein Kunde mit gewöhnlichem Einkauf hier nicht länger als 8 Minuten.“

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Der einzige Nachteil: Man müsse eben ein bisschen mehr planen, indem man zum Beispiel seine Gefäße mitbringt. Selbst das lässt sich aber gut von Zuhause abschätzen: Auf der Website von „Pur Bio“ kann man alle erhältlichen Waren einsehen.

Ende März haben beide Läden sogar einen konkreten Hilferuf über Facebook starten müssen. Leider habe sich die Lage danach nur für ungefähr zwei Wochen verbessert. Dann ging es wieder bergab. Aktuell bleibt ihnen nichts anderes übrig, als weiterhin in sozialen Netzwerken präsent zu bleiben und zu hoffen: „Wir appellieren an jeden, uns zu helfen und sich zu trauen“, sagt Cem Erdogdu.

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