Urteil über Mord-Plan: Lehrer hält 17-Jährigen weiter für „sehr gefährlich“

mlzSchüler wollten Lehrer töten

Im Prozess um den geplanten Mordanschlag auf den Dortmunder Lehrer Wolfgang Wittchow ist ein Urteil gefallen. Der Lehrer reagiert erleichtert - und spricht eine Warnung aus.

Dortmund

, 06.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch die Richter der 31. Jugendstrafkammer der Dortmunder Landgerichts haben sich jetzt klar festgelegt: Im Mai 2019 haben drei damals 16, 17 und 18 Jahre alte Jugendliche beschlossen, Wolfgang Wittchow zu ermorden.

Der Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld sollte in einen Hinterhalt gelockt und dort mit einem Hammer erschlagen werden. Grund: Der 16-Jährige war unzufrieden mit seinen Zeugnisnoten.

Arreststrafen für Mitangeklagte

Am Montag hat das Landgericht den inzwischen 17-jährigen Jugendlichen wegen versuchten Mordes zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt. Der ein Jahr ältere Komplize muss wegen Beihilfe zum Mordversuch einen dreiwöchigen Dauerarrest verbüßen und außerdem 100 Sozialstunden ableisten.

Der älteste Angeklagte wurde hinsichtlich des Mordkomplotts freigesprochen und lediglich wegen einer zuvor begangenen Sachbeschädigung zu einem Wochenende Freizeitarrest und 50 Sozialstunden verurteilt.

Lehrer ist „erleichtert“

Fast eineinhalb Stunden dauerte die Urteilsbegründung des vorsitzenden Richters Ulf Pennig. Wie die gesamte Verhandlung fand auch diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Anschließend stellte sich Wolfgang Wittchow den wartenden Pressevertretern - und machte dabei einen äußerst aufgeräumten Eindruck.

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„Mit dem Urteil kann ich sehr gut leben“, sagte er. Der Vorsitzende Richter habe genau den richtigen Ton getroffen und ihm sozusagen aus der Seele gesprochen.

Vor allem hatten die Richter aber auch das umgesetzt, was Wittchow am Montag als Motiv auf seinem T-Shirt trug. Das aus dem Gesellschaftsspiel Monopoly bekannte Logo des in eine Trillerpfeife blasenden Polizisten wurde dort umrahmt von den Worten „Go to Jail“.

„Haupttäter ist gefährlich“

Der Tag hatte für den Deutsch- und Chemielehrer mit der erwarteten Anspannung und Aufgeregtheit begonnen. Nach der Urteilsbegründung fiel dann aber schnell alles von ihm ab. „Ich bin sehr erleichtert“, sagte er. Es hätte einfach nicht sein dürfen, dass Jugendliche, die eine solche Tat planen, am Ende ohne fühlbare Bestrafung aus dem Prozess herausgehen.

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Vor allem den Haupttäter hält Wittchow auch weiterhin für „sehr gefährlich“. Der 17-Jährige habe einfach einen schlechten Charakter. Es bleibe zu hoffen, dass sich daran etwas während der nun anstehenden Haftzeit ändern werde.

Der Lehrer wird dagegen weiterhin gerne zur Schule gehen. In den Wochen vor den Sommerferien sei ihm das wegen einer Erkrankung noch verwehrt gewesen. Ab Mitte August hofft er jedoch, wieder Unterricht geben zu können. „Ich habe jedenfalls keine Angst, zur Schule zu gehen“, sagte er.

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