Vandalismus im Klinikviertel: „Für mich gleicht das einem Anschlag“

mlzCorona-Geister

Ein Geschäft im Klinikviertel ist in der Nacht zu Mittwoch (3.6.) von einem unbekannten Täter mit einer eindeutigen Botschaft besprüht worden. Es gibt eine bemerkenswerte Vorgeschichte.

Dortmund, Klinikviertel

, 08.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise kann man in den Schaufenstern der U-Nikat Konzeptmanufaktur in der Kleinen Beurhausstraße handgenähte Kinderkleidung, Glas-Trinkflaschen und einzigartige T-Shirts bewundern. Am Mittwochmorgen (3.6.) prangte auf der Fensterfront allerdings ein breiter Schriftzug mit einer unmissverständlichen Botschaft. Die Straftat scheint einen eindeutigen Hintergrund zu haben.

Eigentlich wollten Ladeninhaber Markus Philipp und seine Frau eine gemeinnützige Spendenaktion auf die Beine stellen. Die Idee: T-Shirts anfertigen, die mit einem Motiv bedruckt sind, das in Dortmund womöglich derzeit jeder kennt - nämlich den Graffiti-Corona-Geistern, die seit Wochen auf vielen Häuserfassaden zu sehen sind.

Frau wird in eigenem Geschäft bedroht

„Wir wollten damit in dieser schwierigen Zeit einfach ein bisschen Geld sammeln und die Einnahmen anschließend vollständig an eine gemeinnützige Organisation spenden“, erklärt Markus Philipp.

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Zur endgültigen Umsetzung kam es schlussendlich jedoch nicht, denn: „In der vergangenen Woche kam ein vermummter Mann in unseren Laden und gab meiner Frau deutlich zu verstehen, dass wir sofort aufhören sollten, das Geister-Motiv zu verwenden“, so Philipp. Es folgten weitere nachdrückliche Anrufe mit derselben Aufforderung.

Foto erscheint auf einschlägigem Instagram-Profil

Doch damit nicht genug. Über Instagram wurde der Ladeninhaber anschließend von dem Betreiber eines Profils kontaktiert, auf dem regelmäßig neue Graffito von Corona-Geistern in Dortmund veröffentlicht werden. Daraufhin versuchte Philipp dem anonymen Kontakt die Hintergründe der T-Shirt-Aktion zu erklären. In der Hoffnung, den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben.

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#dortmundgraffiti #artthieves

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Das zumindest schien geglückt. Ein klärendes Gespräch blieb jedoch aus. Bis auf eine weitere Aufforderung, das Drucken des Motives zu unterlassen, erhielt er keine Antwort.

Laut Philipp haben er und seine Frau die Idee daraufhin verworfen: „Meine Frau hat zu diesem Zeitpunkt allerdings schon die Befürchtung gehabt, dass da vermutlich noch etwas hinterherkomme.“ Sie sollte Recht behalten.

Vandalismus im Klinikviertel. Zusammenhang zum Ghost-Sprayer

Der Schriftzug „Get my ghosts out of your shitty shop“ zu Deutsch „Nimm meine Geister aus deinem blöden Laden“ prangte am Mittwochmorgen (3.6.) auf den Schaufenstern der U-Nikat Konzeptmanufaktur im Klinikviertel. © Privat

Am Mittwochmorgen war in großen Buchstaben die Botschaft „Get my ghosts out of your shitty shop“ zu Deutsch „Nimm meine Geister aus deinem blöden Laden“ auf den Schaufenstern des Geschäfts zu lesen. Am selben Tag wurde auf dem gleichen Instagram-Profil ein Foto von der beschädigten Ladenfront veröffentlicht, mit dessen Betreiber Markus Philipp zuvor in Kontakt war.

Ladeninhaber möchte weitere Eskalation verhindern

Ein Zufall oder doch ein Zusammenhang? Das ist bislang noch unklar. Nicht so wie die erheblichen Auswirkungen. „Für mich gleicht ein solches Vorgehen einem Anschlag“, betont Philipp, der die Ereignisse zunächst gar nicht in der Öffentlichkeit thematisieren wollte und sich erst auf das Bestreben von außerhalb zu diesem Schritt entschloss.

Vandalismus im Klinikviertel. Zusammenhang zum Ghost-Sprayer

Auch der benachbarte Hej Store wurde von den Tätern mit einem Graffiti beschmiert. © Privat

„Ich möchte keinesfalls, dass das Ganze noch weiter eskaliert. Es war ja ursprünglich nur als Unterstützungsaktion gedacht. Allerdings darf so eine Straftat auch nicht einfach hingenommen werden.“

Derweil sind die Spuren des nächtlichen Vorfalls bereits beseitigt. „Dafür musste extra eine Spezialfirma angefordert werden“, unterstreicht Philipp. „Darum hat sich unser Vermieter direkt gekümmert und am Donnerstag ist der Schriftzug dann entfernt worden. Ansonsten wäre der Schaden wohl noch deutlich gravierender gewesen.“

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Sowohl er als auch der Besitzer des Hauses haben inzwischen Anzeige bei der Polizei erstattet. Inwieweit aber tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Sprayer der Corona-Geister und den Schmierereien im Klinikviertel besteht, ist nach wie vor unklar.

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