Vater und Sohn wollen nur in die Kirche – und bringen Räuber ins Gefängnis

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Verbrecherjagd statt Kirchgang: Armin und Markus Schade haben auf dem Weg zum Gottesdienst für die Festnahme von zwei Räubern gesorgt. Das Überfall-Opfer hat mit langwierigen Folgen zu kämpfen.

Dortmund

, 29.11.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein warmer Sonntag im Juli, als Armin Schade mit seinem Sohn Markus zur Abendmesse im Kaiserstraßenviertel gehen wollte. Als er das Auto der Familie an der Franziskanerstraße in der Nähe des dortigen Gemeindezentrums parkte, ahnte er noch nicht, dass er wenige Momente später in eine Verfolgungsjagd verwickelt würde.

Der 28-jährige Markus bemerkte zuerst eine Seniorin, die mit schmerzverzerrtem Gesicht vor dem Gemeindezentrum auf dem Bürgersteig lag. Andere Passanten eilten ihr zu Hilfe – plötzlich sah Markus Schade zwei Männer mit einer Handtasche über die Straße rennen.

„Mir fliegt gleich die Lunge aus dem Hals“

„Die Frau war total geschockt, aber die anderen Leute haben gerufen: ‚Die haben ihr die Tasche geklaut‘“, erinnert sich Markus, der auch Messdiener in der Franziskusgemeinde ist. Also rannte er hinterher, Vater Armin kam sofort mit.

Als die Räuber bemerkten, dass sie verfolgt wurden, schmissen sie die erbeutete Handtasche zur Seite. Sohn Markus brachte sie zu der schwer verletzten 80-Jährigen, Vater Armin rannte den Tätern weiter hinterher. Dabei holte er sein Handy aus der Jacke, um die Polizei zu alarmieren. „Mir fliegt gleich die Lunge aus dem Hals“, habe er nur gedacht, als er dem Notruf die Tat schilderte.

Vater und Sohn wollen nur in die Kirche – und bringen Räuber ins Gefängnis

Im Neubaugebiet am alten Ostbahnhof sind die Täter festgenommen worden. © Kevin Kindel

Von der Franziskanerstraße ging es auf die Hamburger Straße, dann flüchteten die Täter ins Neubaugebiet am alten Ostbahnhof. Als sie abbogen, sah Armin Schade schon einen Polizeiwagen auf sich zukommen, der den beiden Männern direkt hinterherfuhr. „An dem Tag war dieses Pokémon-Go-Fest in Dortmund“, sagt der 58-Jährige vier Monate später: „Sehr viel Polizei war in der Stadt unterwegs.“

Ein zweiter Streifenwagen folgte, Armin Schade gab der Besatzung eine Beschreibung der Täter. Wagen Nummer 1 hörte per Funk zu. „Und kurz danach hörten wir schon über Funk: ‚Wir haben sie.‘“

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Beide Täter haben Freiheitsstrafen bekommen

Das 80-jährige Opfer verletzte sich bei dem Raub schwer. Der Frau musste ein künstliches Schultergelenk eingesetzt werden. Der jüngere Täter wurde wegen schweren Raubes mit Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Ältere bekam eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Er habe Berufung gegen das Urteil eingelegt, heißt es von der Staatsanwaltschaft Mitte November. Es könne durchaus sein, dass weitere Taten zu diesen Strafen beitrugen. Das sei in der Akte nicht einsehbar.

Bei der Verfolgungsjagd hätten sie überhaupt nicht nachgedacht, sagen Vater und Sohn. Reflexartig sei das einfach so passiert, sagt Armin Schade: „Dabei wollten wir doch nur in Ruhe in die Kirche gehen.“ Was die Familie danach übrigens noch tat. Dass Messdiener Markus zu spät kam, war an diesem Tag kein Problem.

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