Veggie World 2019: Zwischen Löwenzahn-Honig, Camembert aus Cashews und veganem Deo

mlzMesse in Westfallenhallen

Die Messe „Veggie World“ in den Westfalenhallen zeigt, dass man bei Weitem nicht nur auf das Essen achten muss, wenn man wirklich vegan leben will. Das fängt schon bei der Wahl des Deos an.

Dortmund

, 15.09.2019, 11:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittlerweile ist die vegane Ernährung keine Öko-Nische mehr, sondern Teil des Mainstreams. In den Supermärkten sind vegane Produkte wie Pflanzendrinks und Fleischersatz mittlerweile im Standardsortiment – in normalen Supermärkten gibt es beispielsweise bereits rein pflanzliches Hack. Vor ein paar Jahren war das noch unvorstellbar, da musste man für einen Tofu-Block oder überteuerte Sojamilch in den Bioladen.

Wer jedoch sein Leben komplett „veganisieren“ möchte, hat einiges zu beachten. In vielen Produkten, die wir tagtäglich benutzen, sind häufig in irgendeiner Form tierische Bestandteile enthalten. Die Messe „Veggie World“, die am 14. und 15. September erstmals in den Westfalenhallen Halt macht, bietet da Abhilfe. Ein Rundgang durch die Stände zeigt, dass man bei viel mehr Dingen auf ihre vegane Herstellung achten muss als nur beim Essen.

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So war es auf der Veggie World Messe in den Westfalenhallen

Die vegane Lebensweise ist voll im kommen. Es gibt jetzt sogar eine eigene Messe in den Dortmunder Westfalenhallen: Die Veggie World. Auf der Messe gibt es neben den üblichen Foodtrucks auch Vorträge zum Thema Veganismus und viele Firmen und Start-Ups, die ihre Produkte präsentieren. Wir haben uns vor Ort umgeschaut und einige Impressionen eingefangen.
15.09.2019
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Von außen könnte man meinen, dass auf der Veggie World am Samstag (14.9.) nichts los war.© Robin Albers
Innen war aber einiges los: Wie zum Beispiel bei der Live-Kochshow der Youtube-Stars Gordon und Aljoscha von "Vegan ist ungesund". Später gaben die beiden noch eine Autogrammstunde.© Robin Albers
Während des Programms auf der Bühne hatte man die Chance, etwas bei den Foodtrucks zu essen – in den Pausen war es hier sehr voll.© Robin Albers
Bei den Foodtrucks gab es Fastfood-Klassiker: Hier ein Hot Dog, komplett vegan.© Robin Albers
Beim Stand von Vegablum gab es "Wonig" zu probieren. Das ist Honig aus Blüten.© Robin Albers
Hinter Vegablum stehen Danny Nowak und Stephan Weidt aus Hagen.© Robin Albers
Seit 2015 stellen sie die Honig-Alternativen her. Ihren Wonig verarbeiten die beiden auch als Met, beziehungsweise "Vet", da Met, wie Honig, ein geschützter Begriff ist und nicht für Alternativprodukte verwendet werden darf.© Robin Albers
Mitsal Kifleyesus-Matschie von Ecopia aus Äthiopien setzt auf Guerilla-Marketing. Unseren Reporter machte sie auf sich aufmerksam, als sie seine Hand schnappte und seinen Arm prompt mit Sheabutter (großer Block unten links) einrieb.© Robin Albers
Ecopia stellt neben Körperpflegeprodukten auch Nahrungsmittel her. Unter anderem eine Ghee-Alternative aus Kokos. Die Produkte werden in Äthiopien hergestellt.© Robin Albers
Bei Benjamin Siebert und Jessica Tomaszewski von "Ben & Anna" gibt es veganes Deo und vegane Zahnpasta.© Robin Albers
Besonders interessant sind die Zahnpasten, die auch die Zähne aufhellen sollen. In herkömmlichen Zahnpasten erreicht man den Effekt mit schleifenden Mikroplastikpartikeln. Ben & Anna setzen auf Aktivkohle und Ananasenzyme.© Robin Albers
Es gibt auch vegane Feinkost. Cashewbert aus Berlin stellt Weichkäse aus Cashewnüssen her.© Robin Albers
Camembert, Brie und Blauschimmelkäse gibt es jetzt auch vegan aus Cashews.© Robin Albers

„Honig“ aus Löwenzahnblüten

Doch auch bei den Nahrungsmitteln gibt es Überraschungen. So lernt man auf der „Veggie World“, dass selbst rein pflanzliche Produkte nicht unbedingt vegan sein müssen. Etwa Honig. Denn Bienen stellen den Honig eigentlich nicht für Menschen her, sondern für sich selbst und ihren Nachwuchs.

Bei der industriellen Herstellung werden die Bienen in Massen gezüchtet und bei der Ernte häufig verletzt oder sogar getötet.

Es gibt aber eine Alternative, die Bienen schont: Honig aus Blüten, wie die Firma „Vegablum“ aus Hagen ihn seit Ende 2015 herstellt. Bei ihrem selbstbetitelten „Wonig“ handelt es sich um ein altes, simpel klingendes Rezept: Löwenzahnblüten werden zusammen mit Zucker und Wasser in eine honigartige Konsistenz eingekocht. Neben den diversen Honigalternativen wie Löwenzahn-Vanille oder Apfel-Lebkuchen stellt Vegablum veganen Met (Honigwein) aus dem eigenen Wonig aus Blüten her.

Veggie World 2019: Zwischen Löwenzahn-Honig, Camembert aus Cashews und veganem Deo

Hat nichts mit Bienen zu tun: Honig aus Pflanzenblüten © Robin Albers

Deo ohne Bienenwachs, Zahnpasta ohne Mikroplastik

Ein weiteres Produkt, das täglich benutzt wird, aber häufig doch mit Tieren in Zusammenhang steht, ist Deodorant. Häufig wird gerade bei den bekannten Marken noch auf Tierversuche gesetzt, und bei den Naturkosmetik-Alternativen sind oft auch tierische Bestandteile verarbeitet, etwa Bienenwachs. Bei „Ben & Anna“ gibt es eine vegane Alternative, die komplett tierversuchsfrei ist.

Die Firmengründer Benjamin Siebert und Jessica Tomaszewski setzen auf Sheabutter statt auf Bienenwachs. Wird die Sheabutter mit Natron, das antibakteriell wirkt, angereichert, erhält man gutriechende Deosticks. Die beiden vertreiben auch vegane Zahnpasta, die wie die nicht vegane Variante die Zähne aufhellt. Eben mit Ananasenzymen und Aktivkohle statt Mikroplastik. Übrigens wird auch bei herkömmlicher Zahnpasta zur Qualitätssicherung auf Tierversuche gesetzt.

Wie geht eigentlich Indisch ohne Ghee?

Den Unterschied zwischen vegetarischem und veganem Lebensstil zeigt das Beispiel des südasiatischen Speisefettes Ghee. Das Fett ist die Grundlage vieler traditioneller Currygerichte. Currys sind in der fleischfreien Küche beliebt. Jedoch wird Ghee aus Butter hergestellt, ist also eigentlich nicht vegan.

Auf der Veggie World gibt es aber den Stand von Mitslal Kifleyesus-Matschie aus Äthiopien. Sie stellt mit ihrer Firma „Ecopia“ Ghee aus Kokos her, das dem Original erschreckend nahekommt. Der Vorteil beim Kokosghee ist, dass dort schon erste Gewürze enthalten sind.

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Auf der Veggie World gibt es neben den Ständen in der Westfalenhalle auch draußen etwas zu entdecken: Es gibt einen Bereich mit Foodtrucks, wo Klassiker wie Burgern oder Hot Dogs verkauft werden, aber auch Waffeln und Döner – nur eben alles vegan.

Außerdem gibt es eine Bühne, wo Live-Kochshows und Vorträge zum veganen Lebensstil stattfinden. Dort erfährt man, dass selbst Fotofilme und Streichhölzer oft nicht vegan sind. In beiden ist Gelatine enthalten. Die besteht aus Kollagen, welches aus dem Bindegewebe von Schweinen und Rindern hergestellt wird.

Feinkost-Käse aus Nüssen

Auf der Messe finden sich aber auch Klassiker wie Tofu oder veganisierte Wurst und Käse. Mittlerweile gibt es auch bei den Fake-Produkten Feinkost-Niveau. „Cashewbert“ aus Berlin stellt Camembert, Brie und Blauschimmelkäse her. Nur eben nicht aus Kuhmilch, sondern aus Cashewmilch. Vorteil für Veganer: Cashewnüsse müssen nicht gemolken, sondern nur püriert und gesiebt werden. Käsekulturen dazu, reifen lassen – das war es eigentlich schon. Die Alternativen von Cashewbert schmecken richtig gut – sie sind cremig und aromatisch, wie die tierischen Käsesorten. Der Cashew-Käse aus Berlin ist nicht ganz billig.

Schaut man über die Messe, fällt auf, dass das Publikum bunt gemischt ist. Volltätowierte Hipster oder altbackene Klischee-Ökos, die häufig mit der veganen Szene in Verbindung gebracht werden, findet man hier selten. Der Veganismus ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mainstream eben.

Zur Sache

Veggie World

Die Veggie World in den Westfalenhallen hat noch am Sonntag (15.9.) von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 13 Euro, ermäßigt 11 Euro. Tickets gibt es an der Tageskasse.
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