Vergewaltigung nach Partynacht: 9 Fragen, die sich jetzt stellen

Übergriff am U-Turm

Die Vergewaltigung einer 22-Jährigen aus Soest nach einer Partynacht im U-Turm hat viele Dortmunder geschockt. Viele Fragen stehen im Raum: Gibt es schon Hinweise auf die Täter? Häufen sich sexuelle Übergriffe in Dortmund? Und wie können sich Frauen schützen? Wir geben Antworten.

DORTMUND

, 30.07.2015, 03:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
U Turm Dortmunder U

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Aktualisierung 4. August:

Die 22-Jährige hat zugegeben, die Vergewaltigung erfunden zu haben.' tag='

Erstmeldung 30. Juli:

Was war passiert?

Eine 22-jährige Frau aus Soest ist am Sonntag in Dortmund vergewaltigt worden. Die Diskotheken-Besucherin war gegen 5 Uhr in der Nähe des Dortmunder U vom Beifahrer in ein dunkles Auto gezerrt worden. Vergewaltigt wurde die junge Frau vom Fahrer. Wo genau, versucht die Polizei zu ermitteln. Das Opfer kann dazu keine genauen Angaben machen.

Gibt es schon Hinweise auf die Täter?

Erste Hinweise gingen bei der Kriminalpolizei bereits am Dienstag ein, nachdem über den Fall in den Medien berichtet wurde. Weitere Informationen erhielt der Kriminaldauerdienst auch am Mittwoch. „Diesen Hinweisen gehen wir nach. Und wir bitten Zeugen, denen etwas Verdächtiges aufgefallen ist, weiter um Hinweise“, sagte Polizeisprecher Gunnar Wortmann. 

Wie waren die Reaktionen auf die Berichterstattung?

"Pass auf dich auf", "Geh nicht alleine heim", "In Dortmund wird es immer schlimmer", "Heutzutage darf man nicht mehr alleine rausgehen": Das waren die häufigsten Reaktionen auf unsere Berichterstattung in den sozialen Netzwerken. "Selbstverteidigung sollte ein Muss für jede Frau sein", findet Nona Simakis. Hayalim Sensin meint: "Ich verstehe nicht, wie Frauen nachts alleine feiern gehen. Die wissen doch, dass man solche Schweine nicht aus der Welt schaffen kann!" Nutzerin Minel Belle empfindet aber selbst ihren Weg zur Arbeit bedrohlich: "Wenn ich Frühdienst habe und durch die Stadt laufe, ist das echt mit Angst verbunden." Auch Mütter meldeten sich, die sich um ihre Töchter sorgen.

Ist die Zahl der Vergewaltigungen in Dortmund gestiegen?

2014 zeigten Opfer insgesamt 538 Sexualstraftaten an. Darunter sexuelle Nötigungen und Vergewaltigungen. Die meisten Vergewaltigungen sind „Beziehungstaten“ – Täter und Opfer kennen es sich also bereits oder leben in einer Partnerschaft. Die Zahl aller Sexualstraftaten ist in Dortmund zwar zurückgegangen, die Zahl der Vergewaltigungen jedoch gestiegen.

Ausnahme: Die Zahl der „Überfallartigen Vergewaltigungen“ wie am Sonntag am „Dortmunder U“ ist laut Statistik im Jahr 2014 vom Anstieg nicht betroffen. In der ersten Jahreshälfte 2015 ist ein rückläufiger Trend bei allen Sexualstraftaten zu erkennen. 2014 wurden der Polizei 97 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen bekannt. Fast 62 Prozent der Fälle konnte sie aufklären.

Wie können sich Frauen schützen?

Vorab: Es gibt keinen hunderprozentigen Schutz. Vergewaltigungen können überall passieren und auch zu jeder Tageszeit. Natürlich gilt: nicht zu Fremden ins Auto steigen, die Augen offen halten und nach Möglichkeit dunkle Orte meiden. Wenn Sie Angst auf dem Heimweg haben, sprechen Sie andere Menschen an und bitten um Hilfe.

Laut Polizei Dortmund werden Sexualstraftäter vor allem dann aktiv, wenn sie keine Gegenwehr erwarten - also treten Sie selbstbewusst auf. Wer sich bedroht fühlt, sollte schon früh zum Handy greifen. Machen Sie laut auf sich aufmerksam, schreien Sie den Täter an, fordern Sie Umstehende auf, die Polizei zu rufen. Zur Abschreckung eignen sich auch Handalarmgeräte oder Trillerpfeifen.

Was ist mit Selbstverteidigungskursen?

Die Dortmunder Polizei rät zu einem Selbstverteidigungskurs, den auch der Polizeisportverein im Polizeipräsidium anbietet. Dabei geht es auch darum, die Selbstsicherheit zu trainieren. Ein Kurs besteht aus sechs Einheiten je zweieinhalb Stunden Theorie und fünf Treffen à zwei Stunden Selbstverteidigung. Der Kurs kostet 30 Euro, Teilnahme ab 18 Jahren.

Fragen beantworten Daniela Jankiewitz, Tel. (0231) 1 32 75 86, daniela.jankiewitz@polizei.nrw.de, und Andrea Keimberg, Tel. (0231) 1 32 75 85, andrea.keimberg@polizei.nrw.de. Die Nachfrage ist aber hoch, deshalb gibt es eine Warteliste.

Ist Pfefferspray erlaubt - und wo kann man das kaufen?

Pfefferspray kaufen ist nicht strafbar - wenn das Spray als "Tierabwehrspray" gekennzeichnet ist. Diese Sprays fallen nicht unter das Waffengesetz und können auch von Jugendlichen gekauft werden. Benutzen darf man das Spray aber nur zur Tierabwehr - und bei einer Notwehrsituation auch gegen Menschen.

Notwehr bedeutet, dass man sich verteidigen darf, um einen Angriff abzuwehren. Wer Pfefferspray einsetzt, sollte aber auf Wind achten, sonst bekommt man das Spray selbst ab. Zu kaufen gibt es das Spray im Internet, im Waffengeschäft, in einigen Kaufhäusern, aber auch bei Schlüsseldiensten oder an Tankstellen.

Wie sicher fühlen sich Frauen in Dortmund?

Wenn Frederike abends vor die Tür geht, hat sie ihr Pfefferspray immer griffbereit in der rechten Jackentasche. „Alle meine Freundinnen haben das“, sagt die 22-Jährige, die in Sichtweite des U-Turms wohnt. 

Janine (37) hat zwar keine Selbstverteidigungswaffe dabei, wenn sie abends unterwegs ist. Wirklich sicher fühlen sie und ihre Freundinnen sich aber nicht: „Wir machen es immer so, dass wir uns gegenseitig zum Auto bringen und warten dann auch ab, bis die andere eingestiegen ist.“

 „Das macht mich so wütend, das Gefühl, mich nicht frei bewegen zu können“, sagt Karla (24). Noch wütender aber machen sie manche Kommentare zu dem jüngsten Vergewaltigungsfall: „Das Schlimmste ist, wenn jemand sagt, ,Was geht die auch nachts alleine raus‘.“

Was können Opfer tun?

Wer Opfer sexueller Gewalt geworden ist, sollte sich möglichst schnell an die Polizei wenden. Auch wenn es schwer fällt: Nur so kann der Täter gefunden und aufgehalten werden. Mit der Anzeige schützen Opfer auch andere Frauen. Hilfe gibt es unter anderem hier und beim Weißen Ring.

Hinweis der Redaktion: Wir haben die Beschreibung der angeblichen Tatverdächtigen entfernt.

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