Verletzter Igel sucht Hilfe in der Apotheke

mlzSkurriler Tierfund

Ein Schatten unter dem Regal. Wo sonst nur der Besen hinkommt, unterhalb von Magentabletten und Nasenspray, versteckt sich ein Igel. Wie er in die Apotheke gekommen ist, bleibt ein Rätsel.

von Nicola Schubert

Renninghausen

, 26.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sabine Rother staunt nicht schlecht, als sie am Dienstagmorgen (24. Juli) einen tierischen Besucher an ihrem Arbeitsplatz entdeckt. Als sich die Mitarbeiterin der Apotheke am Tierpark in einem Kundengespräch zu einem Regal umdreht, nimmt sie aus dem Augenwinkel etwas auf der Fußboden wahr. Ein Tier? Auf jeden Fall etwas Dunkles. Kleiner als eine Katze, aber größer als eine Maus.

Ihre Kollegin Petra Ziemann traut zunächst ihren Ohren nicht, als Sabine Rother ihr sagt, ein Igel sei unter dem Regal. „Wir konnten es gar nicht glauben. Aber als wir uns runterbeugten, sahen wir den kleinen Kerl, wie er unter dem Regalbrett kauerte.“ Die Frauen versuchen mit schnalzenden Engelszungen, ihn hervorzulocken. Vergebens. Ängstlich drückt sich der Igel gegen die Wand.

Betreuung durch Igelschutz Dortmund

„Irgendwann haben wir ihn sanft mit einem Staubwedel herausgeschoben.“ Ein Papierkorb aus Bast soll dem Igel als Übergangsbehausung dienen. „Wir haben den Korb mit der Öffnung nach vorn auf den Boden gesetzt und dem Igel Wasser gegeben.“ Das nimmt er dankend an. Die beiden bemerken eine Verletzung an seiner Stirn. „Ob er wohl auf Pflaster oder Medikamente gehofft hat?“, amüsiert sich Rother.

So weit hergeholt ist die Idee gar nicht. Der Igel, wird sich noch herausstellen, ist schwerer verletzt als zunächst sichtbar. Die pharmazeutisch-technische Assistentin Lisa Leccese ist es dann, die den Igel am Mittag zur Arbeitsgruppe Igelschutz bringt. Der Verein ist im Herbst auf der Station im Tierschutzzentrum in Dorstfeld aktiv. In den anderen Monaten stellen sich Ehrenamtliche zur Verfügung, die zu Hause verletzte Tiere betreuen.

Gartengeräte verursachen oft Verletzungen

Dabei schaut der Verein, wer am nächsten an den Fundorten wohnt. Das ist in diesem Fall eine Bittermärkerin, die lieber anonym bleiben möchte. Als Lisa Leccese am Dienstag zu ihr kommt, hat sie bereits drei Tiere in Pflege. Schnell macht die Igelexpertin weitere Verletzungen am Bauch und an den Seiten aus.

„Das sind typische Verletzungen von unachtsam verwendeten Gartengeräten“, erklärt sie. Die häufigsten Übeltäter: Kanten- oder Freischneider. „Igel schlafen oft unter Gebüschen. Wenn Sie da mit einem Schneidegerät drunter gehen, ist es ganz schnell passiert.“ Nicht selten sind es auch Rasenmäher, die brutale Verletzungen verursachen können.

Antibiotikum hat noch nicht angeschlagen

So wohl auch im Fall des Apotheken-Igels. Die Igelpflegerin spritzt ihm ein Antibiotikum. Die größte Gefahr nach solchen Verletzungen sind die Entzündungsherde, die schnellstmöglich eingedämmt werden müssen. „Leider scheint es noch nicht angeschlagen zu haben“, bedauert die Frau. Auch gefressen habe das Stacheltier noch nicht. So zumindest der Stand am Donnerstag.

Ob sich verletzte Igel bewusst in die Nähe von Menschen begeben, lässt sich nicht ermitteln. Es fällt lediglich auf, dass sehr häufig verletzte oder unterernährte Tiere gefunden werden. „So kam auch ich zur Igelpflege“, erzählt die Bittermärkerin.

Tipps für Tierfreunde

Lisa Leccese hofft sehr, dass das Findelkind, mit etwa 600 Gramm weder besonders groß noch schwer, durchkommt. Seine Aussicht wäre natürlich nicht eine Rückkehr in die Apotheke, sondern ein Leben in dem großzügigen Garten der Großmutter von Leccese.

Die Igelexpertin aus der Bittermark gibt übrigens noch einen heißen Tipp für den Sommer: bei der Hitze freuen sich Igel, Vögel und Insekten über flache Wasserschalen im Garten, zum Beispiel Blumentopf-Untersetzer.

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