Verwahrlosung, Gewalt, Mangelernährung: Immer mehr Dortmunder Kinder zu Hause in Gefahr

mlzZahlen zur Kindeswohlgefährdung

Immer mehr Dortmunder Kinder müssen wegen akuter Gefährdung in ihren Familien vom Jugendamt in Obhut genommen werden. Aktuelle Zahlen zeigen einen erschreckenden Trend.

Dortmund

, 19.07.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

1498 Mal wurde das Jugendamt im vergangenen Jahr alarmiert, weil ein Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohl bestand. Entgegen dem Landestrend, nach dem es ein Plus von fast 10 Prozent gab, ist die Zahl in Dortmund zwar gesunken. Gestiegen ist allerdings die Zahl der Fälle, in denen sich der Verdacht bestätigt hat.

Denn 240 Mal wurde 2018 eine akute Gefährdung des Kindeswohls festgestellt. Das sind 23 Fälle mehr als im Vorjahr. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat sich die Zahl der akuten Kindeswohlgefährdungen sogar mehr als verdoppelt - von 101 Fällen im Jahr 2013 auf jetzt 240.

Hilfen für Familien in Not

In 174 Fällen, neun mehr als 2017, wurde von den Experten des Jugendamtes im vergangenen Jahr eine latente Gefährdung festgestellt. Das heißt, dass die Frage, ob aktuell eine Gefahr besteht, nicht eindeutig bejaht, aber auch nicht ausgeschlossen werden konnte. In 592 Fällen wurde ein Hilfebedarf festgestellt. In 492 Fällen bestätigten sich die Sorgen nicht.

Gemeldet wird der Verdacht in mehr als der Hälfte der Fälle von Nachbarn oder Kinderärzten, 209 Mal wurden Schulen und Kitas aktiv - auch das ist eine Verdoppelung im Vergleich zu 2013. Verwandte oder Bekannte der Familien lösten im vergangenen Jahr 331 Mal Alarm aus, Polizei und Justiz in 248 Fällen.

Unterbringung in Pflegefamilien

Die Gründe für eine Kindeswohlgefährdung sind höchst unterschiedlich, reichen von mangelnder Ernährung und Verwahrlosung bis zur Gewalt in der Familie.

Im Falle einer akuten Gefährdung werden die betroffenen Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen und zumindest vorübergehend in Pflegefamilien untergebracht.

Zugleich werde versucht, sozialpädagogische Familienhilfen für die Betroffenen zu vermitteln. „Oberstes Ziel ist immer, dass die Kinder in die Familien zurück können“, erläutert Stadtsprecherin Anke Widow.

Den Anstieg der festgestellten Kindeswohlgefährdungen sieht man bei der Stadt aktuell nicht als dramatisch an. Das könne auch mit dem generellen Anstieg der Kinderzahlen zusammenhängen, erklärt Widow. So sei die Zahl der Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in Dortmund um fast 3 Prozent gestiegen, die der Kinder unter drei Jahren um 1,5 Prozent.

Landesweit war fast jedes vierte Kind, bei dem eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt wurde, unter drei Jahre alt. 37,8 Prozent waren zwischen zehn und 17 Jahren alt.

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