Video zeigt Taser-Schuss in Dortmund: Polizei verteidigt Vorgehen

Elektro-Schock

Ein junger Mann wehrt sich gegen zwei Polizisten, ein Video zeigt den Schuss eines Elektro-Tasers. Die Polizei berichtet von der Vorgeschichte, die sich in einem Wohnhaus abgespielt habe.

Dortmund

, 23.04.2021, 13:29 Uhr
Die Polizei hat Mitte Januar ihre neuen Elektro-Taser vorgestellt.

Die Polizei hat Mitte Januar ihre neuen Elektro-Taser vorgestellt. © Stephan Schuetze (Archiv)

Ein junger Mann liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Bürgersteig. Zwei Polizisten versuchen ihn am Boden zu fixieren, einer drückt den Kopf des 22-Jährigen mit dem Knie auf die Steine. Doch der Mann wehrt sich deutlich, schlägt und tritt um sich und versucht, sich zu befreien.

Diese Szene von der Haydnstraße in der Dortmunder Nordstadt zeigt ein Anwohner-Video, das der WDR jetzt veröffentlicht hat. Ein dritter Polizist kommt dazu und zieht seinen Elektro-Taser.

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Die beiden Kollegen springen zur Seite, der 22-Jährige versucht offenbar aufzustehen, der Beamte drückt schnell ab und versetzt ihm einen Stromstoß - alles innerhalb von wenigen Sekunden. Passiert ist das ganze schon am 20. März, wie Polizeisprecherin Kristina Purschke auf Anfrage mitteilt.

Am Montag nach dem Einsatz hat die Polizei eine Pressemitteilung zu dem Fall veröffentlicht. Um 8.43 Uhr morgens hatten Bewohner eines Mehrfamilienhauses demnach die Polizei informiert, dass sich eine fremde Person im Hausflur aufhalte. Als die Einsatzkräfte eintrafen, schlief der 22-Jährige dort.

Betrunkener habe Polizisten geschlagen und getreten

Als er geweckt wurde, habe er sofort aggressiv reagiert, so Purschke. Der alkoholisierte Mann habe um sich geschlagen, im Hausflur sei zunächst der Einsatz des Tasers angedroht worden. Trotzdem habe der Wohnungslose die Beamten geschlagen und getreten. Dann habe es im Hausflur den ersten Elektro-Schock gegeben.

Trotzdem ist der Mann nicht gänzlich außer Gefecht gesetzt worden, die Auseinandersetzung verlagerte sich auf den Bürgersteig vor dem Haus. Wenig später setzt das angesprochene Video ein. Eine offensichtliche Androhung des Tasers ist auf der Aufnahme nicht erkennbar.

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Nach dem erneuten Taser-Schuss ist der Mann fixiert worden, kurz von Rettungskräften untersucht worden und zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen worden. Organisationen wie Amnesty International kritisieren grundsätzlich den Einsatz der Elektro-Pistolen, weil es nach den Stromstößen bereits Todesfälle gegeben hat.

Schlagstock hätte zu Verletzungen führen können

Für die Polizei Dortmund war der Taser-Einsatz in diesem Fall auch in der Nachbetrachtung das richtige Mittel. Sprecher Oliver Peiler sagt, alternativ hätte eventuell der Schlagstock zum Einsatz kommen können. „Ich gehe davon aus, dass das zu erheblichen Verletzungen bei dem Tatverdächtigen hätte führen können“, so Peiler.

Seit Mitte Januar testet die Polizei in der Nordstadt den Einsatz des „Distanzelektroimpulsgeräts“ (Deig). Dort gebe es besonders häufig Widerstand gegen Polizisten, hieß es zur Begründung. Das Pilotprojekt soll bis ins kommende Jahr andauern.

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