Am Nordmarkt protestierten mehrere hundert Menschen gegen die Kundgebung von Rechtsextremisten. © Oliver Schaper
Demonstrationen

Viel Polizei, kurze Kundgebungen: Demo-Tag in Dortmund verlief konfliktfrei

Antifaschisten und Rechtsextremisten demonstrierten in Dortmund am Sonntag (4.7.) gleichzeitig. Das sorgte für ein großes Polizeiaufgebot in der Stadt. So verlief der Demo-Tag.

Es kam in Dortmund am Sonntag (4. Juli) zu einer Art politischem Platztausch. In Dorstfeld fand eine antifaschistische Demo statt – als Protest gegen die Selbstaneignung des Stadtteils durch Rechtsextremisten als „Nazi-Kiez“.

Neonazis fuhren für eine Kundgebung in die Nordstadt, einen Ort, der für Multikulturalität steht und in dem die antifaschistische Szene stark vertreten ist.

Polizei-Aufgebot wie im Krisengebiet

Die Dortmunder Polizei hatte sich auf Konflikte eingestellt. Diese blieben glücklicherweise aus. Um das zu gewährleisten, waren mehrere Hundert Beamte rund um den Nordmarkt sowie am Wilhelmplatz in Dorstfeld im Einsatz. Manche Beobachter fühlten sich am Nordmarkt vor lauter Polizei und Absperrgittern an ein Krisengebiet erinnert.

Die Neonazis hetzten gegen die multikulturellen Bewohner der Nordstadt. © Robin Albers © Robin Albers

Die Kundgebung von etwa 80 Rechtsextremen unter dem Titel „Würzburger Verhältnisse verhindern“ begann gegen 16.30 Uhr. Schwarz-weiß-rote Fahnen wurden aufgestellt, Banner mit rassistisch konnotierten Botschaften wurden ausgerollt.

Unter den Teilnehmern waren mehrere bekannte Dortmunder Rechtsextremisten: Neonazi-Urgestein Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, mehrere Parteimitglieder von „Die Rechte“ wie das Ratsmitglied Matthias Deyda und der Landesvorsitzende Alexander Deptolla.

200 Menschen gegen Neonazis

Dagegen stellten sich in der Nordstadt laut Polizei rund 200 Gegendemonstranten, die sich bereits ab 14 Uhr dort zu einer Kundgebung versammelten. Darunter waren auch zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels, auch Kinder. Gemeinsam skandierten sie übliche Parolen wie „Nazis raus“ oder „Alerta Antifascista“ – und das so laut, dass die Reden der Neonazis meist nur schwer zu verstehen waren.

Das was zu verstehen war, war allerdings eindeutig: Es wurde gegen Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund gehetzt. Begriffe wie „Maximalpigmentierte“ und „Sozialterroristen“ wurden benutzt, sie seien für die Kriminalität in Deutschland verantwortlich. Und das direkt vor ihnen, denn eben viele solcher Menschen leben am Nordmarkt.

Etwa 50 Menschen demonstrierten gegen den von Rechtsextremisten selbsternannten „Nazi-Kiez“ in Dorstfeld. © Björn Althoff © Björn Althoff

In Dorstfeld hatten sich zeitgleich rund 50 Personen einem Aufruf der Autonomen Antifa 170 angeschlossen und demonstrierten auf dem Wilhelmplatz gegen Rechtsextremismus. Auch dort war viel Polizei anwesend, um Konfrontation zwischen Linken und Rechten zu verhindern. Hier gab es von den Neonazis keinen wirklichen Gegenprotest, nur fünf von ihnen blieben vor Ort.

Die Demonstration in Dorstfeld war gegen 17 Uhr vorbei, in der Nordstadt war um etwa 18 Uhr Schluss. Ausschreitungen oder Zusammentreffen beider Gruppen gab es nicht, da die Polizei beide konsequent voneinander abschirmte.

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1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers
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Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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