Viele neue Baustellen: Für Dortmunds Radverkehr ist 2021 einiges geplant

mlzRadverkehrs-Bilanz

Nur langsam ging es zuletzt mit großen Radverkehrsprojekte in Dortmund voran. Doch die Verantwortlichen der Stadt versprechen: 2021 wird das Jahr des Bauens. Zugleich bremsen sie Erwartungen.

Dortmund

, 19.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Taten statt Worte. Das forderten mehr als 1500 radelnde Demonstranten im Sommer. Sie beklagten, dass es zwar viele Pläne für eine Verbesserung der Radfahr-Bedingungen in Dortmund gibt, die Vorhaben aber nur sehr langsam vorankommen.

Im Mittelpunkt stehen dabei große Radverkehrsprojekte wie der Gartenstadt-Radweg oder der Radschnellweg Ruhr (RS1). Bei beiden wird es, anders als versprochen, auch in diesem Jahr keinen Baustart geben.

Jetzt lesen

Für die erneute Verzögerung beim Gartenstadt-Radweg nannte der zuständige Regionalverband Ruhr (RVR) unter anderem corona-bedingte Personalprobleme als Grund.

Beim für diesen Herbst angekündigten Baustart für den RS1 in Dortmund unter städtischer Regie mit der Umwandlung von Große-Heim-Straße und Sonnenstraße im Kreuzviertel in eine Fahrradstraße gab es neue bürokratische Hürden.

Die Große-Heim-Straße im Kreuzviertel soll als Fahrradstraße zum ersten Abschnitt des Radschnellwegs Ruhr in Dortmund werden.

Die Große-Heim-Straße im Kreuzviertel soll als Fahrradstraße zum ersten Abschnitt des Radschnellwegs Ruhr in Dortmund werden. © Oliver Volmerich

Der Fördermittelgeber habe eine Untersuchung zu möglichen Konflikten zwischen ein- und ausparkenden Autos und dem Radverkehr gefordert. Außerdem sei eine komplexe Erneuerung der Ampel für die Sonnenstraße an der Möllerbrücke nötig, erklärten Stefan Thabe als Leiter des städtischen Planungsamtes und Sylvia Uehlendahl als Leiterin des Tiefbauamtes die aktuelle Verzögerung.

Erst im August habe man den Förderbescheid des Landes bekommen. Nun ist der Baustart für das Frühjahr 2021 avisiert.

Jetzt lesen

Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte mit dem Umbau der Große-Heim-Straße schon 2018 begonnen werden. Anfangs machten aber vor allem mangelnde Planungskapazitäten bei der Stadt Probleme.

Die sind jetzt ausgeräumt. Der Rat hat zehn neue Stellen für die Radverkehrsplanung bewilligt - zwei im Planungsamt und acht im Tiefbauamt. Sie sind inzwischen besetzt. „Die erhöhte Personalstärke wird man bald merken“, verspricht Stefan Thabe.

Zwölf Stellen im Tiefbauamt

Im Tiefbauamt, wo es bis 2014 einen einsamen Radfahr-Beauftragten gab, gibt es jetzt zwölf Stellen, die sich um Radverkehr kümmern, bilanziert Sylvia Uehlendahl - wobei drei aus unterschiedlichen Gründen aktuell nicht besetzt sind. Bei den Themen, um die sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern, gibt es unterschiedliche Schwerpunkte von Bauleitung über Öffentlichkeitsarbeit bis zu Unterhaltungsarbeiten.

„Da geht es auch um viele Kleinigkeiten wie Bordstein-Absenkungen oder Lückenschlüsse im Radwege-Netz“, erklärt Sylvia Uehlendahl. „Wir hatten einen Berg an Anregungen und Beschwerden von Radfahrern, der jetzt langsam abgearbeitet wird.“

In diesem Jahr seien von 666.000 Euro, die für solche „Reparaturarbeiten“ zur Verfügung stünden, 425.000 Euro ausgegeben worden. Und weitere Maßnahmen seien in Arbeit.

Im Planungsamt gibt es jetzt auch einen Koordinator für die Planung des Radschnellwegs Ruhr. Doch trotz der zusätzlichen Planerstellen dämpft Stefan Thabe die Erwartungen an eine schnelle Realisierung des kompletten Radschnellwegs in Dortmund.

„Radschnellweg ist ein Dekaden-Projekt“

Es gehe um 24 Kilometer Strecke mit der Qualität einer Landesstraße, erklärt der Planungsamtsleiter. Dabei seien 18 Brücken zu planen und zu bauen - etwa, um entlang der S-Bahn-Linie 4 kreuzungsfrei über die Hohe Straße, die Märkische Straße und die Ruhrallee zu kommen. „Das kostet Zeit“, erklärt Thabe.

Die bisherige Ankündigung, der RS1 in Dortmund könne in drei bis vier Jahren gebaut werden, hält er deshalb für unrealistisch. „Der RS1“, sagt Thabe, „ist er ein Dekadenprojekt.“ Das heißt, dass er wohl nicht vor 2030/31 vollendet sein dürfte.

Thabe und Uehlendahl wehren sich aber auch dagegen, die Verbesserungen für den Radverkehr allein an großen Projekten festzumachen. In diesem Jahr seien viele Einzelmaßnahmen wie neue Schaltungen für Radfahrer an Ampeln oder die Rotmarkierung von Radwegen an großen Kreuzungen umgesetzt worden. „Die Roteinfärbung hat sich sehr gut bewährt“, stellt Sylvia Uehlendahl fest.

Der rote Radweg auf der Rheinischen Straße räumt Radfahrern mehr Platz ein.

Der rote Radweg auf der Rheinischen Straße räumt Radfahrern mehr Platz ein. © RN-Archiv

Das Jahr 2021 soll aber auf jeden Fall das Jahr des Bauens werden. Außer für den ersten Abschnitt des RS1 im Kreuzviertel und den Gartenstadt-Radweg steht auch der Baustart für den Radwall am Ostwall- und Schwanenwall und die Verlängerung des Bananenradwegs an der Klönnestraße an.

Arndtstraße und Lange Reihe in der östlichen Innenstadt sollen zu Fahrradstraßen, an vielen Stellen in der Innenstadt neue Abstellbügel installiert werden.

Jetzt lesen

Geplant ist auch eine Neuauflage des Fahrrad-Stadtplans, kündigt Thabe an. Und auch der früher übliche jährliche Fahrradbericht, der Zeugnis über die Maßnahmen der Stadt zur Radverkehrsförderung ablegt, soll 2021 wieder aufleben. Der letzte, gesteht Sylvia Uehlendahl, ist 2011 erschienen. Die Durststrecke ist jetzt zu Ende.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt