Dortmunder bleiben trotz Schlaganfall oder Herzinfarkt zu Hause

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Aus Angst vor dem Coronavirus holen sich offenbar viele Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten in Dortmund keine medizinische Hilfe. Damit gehen sie jedoch ein viel größeres Risiko ein.

Dortmund

, 03.04.2020, 08:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Devise, im Moment lieber zu Hause zu bleiben und Kontakte zu vermeiden, gilt nicht in medizinischen Notfällen. Rettungsdienst und Notaufnahmen sind auch weiterhin im Einsatz, um kranken Menschen zu helfen - auch wenn ihre Erkrankung nichts mit dem Coronavirus zu tun hat.

Doch offenbar meiden viele Dortmunder derzeit Notaufnahmen oder Rettungsdienste - auch, wenn sie dringend Hilfe benötigen.

Mit Sorge beobachtet beispielsweise Dr. Helge Möllmann, dass die Zahl der Herzinfarkt-Patienten, die zu ihm kommen, in den vergangenen drei Wochen drastisch gesunken ist. Möllmann ist Kardiologe und Chefarzt im St.-Johannes-Hospital und schätzt, dass die Zahl der Patienten, die er und sein Team wegen eines Herzinfarkts behandeln, um rund die Hälfte zurückgegangen ist.

Er kann sich das nur durch die Angst der Menschen, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus anzustecken, erklären.

Menschen sitzen Symptome aus - das kann lebensgefährlich sein

„Wir gehen davon aus, dass die Menschen die Symptome zu Hause aussitzen“, sagt er. Dass viele Dortmunder, die beispielsweise die üblichen Herzinfarkt-Symptome wie Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust an sich beobachten also nicht den Notruf wählen und sich auch sonst in keine medizinische Behandlung begeben.

Ein Fehler, der fatal enden kann: Jeder Herzinfarkt und jeder Schlaganfall muss umgehend behandelt werden. Es drohen Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Lähmungen. Im schlimmsten Fall können die Erkrankungen zum Tod führen.

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Und das wesentlich eher als jede Infektion mit dem Coronavirus: „Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist deutlich höher“, sagt Möllmann mit Blick auf das Virus. Wer die Symptome von Schlaganfall oder Herzinfarkt an sich feststellt, sollte in jedem Fall den Notruf 112 wählen.

Die Symptome von Herzinfarkt und Schlaganfall, wie hier von der Berliner Charité dargestellt, sollten auch zu Corona-Zeiten keinesfalls ignoriert werden.

Die Symptome von Herzinfarkt und Schlaganfall, wie hier von der Berliner Charité dargestellt, sollten auch zu Corona-Zeiten keinesfalls ignoriert werden. © Charité Berlin

Gleiche Entwicklung in allen Krankenhäusern

Die gleiche alarmierende Beobachtung machen im Übrigen auch die Ärzte am Knappschaftskrankenhaus in Brackel und am Klinikum Dortmund. Susanne Janecke, Sprecherin vom Klinikum Westfalen, zu dem auch das Knappschaftskrankenhaus gehört, spricht von einem „gravierenden Einbruch bei den Notfallbehandlungen für Herzinfarkt- wie Schlaganfallpatienten“.

Auch hier schließt man einen Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise nicht aus. Gleichzeitig, so schreibt Susanne Janecke weiter, sei es unvorstellbar, „weil sich so jemand“, gemeint ist ein Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatient, der nicht ins Krankenhaus geht, „in dramatischer Weise selbst gefährden würde.“

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Chefarzt Dr. Ulrich Hofstadt-van Oy von der Schlaganfalleinheit am Knappschaftskrankenhaus sagt dazu: „Die Menschen müssen sich bewusst bleiben, dass sie in unseren Krankenhäusern weiterhin gut aufgehoben sind und professionell vor Ansteckungen geschützt werden“, sagt er. „Corona-Patienten werden hier auf separaten, strikt getrennten Stationen behandelt.“

Charité beobachtet dasselbe Phänomen

Im Klinikum Dortmund hat man zwar in den letzten Wochen einen ähnlichen Rückgang der Schlaganfall- und Herzinfarkt-Patienten registriert. Jedoch, so berichtet es der Direktor der Kardiologie, Dr. Thomas Heitzer, ist die Zahl der Patienten in den vergangenen Tagen wieder leicht angestiegen.

Die Verunsicherung, ob man trotz Corona-Krise ein Krankenhaus aufsuchen sollte, scheint ein bundesweites Problem zu sein. Anfang der Woche wandte sich auch die Berliner Charité mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Weil bei Schlaganfällen und Herzinfarkten jede Minute zähle, ruft man auch hier alle Bürger auf, die Symptome ernst zu nehmen und im Zweifelsfall den Notruf zu wählen.



BEI AUFTRETEN 112 WÄHLEN

Die typischen Symptome von Herzinfarkt und Schlaganfall

  • Schlaganfall: Plötzlich einsetzende Schwäche oder Lähmung auf einer Körperseite, das heißt eines Armes, Beines oder im Gesicht; plötzliche Sprachschwierigkeiten in Verbindung mit einer Lähmung; Sehstörungen (zum Beispiel Doppelbilder); Schwindel mit Gangunsicherheit; plötzliche Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit; Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit; plötzlich auftretende sehr starke Kopfschmerzen
  • Herzinfarkt: Plötzlich einsetzende Brust- oder Oberbauchschmerzen; Engegefühl im Brustbereich; Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Angstschweiß; Brennen hinter dem Brustbein
  • Wenn diese Symptome auftreten, sollte dringend der Notruf 112 gewählt werden. Die Versorgung im Krankenhaus ist auch zu Corona-Zeiten sichergestellt.
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