Viele Dortmunder mit städtischen Kitas zufrieden - aber es gibt auch Kritik

mlzOnline-Umfrage

Wie gut funktioniert die Betreuung in den städtischen Kitas? Eine große Online-Umfrage unserer Redaktion zeigt: Es gibt ein positives Gesamtbild, aber auch konkrete Verbesserungswünsche.

Dortmund

, 25.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Pandemie hat die Kinderbetreuung für berufstätige Eltern zu einem Thema mit großer Aufmerksamkeit gemacht. Denn sie hat gezeigt, woran es hakt. Aber auch, was gut läuft.

Die Dortmunder Mutter Luisa Campino Johnson sagt: „Die momentane Situation zeigt Missstände auf, die es schon immer gibt.“ Insgesamt sei die Politik in Deutschland zu wenig kinder- und familienfreundlich. Und das zeige sich nun in einer Zeit, in der Unternehmen mit Milliardenbeträgen gerettet würden, immer mehr Kinder aber gerade so oder gar nicht über die Runden kommen.

Keine familienfreundliche Politik - aber das ist kein Dortmunder Problem

Für ein spezielles Dortmunder Problem hält die engagierte Mutter das nicht. Im Gegenteil: Den Allgemeinzustand der Kitas in Dortmund bezeichnet sie als gut. Sie hebt die insgesamt gute Abdeckung über das Stadtgebiet und den kontinuierlichen Ausbau vieler Einrichtungen hervor. „Im Rahmen dessen, was möglich ist.“

Ihre Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen unserer nicht repräsentativen Online-Umfrage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Stadtverwaltung, an der 2709 Dortmunder teilgenommen haben. Ein Thema war das Betreuungsangebot in den Kindertagesstätten des städtischen Trägers Fabido.

Die nicht-repräsentativen Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Bedingungen für Eltern mit kleinen Kindern.

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„Die städtischen Kitas bieten ein gutes Betreuungsangebot“: Die Abstimmenden waren um eine Einschätzung gebeten worden, für wie zutreffend sie diese Aussage halten. Von denjenigen, die sich eine Bewertung zutrauten, antwortete eine Mehrheit, dass dies „voll und ganz“ oder „eher“ zutreffe.

25 Prozent sind zufrieden, 17 Prozent nicht - und viele trauen sich keine Bewertung zu

Insgesamt sagten das rund 26 Prozent aller Abstimmenden (692 insgesamt). Dem gegenüber stehen rund 17 Prozent (458), die diese Aussage „eher nicht“ oder „gar nicht“ für zutreffend halten.

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57,33 Prozent aller Umfrageteilnehmer wählten die Antwortoption „kann/will ich nicht beurteilen“. Die Erklärung: Die Situation in Kitas ist in der Regel nur Dortmundern gegenwärtig, die Kinder im Vorschulalter haben oder auf andere Weise mit dem Bereich Kita verbunden sind. Deshalb könnte die Quote der Überspringer bei diesem Punkt höher sein als bei anderen abgefragten Themen.

Dortmunder liefern viele Vorschläge für Verbesserungen in den Kitas

Dafür liefern viele Dortmunder in den Antworten auf die Frage „Was kann am Angebot der Kitas in Dortmund verbessert werden?“ zahlreiche Vorschläge und konkrete Wünsche.

„Mehr Personal“ und „mehr Kita-Plätze“ sind zwei Forderungen, die immer wieder auftauchen. Dazu sagt Stadtsprecherin Anke Widow: „Das Kinderbildungsgesetz gibt den Schlüssel für das Personal in den Einrichtungen vor. Eine Erhöhung kann nur der Gesetzgeber veranlassen. Eine höhere Bezahlung setzte eine generelle Erhöhung des Tarifentgeltes voraus, da die Fabido-Mitarbeiter nach Tarif bezahlt würden.“

Flexiblere Betreuungszeiten? Fabido sieht sich gut aufgestellt

Außerdem gibt es laut der Umfrage viele Dortmunder, die sich flexiblere Betreuungszeiten in den städtischen Kitas wünschen. Dies sei vor allem für Eltern wichtig, die in Berufen mit Schichtbetrieb arbeiten oder zu ihrem Arbeitsplatz pendeln müssen. Das Fazit einer Kommentatorin: „Nicht sehr familienfreundlich“.

Dazu sagt Stadtsprecherin Anke Widow: „Von den Fabido-Eltern wird generell kein Wunsch nach 24-Stunden-Kitas geäußert.“ Der städtische Kita-Träger habe sich früh flexibel aufgestellt und biete Einrichtungen mit Öffnungszeiten von bis zu 60 Stunden an. „Individuelle Bedarfe für Wochenend- bzw. Übernacht-Betreuung können durch die Tagespflege abgedeckt werden“, so Widow.

Ein häufig genanntes Problem ist eine lange Wartezeit auf einen Kita-Platz in Dortmund. „Es ist heutzutage ein Lottogewinn, einen Platz zu bekommen“, heißt es in einem Kommentar.

2020 starten in Dortmund neun zusätzliche Kita-Gruppen

Anke Widow macht deutlich, dass Fabido gemeinsam mit dem Jugendamt und den anderen Kita-Trägern daran arbeite, die Platzstruktur weiter auszubauen. „Mit dem Neubau der Kita Fröbelweg in Eving und der Kita Hombrucher Bogen in Hombruch starten noch in diesem Jahr neun zusätzliche Gruppen“, sagt die Stadtsprecherin.

Doch auch die inhaltliche Arbeit in den Kitas könnte nach Ansicht einiger Dortmunder verbessert werden. Einige Abstimmende regen mehr freie Entfaltung, mehr Betreeung mit Beziehung zur Natur oder bessere Lernprojekte für Kinder an.

Die Stadtverwaltung sieht die Fabido-Kitas „gut ausgestattet“. Die Einrichtungen könnten durch eigene Budgets ihre Ausstattung und ihren Bedarf individuell steuern.

Das Coronavirus hat viel Unsicherheit in der Kinderbetreuung geschaffen

In den Dortmunder Kindertagesstätten hat das Coronavirus grundsätzliche Abläufe verändert. Schutzmasken und Desinfektionsmittel dürften noch eine Weile zum Alltag gehören. Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren wie kurzfristige Schließungen von Einrichtungen, der unklare Umgang mit anderen Infektionskrankheiten oder eingeschränkte Betreuungszeiten.

Luisa Campino Johnson ist der Ansicht, dass die Folgen dieser Krisenphase noch in einigen Jahren spürbar sein könnten, wenn sich nicht grundlegend etwas ändere. „Kinder merken die Unsicherheit, das zeigt sich in vielen Verhaltensweisen. Und es ist die Frage, was das alles mit der psychischen Gesundheit der Eltern macht.“

Serie

Die Arbeit der Stadt im Umfrage-Check

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt - und damit ein neuer Chef für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
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