Das Gebiet rund um die Dürener Straße und die Stahlwerkstraße musste am Montagabend wegen eines Bombenfunds evakuiert werden. © Lukas Wittland
Bombenevakuierung

„Viele Menschen, die keinen Bock haben, ihre Wohnungen zu verlassen“

Die Bomben-Evakuierung im Viertel um den Borsigplatz hat bis in die Nacht gedauert, weil die Stadt Anwohner nicht erreichen konnte. Wir haben uns dort umgesehen und mit Menschen gesprochen.

Von dem Trubel am Abend des Vortags ist am Dienstagnachmittag in der Dürener Straße nichts mehr zu spüren. Entspannt schlendern die wenigen Leute, die hier unterwegs sind durch die Straße unweit des Borsigplatzes in der Dortmunder Nordstadt. Durch die offenen Türen in der Seitenstraße kann man Maler sehen, die die Hausflure der neu renovierten Häuser streichen.

Alles geht wieder seinem geordneten Gang nach. Das war am Montagabend noch anders, als bei Bauarbeiten auf dem Gelände von Thyssenkrupp eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden worden war. 3000 Menschen mussten für die Entschärfung ihre Häuser verlassen. Doch die Evakuierung dauerte ungewöhnlich lange. Erst um kurz vor 2 Uhr in der Nacht konnte die Stadt Entwarnung geben: Die Bombe ist entschärft.

Die Nacht steckt den Anwohnern in den Knochen

Am Hoeschplatz hat sich am Nachmittag danach eine Hand voll Leute auf ein Bier getroffen. Viele wohnen schon lange im Viertel, sagen sie. Die Evakuierung ist auch bei Ihnen Thema. Sie steckt ihnen noch in den Knochen.

Die Frau, mit den grauen Haaren, die auf einer Bank sitzt, möchte wie die anderen namentlich nicht genannt werden, sagt sie. Mit Foto erst recht nicht. „Es war schon ganz schön spät gestern“, sagt die Anwohnerin. „Das sieht man mir noch an. Das hat gestern einfach alles zu lange gedauert.“

Hätte ihre Kollegin ihr nicht eine Nachricht geschrieben, dass die Warn-App Nina bei ihr angeschlagen hätte, hätte sie in ihrer Wohnung nichts von der Evakuierung mitbekommen, glaubt sie. Die Frau, die gegenüber am Zaun lehnt und gerade eine Zigarette aus der Packung zieht, sagt: „Ich hab‘s erst mitbekommen, als die Polizei bei mir geklingelt hat. Das war irgendwann um 23 Uhr.“

„Nordstadt halt“

Etliche Klingeln haben nicht funktioniert, weil es in manchen Häusern keinen Strom gegeben habe, heißt es von der Stadt. Deshalb seien die Menschen nur schwer zu erreichen gewesen. Dass es hier Häuser ohne Strom gebe, davon wissen die Fünf am Hoeschplatz nichts. Aber die Dürener Straße runter, da könnte so ein Haus sein, glaubt einer. Das Ordnungsamt sei auf jeden Fall häufiger dort.

Vor dem Haus, das er meint, stehen schwarze Mülltonnen, alle sind voll. Das kann man sehen und riechen. Die Fassade ist unten mit Graffiti beschmiert, weiter oben blättert der Putz ab. Es gibt in der Ecke ein paar Häuser, die so aussehen, sagt eine Frau, die hier häufiger unterwegs ist – und nennt vier weitere.

„Nordstadt halt“, sagt ein Anwohner. Er steht vor dem Häuserblock, der gegenüber dem Graffiti-beschmierten Haus ist und vom Wohnungsanbieter Vivawest gerade renoviert wird.

„Wer hier lebt, kümmert sich um sich“, sagt der Mann mit den tätowierten Armen und der Lederkutte. Dass es in der Ecke aber besondere Probleme gebe, finde er nicht, ergänzt er und geht weiter. Auch andere Anwohner sehen das nicht so. Alles in allem sei es ein gutes Miteinander der vielen Kulturen, die hier aufeinander treffen.

„Menschen, die keinen Bock haben, ihre Wohnungen zu verlassen“

Das findet auch die Frau mit den grauen Haaren am Hoeschplatz. Ihr Gegenüber sieht das anders. „Manche halten sich nicht an die Regeln. Das ist mit dem Müll so und auch bei der Evakuierung.“

„Hier leben viele Menschen, die einfach keinen Bock haben, ihre Wohnungen zu verlassen, wenn die Polizei klingelt“, sagt der kräftig gebaute Mann. „Der da zum Beispiel“, sagt er und zeigt lachend auf einen Mann, der vorbeigeht und den er zu kennen scheint. Er sieht ziemlich deutsch aus.

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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