Viele Städte verbieten Heizpilze vor Cafés - Neuer Vorstoß in Dortmund?

mlzKlimakiller Heizpilz

Heizpilze gelten als Klimakiller, als etwa so umweltschädlich wie Autos. Aktuell werden sie aus vielen Kommunen verbannt. In Dortmund wurde schon 2008 ein Verbot diskutiert. Kommt es noch?

Dortmund

, 12.12.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer mehr Kommunen in NRW verbieten Gastronomiebetrieben den Betrieb von Gas-Heizpilzen auf öffentlichen Flächen. Warendorf diskutiert noch darüber, in Lüdenscheid wurde ein Verbot im vergangenen Monat Realität.

Beim Erreichen einer Verbesserung der CO2 -Bilanz ist man in bundesweit bester Gesellschaft: In Köln, Berlin, Leipzig oder Müchen sind die klimaschädlichen Heizpilze schon seit Jahren aus dem öffentlichen Raum verbannt worden. Und in Dortmund?

Erstmalig wurde ein Verbot von Gas-Heizpilzen 2008 in der Dortmunder Verwaltung thematisiert. Damals befürchtete der Umweltdezernent und Stadtrat Wilhelm Steitz, dass infolge des Rauchverbots in Kneipen die Anzahl von Heizstrahlern in Dortmund massiv ansteigen könnte.

„Wenn man Klimaschutzziele hat, die man mit hohem Aufwand verfolgt, dann muss man darüber nachdenken, wie ungehemmt man solche Geräte zulassen kann“, so Steitz.

Beschlussvorlage von 2011

Steitz verwies auf einen Hinweis der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die den Kohlendioxidausstoß eines einzigen Strahlers mit dem eines Kleinwagens bei 20.000 Kilometern Fahrleistung verglich. Bis zu vier Tonnen Kohlendioxid würden pro Jahr bei einer 36-Stunden-Woche in die Luft geblasen.

Im Rahmen einer von den Bündnisgrünen eingebrachten Beschlussvorlage für die Richtlinien zur Gestaltung von City-Außengastronomien der Stadt Dortmund wurde ein Gas-Heizpilzverbot auch 2011 Thema im Rat.

In der damaligen Beschlussvorlage heißt es dazu: "Gasbetriebene Standheizwärmestrahler sind nicht zulässig. Diskret an der Fassade installierte elektrobetriebene Infrarotwärmestrahler sind in Abstimmung mit der Verwaltung möglich."

Rat wurde neugebildet

Doch die Beschlussvorlage geriet irgendwie unter die Räder. "Die Vorlage sollte vor den Sommerferien 2012 beschlossen werden, doch dann kam die Auflösung des Rates", erklärt Sabine Pezely, Fraktionsgeschäftsführerin der Bündnisgrünen.

Ein Folgeantrag zum Thema sei danach in die Sitzung des Umweltausschusses geschoben worden, die dann aber nicht stattgefunden hätte.

Wie es genau mit der Beschlussvorlage weiterging, können auf Anfrage auch aktuelle Mitglieder der SPD- und CDU-Ratsfraktionen nicht mehr nachvollziehen. Das Umweltamt und das zuständige Dezernat der Stadt konnten bis zum Redaktionsschluss dieses Textes (11.12., 17.30 Uhr) keine konkrete Auskunft darüber geben, warum das Heizpilzverbot damals nicht umgesetzt werden konnte. Man müsse die Umstände dessen noch verwaltungsintern recherchieren, so Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage.

Decken statt Pilze

Laut Thorsten Hartwig hätten nicht nur das Rauchverbot, sondern auch das veränderte Freizeitverhalten der Gaststättenbesucher zu einer Ausweitung von Freiluftflächen der Betriebe geführt - und somit das Aufstellen von Heizstrahlern befeuert. Der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein-Westfalen (DEHOGA NRW) meint, dass die gestiegene Nachfrage nach Biergarten & Co. längst nicht ihren Höhepunkt erreicht habe.

"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Wirte auch jetzt schon auf Heizstrahler verzichten und Alternativen wie Decken für die Gäste bereithalten. Daher ist kaum zu befürchten, dass bei einem Heizpilzverbot Umsatzeinbrüche zu befürchten wären", sagt DEHOGA-Sprecher Hartwig.

Aber wie viele Gastronomiebetriebe in Dortmund wären vom Heizpilzverbot eigentlich betroffen? Konkret lässt sich das anhand von Zahlen nicht sagen.

Genaue Zahlen gibt es nicht

Gastwirte, die Außengastronomie auf öffentlichen Flächen anbieten, müssen Sondernutzungsgebühren an die Stadt entrichten, die pro Tag und pro Quadratmeter Fläche berechnet werden.

Stadtweit sind 2019 bei der Gewerbeaufsicht des Ordnungsamtes 412 Außengastronomieflächen konzessioniert worden. Auf insgesamt 11.841 Quadratmetern bieten Kneipen und Restaurants 11.223 Gästen Platz. Stadtsprecher Christian Schön weist darauf hin, dass es sich bei den Zahlen um sogenannte "gewidmeten öffentlichen Wegeflächen" handelt. Daten zur Gastronomie auf Privatflächen würden nicht gesondert erfasst.

"Die Anzahl der Genehmigungen ist nicht deckungsgleich mit der Anzahl der Betriebe oder Gastwirte. Manche "stückeln" die Genehmigungszeiträume oder verlängern sie - was dann immer als neuer Antrag gezählt wird", so Christian Schön.

Gastronomie bietet Alternativen bereits an

Im Stadtrat gibt es derzeit keinen neuen Vorstoß in Sachen Heizpilz-Verbot, doch angesichts der Diskussion um Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnte die Sache in der Politik wieder Fahrt aufnehmen. So bekräftigt auch Sabine Pezely, dass die Ratsfraktion der Grünen sich nach wie vor für ein Gas-Pilzverbot aussprechen würde.

Viele Städte verbieten Heizpilze vor Cafés - Neuer Vorstoß in Dortmund?

Das Heizpilz-Trio vor dem Maximilian ist aktuell auch eher selten in Betrieb. Als Alternative werden den Gästen warme Decken gereicht. © Fabian Paffendorf

Den Gästen der Innenstadt-Gastronomie würde das jedenfalls nicht weh tun, wie ein Stimmungsbild zeigt. "Die Dinger können weg, eine flauschige Decke ist genauso gut", sagt zum Beispiel Cornelia Bergemann, die es sich mit Freundinnen vorm Maximilian am Markt bequem gemacht hat. Die Freundinnen stimmen ihr zu, "wenn's zu kalt ist, soll man halt rein gehen".

An einem anderen Tisch bekennt ein Gast: "Ich bin eine richtige Frostbeule, da hab ich es lieber schön warm. Aber eine Decke oder ein Infrarotstrahler tun's auch".

Das Maximilian ist der einzige Gastro-Betrieb am Markt, der noch Heizpilze im Außenbereich stehen hat. Die sind aber nicht oft in Betrieb, also hat man auf jedem Platz Kuscheldecken platziert. Auch die anderen Bistros, Kneipen und Restaurants am Markt wie Wenkers oder Pfefferkorn bieten längst Alternativen an - statt auf Pilze setzt man auf die ungleich klimafreundlicheren Infrarotstrahler.

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