Viele Unternehmen können Beiträge zur Sozialversicherung nicht zahlen

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Nicht nur die Anzeigen von Kurzarbeit sind gestiegen, auch die Anträge zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen. Allein bei der Dortmunder BIG-Krankenkasse ist die Steigerung exorbitant.

Dortmund

, 03.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit welcher Wucht die Corona-Krise die Wirtschaft trifft, zeigt nicht nur der Anstieg der angemeldeten Kurzarbeit bei der Dortmunder Arbeitsagentur. So verzeichnet die Dortmunder BIG-Krankenkasse einen exorbitanten Anstieg der Anträge auf Stundung der Sozialversicherungsbeiträge.

Laut Unternehmen gingen im März 2020 bei der BIG bereits 8950 Stundungsanträge von Arbeitgebern und Selbstständigen ein. In normalen Zeiten sind es 30 pro Monat.

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Bereits seit Beginn der Pandemie habe die BIG die Möglichkeit eröffnet, die Beitragsberechnung für die Kranken- und Pflegeversicherung prüfen zu lassen. „Arbeitgeber und freiwillig versicherte Selbstständige, die uns glaubhaft nachweisen, dass sie aufgrund der Corona-Pandemie in finanzielle Schieflage geraten sind, können ihre Sozialversicherungsbeiträge später zahlen“, sagt Peter Kaetsch, Vorstandsvorsitzender der BIG.

Keine Stundungszinsen

Wenn Maßnahmen aus dem Hilfspaket der Bundesregierung möglichst zügig greifen, könne die BIG die Stundung zumindest für die Monate März und April gewährleisten. Doch bevor ein Arbeitgeber eine Stundung beantrage, sollte er alle anderen Maßnahmen aus den verschiedenen Hilfspaketen und Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung wie Kurzarbeitergeld ausgeschöpft haben, so Kaetsch.

Einer Sicherheitsleistung bedürfe es bei der Stundung aktuell nicht. Stundungszinsen würden ebenfalls nicht berechnet, teilt die Krankenkasse mit. Soweit Säumniszuschläge oder Mahngebühren zunächst erhoben wurden oder werden, können diese auf Antrag des Arbeitgebers wieder erlassen werden.

Bei Arbeitgebern, die erheblich von der Krise betroffen sind, verzichtet die BIG für März und April auf Vollstreckungsmaßnahmen bei allen rückständigen oder bis dahin fällig werdenden Beiträgen.

Auch die AOK Nordwest bietet den Arbeitgebern, Selbstständigen und Kleinunternehmern in Westfalen-Lippe die unbürokratische Stundung ihrer Sozialversicherungsbeiträge an. „Wir möchten alle Unternehmen, die durch die Corona-Krise in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind, jetzt nicht allein lassen und ihnen schnell und unbürokratisch helfen“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Anmeldung von Kurzarbeit

Bei den Anträgen auf Kurzarbeitergeld übernimmt die Agentur für Arbeit prozentual, also zu 60 Prozent, die Sozialversicherungsbeiträge, berichtet Agentursprecherin Sibylle Hünnemeyer.

Demnach sind im März 2020 (Stand Freitag, 27.3.) in Dortmund gut 1700 Anzeigen von Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur eingegangen, bei denen Betriebe nach eigenen Angaben Kurzarbeit als Folge der Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus benennen. Im gesamten Jahr 2019 waren es 40 Unternehmen und Betriebe.

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