Vier Jahre geduldet, jetzt sollen 40.000 kleine Summer weg

mlzBienenstöcke

Rund vier Jahre lang hatte Vonovia-Mieterin Margret Wagner Bienenstöcke in ihrem Garten in Mengede. Jetzt sollen diese entfernt werden - warum, ist bislang unklar.

von Verena Halten

Mengede

, 29.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Bienen, die in einem der Gärten an der Walter-Schücking-Straße in Mengede leben, gehören seit rund vier Jahren für viele Nachbarn dazu. Sie sind fleißig, bestäuben die Blumen und Sträucher und sorgen laut Anwohnerin Margret Wagner und ihre Nachbarin Edeltraud Stöcker dafür, dass die „noch prächtiger blühen“. Jetzt sollen die Bienen plötzlich weg.

Das teilte Vermieter Vonovia Margret Wagner das erste Mal Anfang Mai mit. „Da kam das erste Schreiben, dem widersprochen wurde“, sagt Wagners Schwiegersohn Torsten Radons: Weil keine Gründe genannt wurden. „Es hieß einfach nur, sie müssen weg.“ Kurze Zeit später erfolgte eine erneute Aufforderung, ohne auf den Einspruch oder Rückfragen einzugehen. Das sorgt bei Margret Wagner für Unverständnis. Vor rund einem Jahr sagte man von Vonoviaseiten bei einer Wohnungsübergabe immerhin noch, „wie schön das sei“, dass man hier etwas für die Umwelt tue, so Wagner.

Ein bitterer Entschluss, mit Blick auf das Bienensterben

Torsten Radons kümmert sich für die älteren Damen um den Garten. Die Bienen hier gehören dem Imker Gerhard Hentrich aus Herne. Hentrich hält seit rund 30 Jahren Bienen und ist anerkannter Züchter im Deutschen Imkerbund. Zurzeit hält er 24 Wirtschaftsvölker in Herne, Castrop-Rauxel und Dortmund. Und trotzdem sei es ihm bisher noch nicht passiert, dass ein Vermieter das Halten von Bienen „einfach so“ untersagt hätte, sagt er. Besonders bitter, wenn man das Biensterben betrachtet, das nicht nur so manchem Imker Kopfweh bereitet.

Vier Jahre geduldet, jetzt sollen 40.000 kleine Summer weg

Die Bienen sind sehr sanftmütig, man kann sie sogar anfassen und „streicheln“. © Verena Halten

Grund ist anscheinend eine Beschwerde aus der Nachbarschaft, so sagt es zumindest Margret Wagner. Aber auch die Vonovia deutet das auf Nachfrage an, nähere Gründe konnte sie jedoch nicht nennen. Seit einem Streit haben sich Nachbarn mehrfach über die Bienen beschwert, erklären Wagner und ihre Tochter Diana Gaßmann den Verdacht. Beispielsweise, weil sich die Bienen „ständig“ in die Wohnung verirren sollen. „Aber, dann müssten wir sie doch auch ständig in der Wohnung haben“, sagt Margret Wagner und Edeltraud Stöcker bestätigt: „Bei mir war bisher noch keine.“

Sechs Bienenvölker wohnen in Mengede

Bienen halten sich eher in der Natur oder in ihren Bienenstöcken auf, sagt Imker Gerhard Hentrich. In Mengede sind es sechs abseits stehende Bienenstöcke mit sechs Völkern, die etwa 40.000 kleine Brummer im hintersten Teil des großräumigen Gartens beherbergen. Äußerst sanftmütige Bienen, wie sich vor Ort zeigte. Die kleinen Insekten ließen sich gar nicht von Nic Gaßmann (4) stören, der sie streicheln wollte.

Für den erfahrenen Imker ist das nichts Ungewöhnliches. Seine Bienen locken immer wieder interessierte Nachbarn an den Gartenzaun oder Kinder in Wagners und Stöckers Garten. Hat es bereits Stiche gegeben? Äußerst selten, sagen Torsten Radons und Diana Gaßmann. Etwa, weil man in der Nähe der Bienenstöcke barfuß auf eine Biene getreten sei oder unbedacht in den Kasten gefasst und eine Biene versehentlich gequetscht hätte. Aber, von einer Biene „attackiert“ worden sei noch niemand.

Vonovia spricht sich für Bienen aus - und will eine Lösung finden

Torsten Radons greift Gerhard Hentrich oft unter die Arme, wenn der an den Bienenstöcken arbeitet. Umso bitterer ist auch für ihn die nächste Frist, die ein Entfernen der Stöcke im Herbst verlangt. „Bienen werden bei der Vonovia grundsätzlich nicht geduldet, hieß es letztens“, sagt Radons. Das stimme so nicht, teilte uns Vonovia-Sprecherin Bettina Benner mit: „Bienen zu schützen, das ist Teil unseres Nachhaltigkeitskonzeptes.“ Deshalb richte die Vonovia selbst seit vielen Jahren Bienenhotels und Blumenwiesen ein.

Nun will sich die Vonovia im August mit allen Beteiligten zusammensetzen: Um bestenfalls eine Lösung zu finden, mit der alle Parteien leben können.

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