Abriss-Eklat: Muss Vivawest Dortmunder Mietern sogar eine neue Küche bezahlen?

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Acht Häuser will Vivawest in Dortmund abreißen. Die Bewohner sind verzweifelt. Jetzt schaltet sich der Mieterverein ein – und organisiert eine Versammlung, um die Rechte zu klären.

Dorstfeld

, 26.02.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eineinhalb Jahre bleiben den Mietern von acht Vivawest-Mehrfamilienhäusern in Dortmund. Dann sollen die Häuser abgerissen werden. Zehn Wohnungen stehen bereits länger leer, dennoch sind 22 Mietparteien von der Räumung betroffen.

„Die Häuser weisen Schieflagen auf, die auch durch eine Modernisierung nicht zu beheben sind“, begründete Vivawest-Pressesprecherin Katrin Lamprecht den Abriss der Häuser. „Zudem entsprechen die Grundrisse nicht mehr den heutigen Wohnbedürfnissen.“

Vivawest habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, jedoch gebe es keine andere Option. Während die Mieter verzweifelt reagieren, versucht Katrin Lamprecht zu beschwichtigen. Vivawest übernehme den Umzug aller Mieter und helfe bei der Wohnungssuche.

Mieterverein Dortmund: Vivawest muss mehr helfen

„Es reicht nicht, wenn Vivawest bei der Suche nach einer Ersatzwohnung hilft“, sagt Tobias Scholz als wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund. Die Wohnung müsse von der Ausstattung her angemessen sein und zum bisherigen Mietpreis angeboten werden.

„Die Mieter dürfen nicht gedrängt werden, die erstbeste Wohnung anzumieten“, sagt Scholz. Und vor allem nicht zu jedem Preis.

Das Ehepaar aus Dorstfeld und seine Nachbarn sollen ihre Wohnungen verlieren.

Das Ehepaar aus Dorstfeld und seine Nachbarn sollen ihre Wohnungen verlieren. © Carolin West

Auch müsse Vivawest mehr übernehmen als nur die Kosten für den Umzug. „Eine gegebenenfalls erforderliche Renovierung oder Dinge für die Neueinrichtung wie eine Küche müssen von Vivawest übernommen werden“, erklärt Tobias Scholz.

Die Mieter sollten sich vorerst nicht beunruhigen lassen. Der Mieterverein empfehle ihnen dringend, die Wohnungen nicht übereilt zu kündigen und sich vorher mietrechtlich beraten zu lassen.

Mietverträge können nicht einfach aufgelöst werden

Dazu werde es auch eine Mieterversammlung mit den betroffenen Parteien geben. Datum, Uhrzeit und Ort will der Mieterverein zeitnah bekannt geben.

Ohnehin gelte es noch abzuwarten, ob der Abriss der Häuser einfach so möglich ist, so Scholz. „Ein Mietvertrag lässt sich nicht einfach durch den Wunsch des Vermieters, ein Haus abreißen zu lassen, in Luft auflösen“, erklärt er. „Mieter haben Schutzrechte.“

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Eine Beendigung des Mietverhältnisses sei nur mit einer Verwertungskündigung möglich. Die könne nur ausgesprochen werden, wenn der Eigentümer, in diesem Fall die Vivawest, durch die Fortsetzung des Mietverhältnisses an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung des Grundstückes gehindert werde.

„Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben und die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes einzuhalten“, erklärt Tobias Scholz. „Der Vermieter muss darlegen, warum ihm beim Fortbestand des Mietverhältnisses ‚erheblicher Nachteil‘ entstehen würde.“

Das und mehr werde bei der Mieterversammlung eingehend besprochen.

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