Vogelgrippe: Geflügelzüchter spricht von "Hysterie"

Verdacht einer Verschwörung

Schutzgebiete in Dortmund, Stallpflicht für Vögel, besondere Regeln für alle Hundehalter: Das sind die Folgen des Vogelgrippe-Nachweises, die viele in Dortmund spüren. Rassegeflügezüchter wie Ulrich Werner sind im Besonderen betroffen. Der 72-jährige Dortmunder äußert nun sehr deutlich sein Unverständnis.

DORTMUND

, 20.12.2016, 02:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Auftauchen des Vogelgrippe-Virus H5N8 hat auch in Dortmund zu umfangreichen Schutzmaßnahmen geführt, die Geflügelzüchter Ulrich Werner kritisiert.

Das Auftauchen des Vogelgrippe-Virus H5N8 hat auch in Dortmund zu umfangreichen Schutzmaßnahmen geführt, die Geflügelzüchter Ulrich Werner kritisiert.

Ulrich Werner ist seit 1959 Geflügelzüchter, über zwei Jahrzehnte hat der Benninghofer den Landesverband geführt, immer noch ist er bei mehreren Ausstellungen in der Region aktiv. Man könnte also sagen, er kennt sich aus mit der Materie. Nun ist er ernsthaft verärgert über ein ganzes System, das er hinter dem Seuchen-Alarm vermutet.

„Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum im letzten Quartal des Jahres eine Hysterie an Vogelgrippe auftritt. Im Frühjahr ist wieder Vogelzug, von Vogelgrippe keine Spur, ebenso im Sommerhalbjahr. Die ganze Sache hat einen üblen Beigeschmack“, sagt Ulrich Werner.

Lobbyarbeit

Dass ein gewisser Schutz nach dem Fund eines infizierten Tieres am Phoenix-See notwendig sei, bestreitet er nicht. Doch wenn das Virus wirklich Dortmund erreicht hätte, so seine These, müsste es auch an anderen Stellen Fälle geben. So hält er die Seuchenwarnung des staatlichen Friedrich-Löffler-Instituts für eine Entscheidung, „die viel mit Lobbyarbeit zu tun“ habe.

In Mittelpunkt seiner Kritik: Die großen Wirtschaftsgeflügelbetriebe, die ohnehin eine ganzjährige Stallpflicht fordern und im aktuellen Fall vom Ausbruch des Virus und der Tötung des Bestandes sogar finanziell profitieren würden. Schließlich sei der Betrieb im Kreis Cloppenburg, von dem der aktuelle „H5N8“-Nachwies ausging, schon 2014 zum selben Zeitpunkt im Jahr aufgefallen. Für getötete Tiere erhalten Betriebe eine Entschädigung – die höher sein kann, als der Ertrag auf einem übersättigten Markt zu dieser Jahreszeit.

Stallpflicht mindestens bis Ende des Jahres

Ausbaden müssten diese Verfehlungen in der Massentierhaltung er und seine Kollegen. Für die die Geflügelzucht Hobby, aber auch Berufung ist. „Wir erhalten vom Aussterben bedrohte Rassen und leisten aktiven Tierschutz. Und müssen uns immer an strenge Auflagen halten“. Mit der aktuellen Stallpflicht, die noch bis mindestens Ende des Jahres gilt, möchte sich Ulrich Werner nicht abfinden. Er hat einen Antrag bei der Stadt Dortmund auf Aufhebung gestellt. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. 

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