Vom Lagerverkauf zum Online-Shop: Millionen Masken gehen über die Rampe

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Scheidings Lagerverkauf galt bislang als Adresse für Schnäppchen und Silvester-Feuerwerk. Im Zuge der Corona-Krise kamen Desinfektionsmittel hinzu. Der Verkauf erfolgt nun nicht nur ab Lager.

Oestrich

, 15.04.2020, 19:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christoph Scheiding hat eine etwas spezielle Art von Humor: „Ich würde mich über ein paar freie Tage zuhause freuen.“ Wenn er arbeitet, ist er meist zwar zuhause. Denn er wohnt an der Firmenzentrale von Scheidings Lagerverkauf in Dortmund-Oestrich. Einen richtig freien Tag hatte er aber selbst an Karfreitag und Ostermontag nicht.

„Ostermontag ging das Telefon“, erzählt er. Eine Altenpflege-Einrichtung rief an. „Die hatten akut einen Corona-Fall und brauchten dringend FFP2-Masken.“ Christoph Scheiding ging in seine Lagerhalle und reichte einen Karton über das Tor des Firmengeländes. „Bezahlung machen wir per Rechnung, habe ich dann gesagt. Eine Barzahlung war mir doch etwas zu heiß.“

LKW holt 50.000 Masken vom Flughafen

Scheidings Lagerverkauf ist eigentlich „eine Adresse“, wenn es um Schnäppchen geht. Saisonartikel, Süßwaren, zum Jahreswechsel Raketen und Böller. Gerade der Handel mit hochwertigem Feuerwerk hat ihm Kunden aus ganz NRW und darüber hinaus gebracht. Mehr als 73.000 Menschen haben die Facebook-Seite abonniert.

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Die Corona-Krise hat das Geschäft komplett verändert. In der Firmenzentrale am Kammerstück „brummt es“ nun anders. Christoph Scheiding handelt mit Schutzmasken. Vermittelte er im Januar noch welche nach China, kauft er jetzt in Fernost ein.

Christoph Scheiding kontrolliert eine Lieferung. 20.000 FFP2-Masken sind aus Shanghai per Luftfracht gekommen.

Christoph Scheiding kontrolliert eine Lieferung. 20.000 FFP2-Masken sind aus Shanghai per Luftfracht gekommen. © Uwe von Schirp

Am Mittwochmittag (15.4.) ist gerade ein LKW in den Niederlanden, um 50.000 FFP2-Masken vom Flughafen abzuholen. Mitarbeiter haben derweil in der Lagerhalle 20.000 einfache OP-Masken in 50er-Kartons verpackt – eine Bestellung eines Unternehmens. Der Hersteller aus China liefert in Cellophan verpackte Masken und Faltkartons separat. Das spart Frachtvolumen.

Friseure sorgen vor

Gut eine Million Masken, schätzt der Inhaber, gingen in den letzten Wochen über Kassentheke und Verladerampe. Die Nachfrage ist groß. Unternehmen ordern für Mitarbeiter und Kunden, Veranstaltungshallen schon vorausschauend für Konzertbesucher, wenn sie denn irgendwann wieder öffnen dürfen. Auftragsanfragen in siebenstelligen Stückzahlen. „Jeder sorgt vor“, sagt der Händler. „Auch Friseure. Wenn sie wieder öffnen, wollen sie vorbereitet sein.

Hand- und Flächendesinfektionsmittel sowie Masken stehen für den Versand von Bestellungen im Online-Shop bereit.

Hand- und Flächendesinfektionsmittel sowie Masken stehen für den Versand von Bestellungen im Online-Shop bereit. © Uwe von Schirp

Und weil auch die Endverbraucher nicht nur aus dem östlichen Ruhrgebiet kommen, häufen sich auch Bestellungen per E-Mail und Telefon. „Deswegen haben wir einen Online-Shop eingerichtet“, erklärt Scheiding seine Arbeit am Karfreitag. „Der Shop erspart uns, Rechnungen zu schreiben“, erklärt er. „Die Zahlung erfolgt sicher per Paypal.“

Währenddessen ist in der Lagerverkaufs-Halle „business as usual“. Auf dem Parkplatz stehen Kunden in gebotenem Abstand in der Schlange. Am Eingang bekommt jeder kostenlos eine OP-Maske. „Das schafft Vertrauen, auch bei meinen Mitarbeitern“, sagt Scheiding.

Aktion Maskenhilfe

Wir bringen Näher und Suchende zusammen

Zum Schutz vor dem Coronavirus werden Schutzmasken so dringend gebraucht, dass sogar die Nachfrage nach selbst genähten Masken groß ist. Mit unserer großen Aktion „Maskenhilfe“ bringen wir Suchende und Produzierende zusammen. Sie möchten Einrichtungen wie Pflegeheime mit selbst genähten Masken unterstützen? Oder Sie vertreten eine Einrichtung, die Bedarf hat? Melden Sie sich an! Alle Infos und Teilnahme: www.rn.de/maskenhilfe
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