Viele Baulücken gibt es nicht mehr. Trotzdem ist der Phoenix-See weiterhin ein Hotspot für Baustellen in Dortmund. © Hans Blossey
Dortmund-Barometer 2020

Von Phoenix bis Hafen: So ging es auf Dortmunds größten Baustellen voran

Eine lebendige Stadt erkennt man an ihren Baustellen. Und davon gab es auch 2020 wieder reichlich. Wir haben uns auf den wichtigsten Bauplätzen umgesehen und ziehen Zwischenbilanz.

Baustellen gibt es viele. Kleine und große. Nicht jede steht dabei im Fokus der Öffentlichkeit. Wir haben auf zehn größeren Baustellen geschaut, wie es dort voran geht.

1. Phoenix-See

Vor genau zehn Jahren, im Oktober 2010, wurde er geflutet. Inzwischen sind die Ufer des Phoenix-Sees fast komplett bebaut. Die letzten Lücken werden gerade geschlossen. Das gilt vor allem für die Südseite. An der Phoenixsee-Straße sind die letzten großen Büro- und Gewerbe-Projekte in Bau – mit so klangvollen Namen wie „Ocean 21“, „Mole 17“ oder „Seeyou“.

Hinter „Seeyou“ verbirgt sich der raumgreifende Neubau am Anleger, der auch den Seestützpunkt der Segelvereine und der Stadt beherbergen soll. Der U-förmige Komplex der Firma Derwald mit einer großen Freitreppe bietet Platz für Gewerbe, Wohnen und Gastronomie. Bis Herbst 2021 soll der Neubau vollendet sein.

Das Parkraumkonzept sollte eigentlich rund um den See Entspannung bringen. Doch der Widerstand ist groß. Auch die Segelschule am Südufer ist unglücklich mit den Vorschlägen.
Das Parkraumkonzept sollte eigentlich rund um den See Entspannung bringen. Doch der Widerstand ist groß. Auch die Segelschule am Südufer ist unglücklich mit den Vorschlägen. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Gebaut wird auch noch an der Nordseite des Sees voran. Direkt am Hörder Hafenbecken soll ein Komplex mit einem elfgeschossigen Hochhaus entstehen – als Comunita Seniorenresidenz Phoenix-See. Der Baustart ist seit 2015 schon mehrfach verschoben worden. 2020 ging es endlich los, doch seitdem nur langsam voran. Aus der zuletzt für 2021 angekündigten Eröffnung dürfte es wohl nichts werden.

Nur langsam voran gehen die Bauarbeiten für die Seniorenresidenz am Phoenix-See mit einem elfgeschossigen Hochhaus. © Hans Blossey © Hans Blossey

Am Übergang zwischen Phoenix-See und Hörde nervt mindestens noch bis April 2021 der Umbau der Faßstraße Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Zeitgleich laufen die Arbeiten für den Neubau des Stiftsforums, zunächst mit dem Rohbau für die Tiefgarage. Bis zum Frühjahr 2023 entsteht ein Gebäudekomplex, der neben Büros und Wohnen auch eine Markthalle bieten soll.

2. Phoenix-West

Eng verbunden mit der Entwicklung des Phoenix-Sees ist das Gewerbegebiet Phoenix-West. Im Schatten der Hochofenanlage gibt es zwar noch reichlich Baulücken, doch auch die werden mehr und mehr geschlossen. Zeichen gesetzt haben 2020 etwa die Neubauten des TMM-Forums und des „Phoenix-Werks“. Dort soll es noch weitere Bauabschnitte gegeben.

Das TMM-Forum und die Phoenix-Arkaden sind zwei markante Bauprojekte im Osten des Phoenix-West-Geländes. © Hans Blossey © Hans Blossey

Gleich nebenan wurde das alte Schalthaus 101 zumindest vorübergehend wiederbelebt – als corona-gerechter Veranstaltungsort für das Festival Ruhrhochdeutsch. Und die Warsteiner Music Hall in der alten Phoenix-Halle verwandelte sich im Dezember in das Dortmunder Corona-Impfzentrum.

„Phoenix-Werk“ heißt der Neubau (unten), der am Phoenix-Platz neben der Warsteiner Music Hall (oben links) und dem Schalthaus 101 (oben rechts) entstanden ist.. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Auf der anderen Seite des alten Hochofenwerks wachsen weitere Firmengebäude in die Höhe und auch die Phoenix-Arkaden in den historischen Mauern des alten Salzlagers haben sichtbare Fortschritte gemacht.

3. Wilo-Campus

Gleich nebenan liegt der Wilo-Campus. Die Eröffnung fand im Frühjahr 2020 coronabedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Inzwischen läuft der Betrieb nicht nur in der „Fabrik der Zukunft“, sondern auch in der neuen Hauptverwaltung des Pumpenherstellers Wilo, die direkt an der B54 ein neuer Blickfang bei der Einfahrt nach Dortmund ist. Das Werksgelände ist inzwischen abgeschlossen und kann über eine neue Straße im Norden umfahren werden.

Der Wilo-Campus im Überblick. Direkt an der B54 (l.) ist die neue Verwaltung entstanden, darüber die „Fabrik der Zukunft“. Die alten Produktionshallen (unten) wurden abgerissen. © Hans Blossey © Hans Blossey

Beendet sind die Bauarbeiten auf dem Wilo-Campus damit aber noch nicht. Inzwischen sind die alten Produktionshallen und die frühere Verwaltung abgerissen. Hier entstehen bis Ende 2021 unter anderem ein Kundencenter mit Museum und ein Projekthaus. Der Gesamtabschluss der Arbeiten ist für 2022 angekündigt.

Zuletzt sorgten die Bauarbeiten für Aufsehen, weil eine alte Kapelle und Grabstätten der Adelsfamilie von Romberg freigelegt wurden.

4. Speicherstraße

Ein Zukunftsareal ist auch die Speicherstraße am Dortmunder Hafen. Hier ist direkt neben der Hafenbrücke der „Leuchtturm“ – ein neues Bürogebäude – in die Höhe gewachsen. Es bietet auf sechs Geschossen Platz für Büros und Gastronomie. Bis Herbst 2021 soll der rund 15 Millionen Euro teure Neubau fertiggestellt sein.

Mit dem “Leuchtturm” entsteht vis a vis des Alten Hafenamtes der erste Neubau an der Speicherstraße. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

In der südlichen Speicherstraße selbst ist der Straßenumbau gestartet, mit dem unter anderem eine neue Uferpromenade entstehen soll. Nach mehreren Verzögerungen und deutlicher Verteuerung hat auch der Umbau eines alten Fuhrmanns-Gebäudes zum Heimathafen begonnen.

Mit Verspätung sind 2020 die Arbeiten am Projekt “Heimathafen” an der Speicherstraße gestartet. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Nebenan wurde Platz geschaffen für den Neubau der Akademie für Theater und Digitalität. Und auch an der nördlichen Speicherstraße waren die Abrissbagger schon im Einsatz und haben unter anderem die alte Hafenverwaltung beseitigt. 2021 wird sich in der Speicherstraße viel tun.

5. Westfalenhütte

Dortmunds größtes Industrieareal ist nach wie vor die Westfalenhütte. Hier wurde das Gelände der früheren Sinteranlage weiter hergerichtet. Das Rewe-Zentrallager ist bereits voll in Betrieb. In anderen Bereichen des alten Stahlwerks-Geländes wurde und wird ebenfalls der Boden für neue Nutzungen aufbereitet.

Der Neubau der Feuerverzinkungsanlage liegt inmitten des industriellen Kerns von Thyssen Krupp auf dem Gelände der Westfalenhütte. Im Hintergrund ist die Fläche der ehemaligen Sinteranlage mit dem neuen Rewe-Zentrallager zu sehen. © Hans Blossey © Hans Blossey

Aber auch der industrielle Kern des alten Stahlwerk-Geländes wächst. Neben der bestehenden Feuerbeschichtungsanlage von Thyssen Krupp Stahl entsteht eine zweite. Die Halle, deren Fassade sich nun nach und nach schließt, ist rund 350 Meter lang und bis zu 65 Meter hoch. Bis zu 600.000 Tonnen feuerverzinkter Stahl sollen hier pro Jahr hergestellt werden. Thyssen-Krupp-Stahl investiert dafür rund 250 Millionen Euro.

6. Basecamp

Es ist Dortmunds zentralste Baustelle: Vis a vis der Reinoldikirche entsteht auf dem Gelände des früheren Karstadt-Hauses an der Kampstraße das Basecamp. Der Neubau nach Plänen des Dortmunder Büros Gerber Architekten bietet bis zu 430 Studenten-Appartements mit Gemeinschaftsräumen für Arbeiten, Fitness, Gemeinschaftsküchen, einer Bibliothek, Dachgärten und Gastronomie. Sie sollen zum nächsten Wintersemester, also im Herbst 2021, bezogen werden. „Wir sind also trotz Corona-Widrigkeiten im Zeitplan, meldet der Bauherr.

Das Basecamp, direkt gegenüber von St. Reinoldi, hat deutliche Fortschritte gemacht. © Hans Blossey © Hans Blossey

Für die Geschäftsflächen im Erdgeschoss hofft man, im ersten Quartal 2021 Mietverträge abschließen zu können. Bereits fest steht der Einzug eines Rewe-Marktes. Die Baugenehmigung für den Ausbau der Rewe-Fläche sei beantragt, heißt es.

Wieder einmal verschoben wurde 2020 der weitere Umbau der Kampstraße zum Boulevard zu Füßen des Basecamps. Jetzt soll es aber im Frühjahr 2021 ganz bestimmt los gehen.

7. Hauptbahnhof

Eigentlich sind es gleich zwei Baustellen am Hauptbahnhof. Und bei beiden gab es 2020 sichtbare Fortschritte. An der Stadtbahnstation, die seit 2014 umgebaut wird, konnten die ersten neugestalteten Zugänge zu den verbreiterten Bahnsteigen eröffnet werden – wenn auch mit deutlicher Verspätung.

Jetzt können die Arbeiten zuerst am südlichen Zugang, später am nördlichen Zugang zur U-Bahn-Station weitergehen. 2022 soll alles fertig sein – vier Jahre später als ursprünglich geplant. Und die Kosten steigen von 36,9 auf voraussichtlich 41 Millionen Euro.

Weiter oberhalb arbeitet die DB AG am 130 Millionen Euro teuren Umbau der Bahnstation. Inzwischen sind die beiden nördlichen Bahnsteige fertig umgestaltet und können schon genutzt werden. Sie bietet für Dortmunder Bahn-Verhältnisse ungewöhnlichen Komfort mit Rolltreppen, Aufzügen und behindertengerechten Einrichtungen.

Am Dortmunder Hauptbahnhof hat die Polizei einen 18-Jährigen mit einer Schreckschusswaffe erwischt. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Zurzeit laufen die Arbeiten am dritten Bahnsteig mit den Gleise 18 und 20. Die sind vor allem durch die Engstelle im Fußgängertunnel bemerkbar, der künftig deutlich breiter werden soll. Im Sommer 2021 zieht die Baustelle in Richtung Süden zum nächsten Bahnsteig weiter. 2024 soll der Hauptbahnhof dann runderneuert und barrierefrei nutzbar sein.

8. Schulen

Eine Milliarde Euro will die Stadt in den nächsten Jahren in Erneuerung, Ausbau und Neubau von Schulen investieren – und das Programm sorgt schon jetzt für Baustellen im gesamten Stadtgebiet. An mehreren Stellen entstehen Erweiterungsbauten und neue Sporthallen.

Ein Schwerpunkt ist die Nordstadt, wo am Sunderweg zurzeit für 23,8 Millionen Euro ein Neubau für die Lessing-Grundschule entsteht – zum großen Teil finanziert aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ mit dem insgesamt 95 Millionen Euro nach Dortmund fließen.

Der Neubau der Lessing-Grundschule in der Nordstadt ist eines von vielen Schulbau-Projekten in Dortmund. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

An der Burgholzstraße ist vom alten Brüderkrankenhaus, das zuletzt von der Anne-Frank-Gesamtschule genutzt wurde, nur noch ein Haufen Schutt und Steine übrig. Der Abriss schafft hier Platz für den Bau von gleich zwei neuen Schulen.

9. Berswordt-Quartier/Kaiser-Quartier

Mindestens 2000 neue Wohnungen sollen pro Jahr in Dortmund entstehen. Das hat sich die Stadt vorgenommen. Ganz erreicht wird das Ziel auch 2020 nicht. Aber mehrere Wohnprojekte sind gut vorangekommen.

Allen voran das Berswordt-Quartier. Zwischen Wittekindstraße, Berswordstraße und Lindemannstraße sind 365 möblierte Mikro-Appartements und 222 Mietwohnungen entstanden, die nun nach und nach bezogen werden.

Während auf dem Areal des früheren Südbahnhofs noch die vorbereitenden Arbeiten für eine neues Wohnquartier laufen, ist die Fläche des alten Ostbahnhofs schon dicht mit neuen Wohnhäusern besiedelt. Einen vorläufigen Schlusspunkt setzt aktuell der Bau des „Kaiserquartiers“ an der Ecke Kaiserstraße/Klönnestraße.

Geschäfte und Wohnungen entstehen im Kaiser-Quartier am Rande des früheren Ostbahnhof-Geländes. © Hans Blossey © Hans Blossey

Hier entstehen bis Ende 2021 neben einem Rewe-Markt und einem Ärztezentrum 134 Mietwohnungen. 2020 gab es dazu noch eine weitere gute Nachricht: Wenige Hundert Meter entfernt soll ab 2022 direkt an der Hamburger Straße unter dem Titel East Gate ein weiteres Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Geplant sind hier rund 100 Wohneinheiten.

10. Königswall

Es ist ein Neubau in exponierter Lage. An der Ecke Königswall/Schmiedingstraße – vis a vis zum U-Turm – entsteht für rund 18 Millionen Euro ein Gebäude-Ensemble mit Büros und Wohnungen. Erster großer Büromieter wird der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) in Nordrhein-Westfalen.

Der Neubau des Spar- und Bauvereins prägt die Ecke Königswall/Schniedingsstraße. © Hans Blossey © Hans Blossey

Dazu kommen 36 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit Flächen zwischen 62 und 93 Quadratmetern, die voraussichtlich Mitte 2021 bezogen werden können. Bauherr und Vermieter ist der Spar- und Bauverein Dortmund.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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