Von wegen „Kopenhagen Westfalens“: Dortmund ist ein Autofahrer-Paradies

mlzRanking zur Autofreundlichkeit

Bei einer Erhebung der „autofahrerfreundlichsten Städte“ liegt Dortmund weltweit auf Platz 10 von 100. Für die Grünen ist die Studie Anlass zum Spott gegenüber OB Sierau.

Dortmund

, 27.11.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das französische Automobilzuliefer-Unternehmen „Mister Auto“ hat den „Driving Cities Index“ veröffentlicht. Auf allen Kontinenten wurden Städte nach bestimmten Kriterien miteinander verglichen. Mumbai in Indien taucht in der Aufstellung ebenso auf wie Paris, Moskau, New York, Peking, Melbourne – und eben Dortmund.

Die Städte hat das Unternehmen nach eigener Aussage so ausgewählt, dass eine möglichst breite Streuung über den Globus Vergleichbarkeit schaffe.

In Calgary fährt es sich am besten - Dortmund ist zweitbeste deutsche Stadt

Dortmund ist laut der Erhebung nach Düsseldorf die zweitbeste deutsche Stadt zum Autofahren. „Mister Auto“ hat einen Gesamtwert für insgesamt 15 Kategorien wie Anzahl von Autos pro Bewohner, Stauzeit, Luftqualität, Zahl tödlicher Unfälle, Parkgebühren, Benzinpreise und andere ermittelt.

Den weltweiten Bestwert erreicht die Stadt Calgary in Kanada, gefolgt von Dubai und Ottawa (Kanada). Düsseldorf landet auf Platz acht, Dortmund zwei Ränge dahinter. Aktuelle Entwicklungen wie die hohe Dichte und oft mangelhafte Koordination von Baustellen und die Verwirrung um die Wallsperrung sind in die Erhebung noch nicht mit eingeflossen.

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Auf Dortmunds Straßen sind 258.000 Autos unterwegs

In Dortmund gibt es 0,43 Autos pro Einwohner – auf den Straßen sind also rund 258.000 Fahrzeuge unterwegs. Dortmunds Attraktivität für Autofahrer beruht dabei vor allem auf den im Verhältnis sehr günstigen Parkgebühren. Zudem kommt die Stadt auf eine geringen „Aggressivitätswert“. Hier wurden in einer Umfrage Autofahrer nach negativen Erfahrungen mit anderen Verkehrsteilnehmern gefragt.

In vielen Kategorien schneidet Dortmund weniger gut ab. Die Straßenqualität ist durchschnittlich. Die Luftqualität ist nur in 21 anderen Städten noch schlechter. Die fünf schlimmsten Städte für Autofahrer insgesamt sind laut „Mister Auto“ Mumbai (Indien), Ulan Bator (Mongolei), Kalkutta (Indien), Lagos (Nigeria), Karachi (Pakistan).

Grüne kritisieren den Vorrang des Autoverkehrs in der Stadtplanung

Für die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund ist der „Driving City Index“ Anlass zu Kritik. „Das Ergebnis steht im krassen Gegensatz zu den von der Verwaltung vorgestellten Plänen, Dortmund für die Nutzung von Fahrrädern zu einem zweiten Kopenhagen zu machen“, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Ingrid Reuter. Es zeige, „welche Vorrangstellung das Auto in den letzten Jahrzehnten in der Stadtentwicklung gehabt hat“.

Wolle man sich den Verhältnissen von Kopenhagen nähern, müsse sich etwas ändern. „Benötigt wird endlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und weniger Platz für den Autoverkehr. Dazu gehört auch eine Fahrspur auf dem Wall für den Radverkehr. Tempo 30 sollte zukünftig zur Regel werden, alles andere eine Ausnahme. Und es bedeutet, dass Parken in der Stadt teurer werden muss als die Fahrt im ÖPNV. Außerdem brauchen wir mehr Platz für Car-Sharing-Angebote und Lastenfahrräder“, sagt Ingrid Reuter.

Der Vergleich mit Kopenhagen hatte der Stadt viel Spott eingebracht

Kopenhagen landet in dem Ranking zur Autofahrerfreundlichkeit übrigens auf Platz 34. Die dänische Hauptstadt gilt in Sachen Verkehrswende vielen als Vorbild. Rund 40 Prozent des Straßenraums sind Radwege.

Die Dortmunder Stadtverwaltung hatte zuletzt angekündigt, den Radverkehr stark ausbauen zu wollen und eine Radwege-Quote von zehn Prozent erreichen zu wollen. Die Investitionen werden von 1,5 auf 6 Millionen Euro vervierfacht. Eine Pressemitteilung dazu war mit den Worten überschrieben: „Dortmund auf dem Weg zum Kopenhagen Westfalens“.

Dieser Vergleich hatte für viel Spott gesorgt. Grünen-Sprecherin Ingrid Reuter sagt: „Dortmund ist im Moment wohl eher Calgary als Kopenhagen.“

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