„Sieht hier schlimmer aus denn je“ - Ärger um Treppenhausreinigung

mlzVorwürfe eines Mieters

Vermieter Vonovia bestellt für ein Haus im Kreuzviertel eine Reinigungsfirma, die Mieter müssen zahlen. Ein Mieter macht nun Front - und plant weitere Schritte.

von Daniel Reiners

Kreuzviertel

, 04.05.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Reinigung des Hausflurs ist die vielleicht unbeliebteste Aufgabe in einem Miethaus. Entsprechend häufig wird sie vom Vermieter an eine externe Reinigungsfirma vergeben - die Kosten dafür müssen meist die Mieter über die Nebenkosten tragen. In einem Gebäude des Groß-Vermieters Vonovia im Kreuzviertel sorgt diese Regelung für mächtig Ärger.

Seit Anfang April müssen die Vonovia-Mieter des Hauses für die Treppenreinigung monatlich 11 Euro mehr zahlen, berichtet Mieter Benjamin Kunert unserer Redaktion. Hintergrund der Mehrkosten war die Feststellung des Unternehmens, die Mieter seien in „einigen Objekten“ trotz mehrfacher Aufforderung ihrer Reinigungspflicht nicht nachgekommen.

Gebessert habe sich die Situation jedoch nicht, sagt Kunert - im Gegenteil: "Seitdem die neue Reinigungsfirma die Flurreinigung übernimmt, sieht es hier schlimmer aus denn je." Der Dreck werde nur verteilt anstatt entfernt - die meisten Ecken seien voll mit Staub und Dreck.

Und auch das Von-Haus-zu-Haus-Schicken einer Reinigungsfirma sieht er in Pandemie-Zeiten, wo man nach Möglichkeit niemandem im engen Treppenhaus begegnen sollte, kritisch. In der Summe ist er unzufrieden.

Das sagt Vonovia zur aktuellen Reinigungs-Maßnahme

Vonovia bezieht gegenüber den Anschuldigungen des Mieters auf Nachfrage unserer Redaktion nun Stellung: „Durch unseren internen Qualitätsprozess wird die Hausreinigung sehr eng begleitet. Die Leistungen werden unter anderem wöchentlich durch unsere Objektbetreuer kontrolliert", sagt Vonovia-Pressesprecherin Bettina Benner.

Stelle man bei diesen Kontrollen Qualitätsmängel fest, würde das in der Betriebskosten-Abrechnung für die Mieter berücksichtigt. Man konnte allerdings bisher keine Auskunft geben, ob solche Mängel in den letzten vier Wochen bereits verzeichnet worden seien. Dienstleister für die Hausreinigung sei die Vonovia Wohnumfeld Service GmbH, die Reinigung werde durch eigenes Personal erbracht.

Der Humor scheint Benjamin Kunert allerdings noch nicht vergangen zu sein. Er lässt gerne seinen Hund die von der Reinigungsfirma übersehenen Schmutzreste entfernen.

Der Humor scheint Benjamin Kunert allerdings noch nicht vergangen zu sein. Er lässt gerne seinen Hund die von der Reinigungsfirma übersehenen Schmutzreste entfernen. © Benjamin Kunert

Im Falle von Beschwerden von Seiten der Mieter sei man stets offen: "Sollten unsere Mieter Fragen oder Beschwerden haben, können sie sich an den Objektbetreuer wenden. Wir werden dann im Sinne des Kunden entsprechende individuelle Maßnahmen einleiten", sagt Benner. Was für Maßnahmen das konkret sein könnten, konnte Vonovia auf Nachfrage nicht sagen.

Komme es zu einer gemeinschaftlichen Beschwerde aller Mieter eines Hauses, so sei man außerdem gerne bereit, den Dienstleistungsvertrag für die Hausreinigung wieder zu kündigen. Danach obliege die Reinigung wieder den Mietern des Hauses. Solche Regelungen bedürfen aber einer individuellen Prüfung durch das Unternehmen.

"Professionelle Reinigung in Corona-Zeiten unabdingbar"

Zu der Frage, ob es in Corona-Zeiten angemessen sei, eine Reinigungskolonne von Hausflur zu Hausflur zu schicken, antwortet das Unternehmen: „Es ist sogar unabdingbar, dass in diesen Zeiten hochfrequentierte Flächen wie Handläufe oder Fahrstuhl-Tasten professionell gereinigt werden."

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Auf den Mindestabstand sowie die vorgeschriebenen Hygieneregeln werde ebenfalls geachtet. Aus Sicht von Vonovia wird das Ansteckungsrisiko der Mieter im Hausflur also sogar gemindert.

Gemeinschaftliche Beschwerde könnte bald eingehen

Und wie ist Benjamin Kunerts Wahrnehmung vor Ort? "Vorher, als wir im Flur noch selbst gereinigt haben, sah es hier definitiv ordentlicher aus. Und ich wohne seit 2017 hier, also kann ich das schon beurteilen", sagt er. Bei einer angemessenen Reinigung sei er mit der Zahlung von monatlichen Mehrkosten grundsätzlich einverstanden - unter diesen Umständen aber sei das so nicht akzeptabel.

Er schätzt die aktuelle Stimmung im gesamten Haus dahingehend ein, dass man sich bald mit einer gemeinschaftlichen Beschwerde an das Unternehmen wenden werde. Wann genau, weiß er aber noch nicht.

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