Wallblitzer erwischen fast 32.000 Temposünder - aber warum blitzt jeder nur eine Richtung?

mlzRaser

Auf dem Wall wird gerne zu schnell gefahren. Deshalb wurden seit Jahresbeginn drei Blitzer installiert. Doch die messen nur die Temposünder in eine Fahrtrichtung. Warum eigentlich?

Dortmund

, 13.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachts am Wall fühlt es sich manchmal an wie an einer Autobahn: In hoher Geschwindigkeit donnern SUVs, Limousinen oder tiefergelegte Kleinwagen vorbei, liefern sich Rennen. Auch der Geräuschpegel ist nicht zu verachten – und raubt so manchem Wall-Anwohner den Schlaf, wenn das Schlafzimmer zur Straße raus liegt. Die Temposünder stört das nicht, wenn sie Nacht für Nacht ihre Runden um den Dortmunder Wall ziehen.

Seit Jahren kämpfen Stadt und Polizei gegen die Raser auf der Strecke. Deren Rennen sind berüchtigt. Während tagsüber der normale Verkehr die Geschwindigkeit ausbremst, geht es hier nachts oftmals wild zu.

Insgesamt drei Blitzer am Wall

Auch aus diesem Grund hat das Ordnungsamt seit Beginn des Jahres insgesamt drei Blitzer aufgestellt: je einen am Ostwall, am Königswall und am Hiltropwall. Hinzu kommen mobile Blitzer sowie Polizeikontrollen, sowohl in zivil als auch in Uniform. Dass die Kontrollstellen durchaus etwas bringen, zeigt die Statistik, die uns die Stadt auf Anfrage zur Verfügung stellt:

Seit seiner Inbetriebnahme am 2. Januar haben 2.942.672 Fahrzeuge den Blitzer am Ostwall passiert, davon waren 28.935 zu schnell. Hierzu muss man sagen, dass in diesem Abschnitt wegen der Baustelle lange Zeit Tempo 30 herrschte - allein im ersten Quartal 2019 wurden nach früheren städtischen Angaben hier mehr als 18.000 Temposünder geblitzt. In der Baustellen-Zeit wurden also die meisten Vergehen erfasst. Der Blitzer am Königswall, der seit dem 25. April blitzt, lichtete 1320 Fahrzeuge von 272.262 ab. Und am Hiltropwall waren es 1172 von 145.044. Dieser Blitzer löst seit dem 26. Juni aus (Stand der Zahlen: 7.8.).

Vielleicht kommen weitere Blitzer

Die Kontrollorte wurden nicht zufällig gewählt. Erfahrungen mit mobilen Messgeräten und die gemeinsamen Anstrengungen von Polizei und Stadt zur Bekämpfung der Raserszene waren ausschlaggebend. Ob weitere feste Blitzer geplant sind, weiß Schön bislang nicht. In diese Entscheidung würden die gewonnen Erkenntnisse der anderen drei Blitzer mit hineinspielen, so Stadtsprecher Christian Schön.

Wenn man die Zahlen der geblitzten Autos sieht, stellt sich die Frage: Warum wird nur in jeweils eine Fahrtrichtung gemessen? Am Ostwall werden nur Temposünder fotografiert, die in Fahrtrichtung Ostentor unterwegs sind. Am Königswall auf Höhe des Fußballmuseums nur solche, die in Richtung Hauptbahnhof fahren. Und am Hiltropwall am Schauspielhaus blitzt der Radarkasten nur Fahrer, die in Richtung Thier-Galerie zu schnell sind. Die jeweiligen Gegenrichtungen werden von den festen Blitzern nicht erfasst.

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Die Stadt sieht ein Problem dabei, beide Richtungen abzudecken: Dafür müssten entweder auf jeder Seite Anlagen installiert werden, was derzeit nicht geplant ist, oder sie müssten auf dem Mittelstreifen aufgestellt werden, so die Antwort auf unsere entsprechende Anfrage. Bei Messungen auf dem Mittelstreifen würden aber gefährliche Situationen für die städtischen Angestellten geschaffen, die am Blitzer Auswertungen oder Wartungsarbeiten vornehmen müssen.

Weil die Blitzer zwei bis drei Mal in der Woche ausgewertet werden, müsste es in diesem Fall jedes Mal Sperrungen von Fahrspuren geben. „Und man sieht ja bei Grünschnittarbeiten auf Autobahnen, auf wie viel Begeisterung das bei Autofahrern stößt“, sagt Stadtsprecher Schön.

Stattdessen würde man die Gegenrichtungen weiterhin von den mobilen Geschwindigkeitsüberwachern messen lassen sowie durch die Polizei. Christian Schön sieht einen Vorteil bei den mobilen Blitzern - sie seien flexibler einsetzbar und für Temposünder überraschender. „Bei den festen Blitzern wird dann kurz abgebremst und danach weitergerast“, sagt er über Wall-erfahrene Raser, die die Standorte der Tempo-Messer kennen. Dies sei bei den mobilen Messgeräten eben nicht so.

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