Walter Stenzel baut im Garten Kartoffeln und Chilis an – „die sind tödlich“

mlzGartenserie „Querbeet“

Der Garten von Walter Stenzel ist voll auf Ertrag getrimmt. Das lernte er nach dem Krieg. Obst und Gemüse gibt es im Überfluss. Doch eine Küche sehen nur die wenigsten seiner Früchte.

Marten

, 20.07.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits seine Eltern beackerten diesen Boden, den Walter Stenzel jetzt mit 89 Jahren immer noch umgräbt. Als junger Mann lernte er nach dem Krieg so, wie man selbst Lebensmittel anbaut, wenn man sich die im Laden nicht leisten kann.

Da gab es allerdings keinen modischen Gemüse-Schnickschnack wie Zucchini oder Schlangengurken. „Da hieß es, in die Kartoffeln“, berichtet Walter Stenzel. Die Aufgabe des Gartens war, satt zu machen. Geerntet wurde alles. „Da blieb nichts liegen“, so Stenzel.

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Satt macht der Garten des Marteners noch heute, doch auf eine vielfältigere Art und Weise als nach dem Krieg. Und den einen oder anderen Apfel lässt er für die Insekten und die Vögel liegen.

Ein paar Johannisbeeren gibt es noch. Doch die Ernte ist eigentlich vorbei.

Ein paar Johannisbeeren gibt es noch. Doch die Ernte ist eigentlich vorbei. © Holger Bergmann

Hinter dem, was Walter Stenzel heute anbaut, steckt ein einfacher Geheimplan: „Wenn die Enkel kommen, muss immer irgendwas zum Schnuckern dabei sein.“ Momentan stehen die Pflaumen hoch im Kurs. Die sind in diesem Jahr besonders saftig und genau richtig süß.

Für diesen Wandel zum Schnucker-Garten ist eines unverzichtbar: „Es kommen mir keine Pflanzenschutzmittel mehr in den Garten“, so Stenzel. Wenn er sich erinnert, was bis vor rund 20 Jahren so in den Gärten verspritzt wurde, kann er nur den Kopf schütteln. „Da hat ein Umdenken stattgefunden.“

Die Sonnenblumen stammen aus dem Vogelfutter. Vögel müssen die Samen verloren haben. Walter Stenzel hat die Blumen einfach stehen gelassen.

Die Sonnenblumen stammen aus dem Vogelfutter. Vögel müssen die Samen verloren haben. Walter Stenzel hat die Blumen einfach stehen gelassen. © Holger Bergmann

Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Birnen und Äpfel – das meiste verschwindet von der Hand in den Mund. Nur bei einer Pflanze geht das gar nicht. In diesem Jahr baut Stenzel auch Chilis an. Die sind noch nicht reif, aber er freut sich schon drauf. „Die sind tödlich“, sagt er zu der erwarteten Schärfe.

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Die Kirschernte ist vorbei, die Pflaumen auch schon fast, was noch kommt sind die Apfel- und die Birnenernte. Vor allem die Birnen sehen klasse aus. Perfekte grüne Früchte.

Birnen müssen gut gepflegt werden, damit sie nicht den Schorf bekommen.

Birnen müssen gut gepflegt werden, damit sie nicht den Schorf bekommen. © Holger Bergmann

Die gibt es aber nicht von alleine. Die müssen gepflegt werden. Denn sonst verdirbt der Birnen-Schorf, eine Pilzkrankheit, die Ernte. Die dunklen Schorfflächen zeigen sich zuerst an den Blättern. Wenn man die befallenen Blätter rechtzeitig abknipst, bleiben die Früchte frei.

Nicht nur deshalb ist Walter Stenzel an jedem einzelnen Tag in seinem Garten. Nicht nur, weil es immer etwas zu tun oder zu ernten gibt, sondern weil er sich in seinem Garten einfach so wohl fühlt.

Auch für Rosen ist Platz in Walter Stenzels Garten: „Die schönsten Blumen der Welt“, sagt er.

Auch für Rosen ist Platz in Walter Stenzels Garten: „Die schönsten Blumen der Welt“, sagt er. © Holger Bergmann

Und ja, nach all den Jahren werden in Stenzels Garten immer noch Kartoffeln angebaut. Die müssen nicht mehr nur satt machen, die dürfen jetzt vor allem gut schmecken.

Deshalb hat Walter Stenzel in diesem Jahr Kartoffeln der Sorte Bamberger Hörnchen eingepflanzt. Das ist eine alte Kartoffelsorte, die einst beinahe ausgestorben wäre. Kartoffeln dieser Sorte findet man in der Regel nur in Feinkostgeschäften. Oder im Garten von Walter Stenzel.

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