Was käme auf die Groppenbrucher zu, wenn sich Langendorf Im Dicken Dören an der Stadtgrenze niederlässt? Ein Blick in die Werkhallen des Fahrzeugbauers – mit Plänen, die überraschen.

Groppenbruch

, 16.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leuchtend rot glänzt der Lack auf dem Innenlader. Ein Mitarbeiter platziert Aufkleber des Herstellers auf Seite und Rückwand: „Langendorf – high tech on wheels“ steht darauf. Ende eines Produktionsprozesses: Der Spezialauflieger wird bald große Glasscheiben transportieren. Eine Zugmaschine des Kunden aus dem Ausland wird den Innenlader hier abholen und die Autobahnauffahrt in Groppenbruch nehmen.

Der Firmenhof von Langendorf an der Waltroper Bahnhofstraße: 1000 neue Fahrzeuge passieren jährlich das Tor. Durchschnittlich rund 50 stehen abholbereit im Auslieferungslager am Ende des Betriebsgeländes: Innenlader für Glas und Beton, Tieflader, Kipper aus Alu und Stahl, maßgeschneiderte Spezial-Fahrzeuge. Zwischen Einfahrt und Abstellplatz fällt die Orientierung schwer.

Hochwertige Hightech-Fahrzeuge aus der ehemaligen Schmiede

125 Jahre ist Langendorf alt. „Zunächst war es ein Schmiedebetrieb“, erklärt Geschäftsführer Dr. Klaus P. Strautmann. Fahrzeuge stellt das Unternehmen erst seit Ende der 1950er Jahre her. Der Blick auf eine Luftaufnahme zeigt, wie kleinteilig die Produktion auf dem Gelände angeordnet ist. 4,5 Hektar ist es groß, trapezförmig zwischen Bahnlinie und einer Wohnsiedlung, nach Norden hin ansteigend.

Waltroper Industriegebiet: So stellt die Firma Langendorf High-Tech-Fahrzeuge her

Geschäftsführer Dr. Klaus P. Strautmann vor einer Luftaufnahme des Firmensitzes von Langendorf: Sie zeigt, wie kleinteilig die Produktionshallen sind und wie nah sie an der Waltroper Wohnsiedlung liegen. © Uwe von Schirp

Die jüngste Halle entstand Ende der 1980er Jahre. Auf dem Hof liegen überall Palletten mit Reifen, Felgen, Bremsanlagen. Es fehlt sichtbar an Platz. In riesigen Zelten trocknen frisch lackierte Bauteile und Kippermulden. Provisorien. Pausenlos kreuzt ein Gabelstapler zwischen den Hallen, bewegt Achsen, halbfertige Auflieger und Anbauteile.

Lösungen für den Gütertransport der Zukunft

In diesem äußerlichen Durcheinander fertigt Langendorf hochwertige Hightech-Produkte für den Gütertransport auf der Straße. Das Unternehmen steht für Qualität – weltweit. Und arbeitet an Lösungen für die Mobilität der Zukunft, erklärt Klaus P. Strautmann. Die Lade-Auslastung von LKW liege derzeit nur bei 54 Prozent. Wenn etwa riesige Glasscheiben in einem Innenlader zum Kunden transportiert werden, fahre der Auflieger leer zurück. Langendorf habe mittlerweile eine Lösung entwickelt, die für die Weiterfahrt eine andere Nutzung ermöglicht.

Innenlader für Glas oder Betonfertigteile haben Einzelradaufhängung und keine Bodenplatte. Das Transportgut steht auf sogenannten A-Böcken, die eine Be- und Entladung vom Boden aus und ohne Kran ermöglichen. Durch eine abklappbare Bodenplatte ist anstelle einer Leerfahrt zum Beispiel der Transport von Ladegut auf Palletten möglich.

Waltroper Industriegebiet: So stellt die Firma Langendorf High-Tech-Fahrzeuge her

16 Meter misst dieser Innenlader, den ein Kunde aus Kanada in Waltrop bestellt hat: eine Sonderanfertigung - länger als in Europa üblich. © Uwe von Schirp

Langendorf belegt ein Spezialsegment im Fahrzeugbau, fertigt weitgehend auf Bestellung. Innerhalb der polnischen Wielton-Gruppe, zu dem die Waltroper seit 2017 gehören, genießt Langendorf Ansehen: wegen der Technologie, wegen des Markennamens und wegen der Lage nahe der europäischen Fernachsen A1 und A2.

Ein Zehntel der Mitarbeiter kommt aus Dortmund

„Jedes Unternehmen innerhalb der Gruppe muss aber für seinen eigenen Erfolg arbeiten“, betont Strautmann. Den Kostennachteil, den die veraltete Infratruktur am Stammsitz an der Bahnhofstraße hervorrufe, beziffert er auf eine Million Euro jährlich. „Deswegen suchen wir seit vier bis fünf Jahren einen neuen Standort.“

Thomas Distelkamp arbeitet seit 40 Jahren bei Langendorf. Der gelernte Metallbauer ist Betriebsratsvorsitzender. Beim Gang durch die Produktionshallen zeigt er Roboter, die Teile der Schweißarbeiten an den Kipper-Mulden oder den Rahmen für die Innenlader übernehmen. Zehn Meter nebenan: Schweißarbeiten von Hand. „Es gibt Stellen, da kommt der Roboter nicht dran“, erklärt das Langendorf-Urgestein.

Waltroper Industriegebiet: So stellt die Firma Langendorf High-Tech-Fahrzeuge her

Einige Schweißarbeiten im Metallbau, wie hier an einer Kipper-Mulde, übernehmen mittlerweile Roboter. © Uwe von Schirp

Distelkamp vertritt insgesamt 300 Mitarbeiter. 250 von ihnen arbeiten hier am Unternehmenssitz. Wie er kommt rund ein Drittel der Beschäftigten aus Waltrop. Gut 10 Prozent leben in Dortmund und pendeln in die Nachbarstadt.

Wenige Lastzüge liefern täglich die Bauteile an

Wenn Thomas Distelkamp kurz mit den Kollegen spricht, ist seine Stimme normal laut. Obwohl die Arbeiter hämmern, Trennschleifer Funken sprühen, die Sandstrahlanlage den Stahl reinigt, ist es draußen ruhig. Auf dem zwei Meter hohen Erdwall, der das Betriebsgelände, von den 20 Meter entfernt liegenden Wohnhäusern trennt, ist von der Produktion kaum etwas zu hören. „Es sind nur zwei bis drei Nachbarn, denen es manchmal etwas zu laut ist“, sagt Distelkamp.

Waltroper Industriegebiet: So stellt die Firma Langendorf High-Tech-Fahrzeuge her

Ein Provisorium: Zelte sind notwendig, um Baukomponenten zwischenzulagern. © Uwe von Schirp

Der Gabelstapler surrt, zieht einen Transportwagen in die Montagehalle. In drei Produktionslinien fügen die Monteure die Bauteile der Kipper, Tief- und Innenlader zusammen. Fünf bis sechs Lastzüge liefern täglich die Bauteile an: auf Maß gelaserte Stahlplatten für Rahmen und Außenwände, Paletten mit Bremsanlagen, Reifen, Felgen und Leuchtensätzen. Etwa genau soviele Transporter von Paketdiensten bringen Kleinteile.

Für einen Neubau gibt es bislang nur Skizzen

Für einen Neubau „Im Dicken Dören“ gebe es bislang nur Skizzen und eine Berechnung der benötigten Fläche, erklärt Klaus P. Strautmann. „Ob wir die Produktionshalle längs oder in L-Form bauen, ist eigentlich egal.“ Klar ist: Langendorf benötigt für die geschlossene Produktion in einer Halle eine Fläche von 120 mal 60 Metern. Und eine Hallenhöhe von rund zehn Metern.

Wenn die Planungen konkret werden, sollen die Anwohner auf Dortmunder Seite daran beteiligt werden. Die Lage von Parkplätzen, Anlieferung, Auslieferungslager inklusive. „Wir möchten da in Frieden hinkommen“, sagt Strautmann.

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