Wann ist Chemie Gift?

Ein neuer "Giftmischer" führt am Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) die Toxikologie an. Prof. Jan G. Hengstler erforscht schwerpunktmäßig die Entwicklung von Krebszellen im Zusammenhang mit Schadstoffen.

03.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Prof. Jan G. Hengstler an seinem Arbeitsplatz im Labor des Instituts für Arbeitsphysiologie an der Ardeystraße beim Mischen chemischer Substanzen. Riese</p>

<p>Prof. Jan G. Hengstler an seinem Arbeitsplatz im Labor des Instituts für Arbeitsphysiologie an der Ardeystraße beim Mischen chemischer Substanzen. Riese</p>

Bereit seit März 2007 schwingt der Professor für Toxikologie und Pharmakologie am IfADo Reagenzglas und Pipette. Zu seiner rund 30-köpfigen Projektgruppe "Molekulare Toxikologie" gehören auch sieben ehemalige Wissenschaftler, mit denen Hengstler an der Universität Leipzig zusammenarbeitete. Dort leitete der 42-Jährige kommissarisch das Instituts für Rechtsmedizin und die Forensische Toxikologie.

Schwarze Witwe

Hengstlers bekanntester Fall dort stand im Zusammenhang mit der "Hexe von Leipzig", an deren Seite in nur wenigen Jahren vier Ehemänner aus ungeklärten Gründen den Tod fanden. Ihre Leichen wurden exhumiert und von Hengstler und seinem Team untersucht. Das Ergebnis fiel weit weniger spektakulär aus als die Geschichte vermuten lässt: Gift jedenfalls ließ sich bei keinem der Verstorbenen nachweisen.

Am IfADo hat es der approbierte Arzt und Wissenschaftler nur noch mit toten Mäusen oder Ratten zu tun, und auch das nur selten. "In der Regel arbeiten wir mit Zellkulturen - Leberzellen oder Harnblasenzellen", so Hengstler. "Die kann man fertig kaufen." Die Methode, Chemikalien in vitro, also im Reagenzglas, an Leberzellen auf ihre Wirkung zu testen, wurde maßgeblich von der IfADo-Toxikologie entwickelt.

Neue Verordnung

Das Augenmerk der Forscher gilt vor allem giftigen Substanzen am Arbeitsplatz. "Nach dem 2007 in Kraft getretenen REACH-Verordnung müssen rund 30 000 chemische Substanzen bewertet werden", erklärt Hengstler. Verbraucher sollen so vor gefährlichen, krebserregenden Stoffen geschützt werden, Aflatoxinen auf Nüssen beispielsweise oder Chemikalien in Lacken und Lösungsmitteln. Das IfADo betreibt hierzu Grundlagenforschung und entwickelt Techniken, mit deren Hilfe Wissenschaftler verdächtige Stoffe schneller und besser beurteilen können. "Wir suchen Methoden, die Klassifizierungen zu beschleunigen".

Laserdrucker

Und wie beurteilt der Toxikologe die Gefährlichkeit der umstrittenen Laserdrucker? "Viele Substanzen haben eine Auswirkung auf die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken", so Hengstler vorsichtig. Das bedeute nicht, dass Drucker aus den Büros verbannt werden müssten. "Wenn aber eine Patrone aufgeht, sollte man den Staub nicht berühren oder einatmen". Susanne Riese

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